Diplomaten warten weiter auf Einreiseerlaubnis
Freilassung der Inhaftierten möglicherweise am Sonntag

Die in Afghanistan festgehaltenen Mitarbeiter der deutschen Hilfsorganisation "Shelter Now" werden voraussichtlich frühestens am Sonntag oder Montag freigelassen. Das zeichnete sich am Freitag bei Gesprächen in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad ab.

dpa ISLAMABAD. Nach einem Treffen mit Diplomaten aus Deutschland, Australien und den USA deutete der Taliban-Botschafter Abdul Salam Saif auch an, dass die 16 afghanischen Shelter-Mitarbeiter sehr viel härter bestraft würden als die acht Ausländer. Zugleich sagte Saif erneut Visa für die Diplomaten zu, ließ aber offen, wann er sie ausstellt.

Die radikal-islamischen Taliban halten vier Deutsche, zwei Australier, zwei US-Bürger und 16 Afghanen gefangen und werfen ihnen christliche Missionierung vor. Den afghanischen Mitarbeitern droht nach einem Dekret von Taliban-Anführer Mullah Mohammad Omar die Todesstrafe, während die ausländischen Helfer wahrscheinlich ausgewiesen werden.

Die Taliban lassen die westlichen Diplomaten nun schon seit Montag auf die Einreiseerlaubnis für Afghanistan warten. "Wir tun unser bestes, um ihnen Visa zu geben, damit sie ihre Landsleute sehen können. Das ist ihr Recht", sagte Saif. Nach inoffiziellen Angaben hat sich Omar persönlich in den Fall eingeschaltet.

Experten: Taliban wollen sich als echte Regierung präsentieren

Experten gehen davon aus, dass es auf Seiten der Taliban bereits eine Planung für den weiteren Ablauf gibt. Den Besuch der westlichen Diplomaten wollen die Taliban nach Ansicht von Beobachtern nutzen, um sich als rechtmäßige Regierung Afghanistans zu präsentieren. Sie werden nur von Pakistan, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten anerkannt.

Die Diplomaten hoffen, dass sie nach der Erteilung der Visa und den obligatorischen Gesprächen mit der Talibanführung in Kabul die acht ausländischen Shelter-Mitarbeiter mit nach Pakistan nehmen können. Saif wies darauf hin, dass für Ausländer und Afghanen im Fall von christlicher Missionierung zwei verschiedene Dekrete Omars gelten. Für Ausländer sind bis zu 10 Tage Gefängnis und die Ausweisung vorgesehen, für Afghanen die Todesstrafe.

Wegen des islamischen Wochenendes wurde für Freitag mit keiner Entscheidung gerechnet. Sollten die Visa am Samstagmorgen ausgestellt werden, wollen die Diplomaten notfalls sofort über Land nach Kabul reisen. Die Taliban werfen Shelter Now vor, umfangreiches Material in Form von Büchern, Videos und CDs über das Christentum in ihrem Büro in Kabul aufbewahrt zu haben.

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