Direktbank-Papiere legen um mehr als zehn Prozent zu
Consors-Aktien nach HVB-Kaufinteresse im Aufwind

Mit kräftigen Kursgewinnen haben die Aktien der Direktbank Consors Discount Broker AG am Montag auf Äußerungen von Hypo-Vereinsbank-Chef Albrecht Schmidt reagiert, wonach das Kreditinstitut an einer Übernahme der zum Verkauf stehenden Consors AG interessiert sein könnte.

Reuters MÜNCHEN/FRANKFURT. Die im Auswahlindex Nemax 50 notierten Consors-Titel stiegen in der Spitze um knapp 14 Prozent und lagen auch am Nachmittag noch bei 11,16 Euro knapp zehn Prozent im Plus. Schmidt hatte in einem am Montag veröffentlichten Interview mit dem "Handelsblatt" gesagt, die HVB werde sich Consors gründlich anschauen. Nach Angaben einer Sprecherin des Münchener Kreditinstituts wurde das Gespräch allerdings schon im Dezember geführt. Consors wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

Den Kursanstieg bezeichneten einige Analysten allerdings als überzogen, da noch kein formelles Kaufangebot vorliege. "Diese Kursreaktion ist sicherlich etwas übertrieben. Da es aber insgesamt wenig Neuigkeiten gibt, stürzen sich die Leute auf sowas", sagte Birgit Grüner, Bankanalysten bei der Bankgesellschaft Berlin.

Der nach Marktkapitalisierung drittgrößte europäische Direktbroker steht zum Verkauf, nachdem die Hofer Muttergesellschaft SchmidtBank wegen Wertberichtigungen in finanzielle Schwierigkeiten geraten war und nur durch eine Auffanggesellschaft der deutschen Großbanken und der Bayerischen Landesbank vorläufig gerettet werden konnte. Ein Sprecher des mit dem Consors-Verkauf beauftragten Bankhaus Metzler, es habe Anfragen von vielen Interessenten gegeben. Darüber hinaus gab er keinen Kommentar ab.

Die Hypo-Vereinsbank ist Mitglied des Rettungskonsortiums, was bei einem Verkauf von Consors zu einem Interessenkonflikt führen könnte, weil die HVB als Gesellschafter der Schmidtbank eigentlich an einem möglichst hohen Kaufpreis interessiert sein müsste. Die Verluste schreibende Consors AG soll nach dem Willen des neuen SchmidtBank-Geschäftsführers Paul Wieandt bis Ende März verkauft werden.

"Consors ist interessant und hat viele gute Kunden", sagte Schmidt dem "Handelsblatt". "Ich gehe davon aus, dass es mehrere Interessenten für Consors gibt", fügte er hinzu. Consors ist Konkurrent der HVB-Tochter DAB Bank AG, dem zweitgrößten europäischen Direktbroker. Schmidt bekräftigte in dem Interview, dass die DAB Bank nicht wie von Branchenexperten spekuliert in den Konzern eingegliedert werden solle. "Wir sprechen nicht über eine Integration der DAB Bank", sagte er.

Generell erwarten Analysten angesichts des derzeit schwierigen Marktumfeldes eine Konsolidierung bei den Direktbanken. So wird auch der Commerzbank und ihrer Tochter Comdirect in Branchenkreisen ein Interesse zumindest an den Consors-Kunden nachgesagt. Auch Deutsche-Bank-Vorstandsmitglied Hermann-Josef Lamberti hatte im Dezember lediglich ein Interesse seines Hauses an der Infrastruktur von Consors verneint, nicht aber an den Kunden. Als Interessenten aus dem Ausland gelten unter anderem das US-Haus Charles Schwab, BNP Paribas und der französische Online-Broker Fimatex. Die niederländische ING-Gruppe hat ein Kaufinteresse indes dementiert.

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