"Direktanlage in Aktien wird bevorzugt"
Fonds-Branche bangt nun um ihre Existenz

Die jüngsten Beschlüsse der Bundesregierung zur Besteuerung von Fondsgeschäften führen aus Sicht des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) zu einer Besteuerung von Scheingewinnen und gefährden die Existenz der gesamten Branche.

Reuters FRANKFURT. "Fondsanleger sollen künftig Gewinne mehrfach versteuern und auch Scheingewinne, die sie gar nicht erzielt haben", erklärte BVI-Hauptgeschäftsführer Stefan Seib am Mittwoch. Die Bundesregierung beschloss am Mittwoch eine Steuerrechtsänderung, nach der in Zukunft Kursgewinne von Fondsmanagern von den Anteilseignern mit ihrem persönlichen Steuersatz versteuert werden müssen. Außerdem soll der Gewinn beim Verkauf der Fondsanteile pauschal einer Besteuerung von 7,5 Prozent unterliegen.

Nach Modellrechnungen des BVI werden durch die neue Regelung Gewinne besteuert, die ein Anleger persönlich gar nicht erzielt hat. Erwirtschafte ein Fondsmanager nämlich durch Kauf und Verkauf einer Aktie einen Gewinn, bevor ein Privatanleger bei dem Fonds einsteige, müsse dieser den Kursgewinn zum Jahresende versteuern.

Verband: Neuregelung benachteiligt Anlage in Fonds

Die neue Regelung bevorzuge die Direktanlage in Aktien, da in diesem Fall Gewinne nur mit dem genannten Pauschalsatz besteuert würden, hieß es in der Mitteilung weiter. Etwa 15 Millionen Investmentsparer, darunter 5,7 Millionen Anleger von vermögenswirksamen Leistungen (VL), würden so benachteiligt.

Bei den Fondsgesellschaften werden nach Einschätzung des BVI durch die Steueränderungen die Verwaltungskosten weiter steigen. Den Plänen der Bundesregierung zufolge sollen die Fondsgesellschaften den Anlegern die auf Fondsebene realisierten Kursgewinne zum Geschäftsjahresschluss anteilsgemäß zuweisen. Diese müssen darauf dann Einkommens- und Kirchensteuer sowie Solidaritätszuschlag zahlen. Die Finanzbehörden erhalten von den Fonds Kontrollmitteilungen. Die Neuregelung gilt voraussichtlich für alle Geschäfte ab dem 21. Februar 2003.

Der BVI geht nach Angaben eines Sprecher davon aus, dass ein Großteil der rund 10 000 Stellen der Branche in Deutschland durch die Pläne gefährdet sind. Es bestehe die Gefahr einer Verlagerung der Arbeitsplätze ins benachbarte Ausland.

Experten erwarten Änderungen an den geplanten Gesetzen

Steuerexperten rechnen allerdings nicht mit einer Umsetzung der Steuergesetze in der vorgelegten Form. Sie gehen davon aus, dass die Opposition Änderungen erzwingen wird. Einige Fachleute plädieren für eine Beibehaltung der aktuellen Regelung. "Wir schlagen vor, am jetzigen Steuerregime nichts zu ändern - das wäre die beste Lösung für alle Beteiligten", erklärte der Chef des Deutschen Aktieninstituts (DAI), Rüdiger von Rosen. "Die neue Steuer verteuert die Eigenkapitalfinanzierung der Unternehmen und gefährdet damit Wachstum und Arbeitsplätze", kritisierte von Rosen die Regierungspläne. Auch sei nicht nachvollziehbar, dass den Bürgern erst die Notwendigkeit einer verstärkten kapitalgedeckten Altersvorsorge vermittelt und diese dann steuerlich belastet werde.

Bislang werden Gewinne aus dem Verkauf von Aktien oder Fondsanteilen nur dann besteuert, wenn die Wertpapiere kürzer als ein Jahr gehalten werden. Diese Spekulationsfrist fällt nun weg.

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