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Digitalradios werden billiger - Doch Zweifel am Erfolg bleiben

Bringt die an diesem Wochenende beginnende Internationale Funkausstellung in Berlin den Durchbruch für das bislang weitgehend ins Leere sendende Digital Radio? Mehrere Radio- und HiFi-Hersteller wollen auf der Ausstellung neue Digitalgeräte vorstellen, die preiswerter als bisherige Angebote sind.

dpa BERLIN. Doch scheinen Zweifel angebracht, ob Radiohörer in großer Zahl zugreifen werden. Denn mit knapp 1 000 DM etwa für ein integriertes digitales Autoradio liegen die Preise immer noch deutlich höher als für ein durchschnittliches UKW-Gerät.

In den nächsten Jahren soll bundesweit das Aus für die herkömmlichen Rundfunksendungen auf UKW kommen. Der vom Bund gesetzte Verordnungsrahmen sieht vor, dass Fernsehprogramme spätestens 2010 nur noch digital übertragen werden und das analoge UKW-Radiosystem spätestens 2015 abgeschaltet wird. Sachsen-Anhalt ist sogar noch weiter gegangen: Dort soll das Zeitalter der analogen Rundfunkausstrahlung nach dem Willen des Landesparlaments in Magdeburg generell im Jahr 2010 enden.

In Deutschland strahlen nach langen Probephasen und seit Beginn des Regelbetriebs 1999 private und öffentlich-rechtliche Sender mittlerweile bereits mehr als 100 Programme im digitalen DAB-Standard aus. Das Sendenetz wird mit großem Aufwand ausgebaut. Von den 31,58 DM, die dem Rundfunkgebührenzahler pro Monat abverlangt werden, sind elf Pfennige für das Digital Radio bestimmt. Noch gibt es große Sendelöcher, besonders in Norddeutschland. Doch in etwa drei Jahren sollen DAB-Programme fast überall zu empfangen sein.

Technisch - da sind sich die Experten einig - ist DAB dem herkömmlichen analogen Radio weit überlegen: Der Klang reicht an CD- Qualität heran, Empfangsstörungen gibt es kaum. Zudem kann im Prinzip alles empfangen werden, was sich in digitale Signale verwandeln lässt: außer Tönen also auch Schriftzeichen und Bilder, die auf Displays oder kleinen Bildschirmen sichtbar gemacht werden können. Dies eröffnet den Radiosendern die Möglichkeit, zusätzliche multimediale Datendienste anzubieten, etwa Navigationssysteme für das Auto.

DAB-Veranstalter haben allerdings ein gewaltiges Problem: Bei den Hörern stößt ihr Angebot bisher kaum auf Resonanz. Schätzungen gehen davon aus, dass sich bundesweit nur einige 1 000 Hörer ein Radiogerät zugelegt haben, mit dem DAB empfangen werden kann. Einen der wichtigsten Gründe für diese Zurückhaltung sehen Experten darin, dass die Industrie noch keine preisgünstigen Empfänger angeboten habe, weder für das Wohnzimmer noch für das Auto.

Die Industrie wiederum verweist auf fehlendes Hörer-Interesse, was keine großen Stückzahlen und damit keine preisgünstige Produktion zulasse - ein Teufelskreis, aus dem manche Sender die Konsequenz gezogen haben. Der Norddeutsche Rundfunk hält sich in seinen DAB- Aktivitäten sehr zurück. Der Mitteldeutschen Rundfunk hat sich bereits 1998 aus dem DAB-Angebot in seinem Sendegebiet zurückgezogen, der Hessische Rundfunk (hr) will es ihm nun nach Ende des Probebetriebs in seiner Region gleichtun. "Zunächst mal wollen wir die Funkausstellung abwarten und die weitere Entwicklung bis Ende 2002 beobachten", sagt hr-Sprecherin Bettina Kübler.

Um doch noch den Durchbruch zu schaffen, organisieren einige Industrieunternehmen und DAB-Anbieter seit Mai eine Marketing- Offensive. Auch auf der Funkausstellung soll kräftig die Werbetrommel gerührt werden. Aus Ankündigungen, wonach die Industrie bis Jahresende Geräte zum Preis von maximal 300 DM anbieten will, wird aber wohl nichts werden. "Ich halte das für unrealistisch", sagt beispielsweise der Grundig-Produktmanager für Car Audio, Volker Zergibel, in Nürnberg.

Die an der Marketing-Offensive beteiligten Firmen Grundig und Blaupunkt präsentieren auf der Funkausstellung digitale Autoradios mit Laufwerken für Kassetten oder CD beziehungsweise MP3-Scheiben, die knapp 1 000 DM kosten werden. Ein Platz sparender Fortschritt: Das DAB-Empfangsmodul ist nicht mehr wie früher getrennt in einer Extra-Box untergebracht, sondern sitzt direkt im Gehäuse.

Einen richtigen Durchbruch erwarten die DAB-Veranstalter aber auch von diesen Geräten nicht so recht. "Eher setzt man Hoffnung darauf, dass Autohersteller ihre Wagen gleich ab Werk mit DAB-tauglichen Geräten ausstatten und damit ein Kostenrutsch bei der Geräteproduktion einsetzt", sagt Peter Schwarz, Referent bei der Landesmedienanstalt in Nordrhein-Westfalen (Düsseldorf). Doch auch damit dürfte es dauern. Zwar sind eine Reihe von Autoherstellern in einer europaweiten Arbeitsgruppe "Diamond" engagiert, in der es um intelligente Informationssysteme auf DAB-Basis geht. "Doch spruchreif ist noch nichts", sagt der Sprecher der Kölner Ford Werke AG, Volker Eis.

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