Dipak C. Jain im Interview: Mit Teamarbeit gegen die Konkurrenz

Dipak C. Jain im Interview
Mit Teamarbeit gegen die Konkurrenz

Die Kellogg School of Management in Chicago gilt seit jüngstem als eine der besten Business Schools der Welt. Ihr indischer Chef, Marketing-Guru Dipak C. Jain, erklärt dem Handelsblatt wie sich sein Institut von den Wettbewerbern wie Havard oder Wharton abgrenzt.

Die Kellogg School of Management gilt derzeit auf einigen der einflussreichsten Ranglisten als die beste Business School in den USA, ja in der Welt, und schlägt damit sogar so große Namen wie Harvard, Stanford oder Wharton. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Ich glaube, dass der Erfolg der Kellogg School of Management in einem großen Maß auf unsere Teamkultur zurückzuführen ist. Und: Wir selbst als Schule praktizieren, was wir predigen. Eben weil wir gut zusammenarbeiten, sind wir in der Lage, unsere Ideen besser und schneller umzusetzen als andere.

Was macht Kellogg dabei so besonders?

Die Schule ist bekannt dafür, was wir die "culture of inclusiveness and care" nennen. Diese Kultur bedingt ein enges Zusammenwirken von Dozenten, Personal, Studenten, rekrutierenden Unternehmen und Ehemaligen.

Was heißt das konkret?

Nehmen Sie ein Beispiel: Nachdem ich Dean geworden war, habe ich das "Out-Reach-Programm" gestartet. Zusammen mit meinem Team habe ich mehr als eintausend (!) unserer ehemaligen Studenten besucht sowie die (150) wichtigsten rekrutierenden Unternehmen und Partnerunternehmen überall in der Welt. Und basierend auf diesen Besuchen und Gesprächen waren wir dann in der Lage, unser Programm den Bedürfnissen des Marktes anzupassen.

Kellogg ist auch für seine herausragende Forschung bekannt. Nun hat für einen Deutschen Forschung immer den Beigeschmack von Elfenbein-Grundlagenforschung, die dann in obskuren Fachpublikationen veröffentlicht wird.

Ich glaube, dass das Gegenteil für Kellogg zutrifft. Die Forschungsarbeit, die an einer Business School geleistet wird, sollte immer eine Wirkung auf die Praxis in der Unternehmenswirklichkeit haben. Natürlich ist die Rolle eines Akademikers - und an unserer Schule haben 96 Prozent der 147 Vollzeit-Dozenten promoviert -, über alles mögliche zu forschen, von den populärsten bis zu den obskursten Themen. Aber das Endziel der Forschung muss immer sein, das Verständnis über die Geschäftswelt, über eine Industrie etc. zu erweitern. Deshalb arbeiten Kellogg - Dozenten eng mit den Partnerunternehmen zusammen, um sicherzustellen, dass ihre Forschung relevant und anwendbar bleibt.

Sie sind Dean von Kellogg geworden, nachdem Donald P. Jacobs die Schule 26 Jahre lang geleitet hatte. Wie sehen Sie sein Erbe?

Es ist für alle klar, dass Donald Jacobs derjenige war, der die Schule zu einer der weltweit führenden Business Schools gemacht hat. Er machte Kellogg zu einem Innovator - vom Curriculum bis zur Executive Education. Und er führte das weltweit kopierte Teamkonzept ein. Meine Aufgabe wird sein, die Marke Kellogg weltweit weiter auszubauen.

Kellogg ist nicht nur in den USA aktiv, sondern auch in Deutschland, wo Sie zusammen mit der WHU in Koblenz ein Teilzeit-MBA-Programm für Führungskräfte anbieten. Wie wichtig ist der Markt in Deutschland für Ihre Bunsiness School?

Sehr. Zum einen wegen der wirtschaftlichen Bedeutung des Landes in Europa und der Welt. Zum anderen haben wir mehr als 1 000 Ehemalige in Europa, davon fast 200 in Deutschland. Und das ist eine einflussreiche Gruppe von Leuten, die dazu beitragen, die Marke Kellogg bekannter zu machen. Kellogg hat ähnliche Kooperationsvereinbarungen mit Hochschulen in Israel, Hongkong und Kanada.

Muss man das als Franchise-Modell verstehen - mit der WHU als Juniorpartner?

Absolut nicht. Wir glauben an ein wirkliches Partnerschaftsmodell: Bei allen diesen Kooperationen kommt die Hälfte der Dozenten und der Ressourcen von der Partneruni. Damit eine solche Partnerschaft funktioniert, müssen beide Seiten davon profitieren. Und wir haben zum Beispiel auch gemeinsame Forschungsprojekte, erarbeiten gemeinsam neue Fallstudien etc.

Seit kurzem bietet Kellogg - diesmal ohne die WHU - in Deutschland auch kurze Managementfortbildungskurse in einem Bereich an, in dem die Schule besonders gut ist: Marketing. Was ist Ihr Ziel dabei?

Diese Programme sind in den USA mit sehr großem Erfolg gelaufen. Und nun ist es unser Ziel, unsere Reputation weltweit aufzubauen.

Sie sind nicht nur der Chef einer sehr erfolgreichen Business School, sondern Sie gelten als einer der führenden Marketing-Experten in den USA und beraten Firmen wie Microsoft und Lucent. Was motivierte einen jungen Mann aus dem indischen Assam, in die USA zu gehen?

Der Grund war einfach: Ich wollte in den USA meinen Doktor machen, weil es dort bessere Rahmenbedingungen für die Forschung gab. Und ich hatte großartige Lehrer und Mentoren.

Und wie haben Sie es geschafft, in der doch ziemlich rauen US-Business-Welt Karriere zu machen, noch dazu als Angehöriger der Jaina-Religion, deren Ethik die Gewaltlosigkeit umfasst?

Indem ich mich auf unsere Werte konzentriert habe: ruhig zu bleiben, ein guter Zuhörer zu sein und eben auch eine gewaltlose Haltung einzunehmen.

Und damit wird man eine Führungspersönlichkeit?

Meine Vorstellung von Leadership ist eine der "Inklusivität". Das heißt: Ich laufe nicht alleine; wir arbeiten alle zusammen. Wir müssen uns in Erinnerung rufen, dass niemand von uns Ziele vollkommen allein erreichen kann, sondern nur, indem er effizient mit anderen zusammenarbeitet. Die besten Führungspersönlichkeiten wollen dabei nicht nur selbst gut sein, sondern sie kultivieren das auch bei ihren Mitarbeitern

.

Die Fragen stellte Christoph Mohr.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%