Direktbank Entrium soll mit Konzerntochter Diba verschmolzen werden
ING baut Deutschlands größte Direktbank auf

Die Übernahme der deutschen Direktbank Entrium durch den holländischen Finanzkonzern ING steht offenbar kurz vor dem Abschluss. Nach Informationen aus Finanzkreisen soll der Verwaltungsrat der Entrium-Muttergesellschaft Fineco, einer Tochter des italienischen Bankkonzerns Capitalia die Transaktion heute absegnen. ING will Entrium mit der Allgemeinen Deutschen Direktbank (Diba) verschmelzen und so Deutschlands mit Abstand größte Direktbank mit drei Millionen Kunden schmieden.

MAILAND. Beide Seiten feilschen bis zur letzten Minute um den Preis. Capitalia hofft auf einen Erlös von 315 Mill. Euro, die Holländer wollen dagegen nur rund 300 Mill. Euro zahlen. Allerdings gehen Beobachter davon aus, dass die Transaktion daran nicht scheitern wird. Weder ING noch Capitalia wollten sich offiziell äußern.

Entrium steht bereits seit Monaten zum Verkauf. Zunächst peilten die Italiener einen Kaufpreis von 500 Mill. Euro an. Nachdem diverse Interessen abgewunken hatten, wurde zuletzt nur noch mit ING verhandelt. Für deren Tochter Diba wäre Entrium nach Meinung von Finanzkreisen eine gute Ergänzung. Beide Unternehmen sind keine reinen Online-Broker sondern Direktbanken mit einer breiten Produktpalette. Die rasch wachsende Diba verfügt über 1,8 Millionen Kunden, Entrium kommt auf 965 000. Nach einer Fusion würden Diba/Entrium vermutlich in ING Direct umgetauft. Unter dieser Marke baut ING in diversen Ländern eine Direktbank auf.

Capitalia wird durch den Deal einen Buchgewinn in dreistelliger Millionenhöhe realisieren. Vor wenigen Tagen hatte Generaldirektor Matteo Arpe das Reinvermögen von Entrium auf 180 Mill. Euro und den in der Bilanz eingeschriebenen Wert auf 90 Mill. Euro beziffert. Die im letzten Frühling von Capitalia übernommene Bipop-Carire hatte auf dem Höhepunkt des Börsenbooms im Jahr 2000 noch 2,6 Mrd. Euro für die Nürnberger Direktbank ausgegeben. Bezahlt hatte Bipop damals mit eigenen Aktien, die in der Folge ebenfalls über 90 % an Wert verloren haben. Hierdurch relativiert sich der Wertverlust von Entrium.

Für Capitalia ist der Verkauf von Entrium wichtiger Teil der eigenen Restrukturierung. Der dreijährige Strategieplan beinhaltet bis 2005 den Verkauf nicht strategischer Unternehmensteile und eine deutliche Verringerung der Risikoaktiva. Das bis zum letzten Jahr als Banca di Roma firmierende Institut ist seit Jahren ertragsschwach und hat eine dünne Kapitaldecke. Ende 2002 hatte die viertgrößte Bank Italiens bereits 135 Filialen und andere Vermögenswerte für etwa 1 Mrd. Euro verkauft. Insgesamt hat Capitalia im letzten Jahr stille Reserven von 650 Mill. Euro gehoben und seine Risikoaktiva um 1,6 Mrd. Euro gesenkt. Dadurch hat das Institut seine Kernkapitalquote (Core Tier 1) von 5,5 % auf 5,9 % erhöht und erfüllt nunmehr fast die von Italiens Zentralbank geforderte Marke von 6 %.

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