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Direktbanken drehen an der Kostenschraube

dpa MÜNCHEN. Die bereits mehr als einjährige Talfahrt an den Börsen hat vielen Anlegern die Lust am Aktienhandel gründlich verdorben. Unmittelbar zu spüren bekommen das die Direktbanken. Nach einem euphorischen Start mit rasanten Wachstumsraten hat sich bei ihnen längst Katerstimmung breitgemacht. In den vergangenen Tagen präsentierten die Online-Broker DAB bank, ConSors und Comdirect in ihren Halbjahresberichten hohe Verluste. Der Berliner Internetbroker Systracom musste sogar bereits Insolvenzantrag stellen. Mit Stellenstreichungen, geringeren Marketingausgaben und einer vorsichtigeren Expansionsstrategie vor allem im Ausland wollen die drei Marktführer das Ruder herumreißen.

Als letzte der drei großen am Neuen Markt notierten Direktbanken berichtete am Donnerstag die DAB bank von gestiegenen Verlusten. Im ersten Halbjahr blieb unter dem Strich im Konzern ein Minus von fast 50 Mill. Euro. Bei ConSors waren es vor Steuern minus 62,2 Mill. Euro, bei Comdirect betrug der Verlust 36,8 Mill. Euro. Zum einen kostete die Expansion ins Ausland viel Geld, zudem brachen die Zahl der Aufträge pro Kunde und die Provisionsüberschüsse zum Teil drastisch ein. In der Anfangsphase hatten sich viele Direktbanken allein auf die Gewinnung neuer Kunden konzentriert. Hohe Marketingkosten und ein Preiskampf bei den Gebühren waren die Folge.

Die Börsenflaute sei nun auch eine Chance, die Kostensituation zu verbessern, machte sich DAB-Chef Matthias Kröner Mut. Dies hat vor allem Folgen für die Mitarbeiter. Bei ConSors sollen bis Jahresende 200 Stellen gestrichen werden. Auch Kröner will die Personalausgaben in den kommenden Monaten um mindestens 20 % reduzieren.

Analysten sehen bereits Licht am Ende des Tunnels. "Langsam dürften die Unternehmen das schlimmste hinter sich haben", sagt Analyst Alexander Kachler von Merck Finck. Die Banken bemühten sich um eine Reduzierung der Kosten. Einen wirklichen Aufschwung werde es aber erst geben, wenn die Erträge dank besserer Stimmung an den Börsen wieder sprudelten. Dies könne durchaus noch bis in die zweite Jahreshälfte 2002 dauern.

Das Geschäftsmodell der Direktbanken stellen die meisten Branchenbeobachter zumindest bei den drei Großen nicht in Frage. "Im Großen und Ganzen ist das operative Geschäft trotz der momentanen Marktsituation in Deutschland profitabel", urteilt die WestLB Panmure in einer Studie. Zudem sei Online-Brokerage trotz momentaner Krisenstimmung weiterhin ein "reizvoller Wachstumsmarkt". Auch Analyst Kachler ist sich sicher: "Der Megatrend Online-Banking ist intakt." Gerade bei der DAB bank könnten die sinkenden Transaktionsraten möglicherweise durch das nach wie vor starke Neukundenwachstum kompensiert werden.

Auch WestLB Panmure billigt ConSors, DAB und Comdirect gute Zukunftsaussichten zu. Auf Dauer würden nur die größten Anbieter den Konsolidierungsprozess in Europa überleben. Mit einem Kunden- Marktanteil von zusammen 59 % in Deutschland Ende 2000 hätten die drei eine gute Ausgangsposition. In Zukunft wird dabei nach Ansicht von Experten nicht mehr die Abwicklung des Kaufs und Verkaufs von Aktien allein entscheidend sein. Vielmehr würden auch Beratung und der Vertrieb von Altersvorsorge-Produkten eine immer größere Rolle spielen.

In den vergangenen Monaten wurde angesichts der Flaute auch verstärkt über eine engere Anbindung an die Mutterkonzerne spekuliert. ConSors gehört zur Schmidt Bank, die DAB zur HypoVereinsbank und Comdirect zur Commerzbank. "Totaler Blödsinn", meinte Kröner zu einer möglichen Integration in die HypoVereinsbank. Laut Informationen aus Unternehmenskreisen wurde dieses Thema aber durchaus schon diskutiert.

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