Diplomaten beantragten Visa
Hoffnung auf Ausreise der Deutschen aus Kabul wächst

Die Hoffnung, die vier in Afghanistan festgenommenen Deutschen frei zu bekommen, ist gewachsen. Diplomaten aus Deutschland, den USA und Australien werden nach Informationen von Seiten der Vereinten Nationen an diesem Donnerstag in Kabul erwartet, um Kontakt zu den 24 Mitarbeitern der Hilfsorganisation "Shelter Now" aufzunehmen.

dpa ISLAMABAD/BERLIN. Für die Deutschen, die beiden US-Bürger und die beiden Australier hoffen Experten, dass sie gemäß einem Taliban-Dekret ausgewiesen werden. Dagegen wächst die Angst um die 16 gefangenen Afghanen, die wegen des Vorwurfs der Missionierung die Todesstrafe befürchten müssen.

Die Diplomaten beantragten am Mittwoch in der Taliban-Botschaft in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad Visa. "Der Talibanbeamte war hilfsbereit und verständnisvoll", sagte der Australier Alastar Adams. Der nächste UN-Flug nach Kabul geht am Donnerstag. Inoffiziell hieß es, die Diplomaten wollten unter Berufung auf internationales Recht Zugang zu den Festgenommenen verlangen und so lange in Kabul bleiben, bis sie die Deutschen, Australier und US-Bürger mit nach Pakistan nehmen können.

Die Sittenpolizei der Taliban hatte die Mitarbeiter von Shelter Now unter dem Vorwurf der Missionierung festgenommen. Nach einer Anordnung des Taliban-Anführers Mullah Mohammed Omar vom Januar droht Afghanen, die vom Islam zu einer anderen Religion übertreten oder eine andere Religion propagieren, die Todesstrafe. Ein Dekret vom Juni bedroht ausländische Helfer für eine Reihe von Handlungen mit bis zu 30 Tagen Haft und der anschließenden Ausweisung, darunter auch das "Anhalten von Afghanen zu anderen Religionen".

Die Taliban hatten angekündigt, sie wollten alle Gefangenen nach dem islamischen Scharia-Recht aburteilen. Im Fall der 16 Afghanen könnte das die Todesstrafe bedeuten. Sie wird in Afghanistan häufig vollstreckt. Homosexuelle werden unter Steinen begraben, Mörder von den Verwandten ihrer Opfer erschossen. Am Mittwoch hängten die Taliban vier Männer wegen "Terrorismus" vor den Augen von mehreren hundert Zuschauern in Kabul. Die afghanischen Mitarbeiter von Shelter Now sind daher gefährdet. "Um sie machen wir uns große Sorgen", sagte Esteban Witzemann von Shelter Now in der pakistanischen Grenzstadt Peshawar. Da die Afghanen für eine deutsche Hilfsorganisation arbeiteten, bestand die Hoffnung, dass Deutschland auch für sie etwas tun könne.

Witzemann schloss jedes Fehlverhalten aus. "Die Vorwürfe entbehren jeder Grundlage", sagte er. Shelter Now betreibe seine Projekte in Afghanistan mit Genehmigung der Taliban. Deren Sittenpolizei, die für die Festnahmen verantwortlich ist, entzieht sich allerdings der Kontrolle durch andere Taliban-Ministerien.

Auslandsbischof Rolf Koppe von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) kritisierte, mit den Verhaftungen verhinderten die Taliban nicht nur Hilfsmaßnahmen im eigenen Land, sondern verstießen auch "gegen das Gebot der Menschlichkeit, das auch im Islam einen hohen Stellenwert hat". Die Gesellschaft für bedrohte Völker kritisierte, mit ihrem Vorgehen gegen ausländische Helfer gefährdeten die Taliban die Hilfe für die Not leidenden Menschen in Afghanistan. Erhard Bauer von der Deutschen Welthungerhilfe in Kabul sagte, seine Organisation werde weiter Hilfe in Afghanistan leisten. "Ich denke nicht, dass wir akut bedroht sind, und da stimme ich mit den meisten meiner Kollegen von anderen Organisationen überein", sagte Bauer.

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