Direktmarketing Verband vergibt e-talents-award
Verschimmeln vor der Webcam

Mit Astro-Susi die Welt retten, einem Döner beim Schimmeln zusehen oder virtuell das Tanzbein schwingen - 232 Nachwuchstalente programmierten anlässlich des diesjährigen Internet-Wettbewerbs "e-talents-award" um die Wette. Zwölf besonders kreative Internetprojekte zeichnete der Deutsche Direktmarketing Verband (DDV) am Wochenende mit den begehrten Preisen aus.

DÜSSELDORF. Zum sechsten Mal vergab die Jury bestehend aus Internet-Experten von Agenturen, Hochschulen und Medien am vergangenen Samstag in Düsseldorf die Awards in Gold, Silber und Bronze.

Die Bandbreite der prämierten Internet-Projekte reichte von Videoclips über Computerspiele bis hin zu mobilen Konzepten. Bewertet wurden neben Technik und Design auch die Benutzerfreundlichkeit und Interaktion mit dem User. Gerade bei der neu hinzugekommenen Kategorie "e-clips" gab es noch einiges zu bemängeln: "Seiten, die filmähnliche Formate mit interaktiven Elementen kombinieren, haben wir kaum gesehen", bedauerte Jury-Vorsitzender Bernd Kracke, der "Elektronische Medien" an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach lehrt. "Die Interaktion mit dem Nutzer fehlte fast überall, obwohl das Internet dies - im Gegensatz zum Fernsehen - ermöglicht und sogar fordert."

SMS umsonst verschicken

Positiver das Bild bei der ebenfalls neu eingeführten Kategorie "e-mobile". Hier konnten die 14- bis 26-jährigen Teilnehmer ausnahmsweise auch reine Textkonzepte einreichen. Es gab in dieser Sparte zwar nur 14 Bewerber, aber ein Beitrag gefiel der Jury immerhin so gut, dass sie Silber vergab. Fünf Studenten der Universität Stuttgart haben einen mobilen Ausstellungsführer entwickelt, der nach Ansicht des Expertengremiums grafisch und technisch so ausgefeilt sei, dass er sich sogar als Prototyp für Messen eigne. Eine Anerkennung verdiente sich auch Daniel Neuhaus mit seinem "Free SMS"-Konzept. Seine Idee: Handybenutzer können künftig kostenlos SMS an ein anderes Mobiltelefon verschicken, vorausgesetzt, sie hängen einen selbst gewählten Werbeschriftzug an ihre Botschaft. "Technisch wäre das möglich", erklärte Neuhaus. "Ich weiß nicht, warum das nicht schon längst jemand gemacht hat".

Mit den eigentümlichen Verhaltensweisen von Mann und Frau beschäftigte sich Christopher Warnow aus Rostock. Für seine Animation der beiden Knetfiguren Gabi und Peter erhielt er einen Gold Award in der Kategorie "e-culture". Ebenfalls über Gold in der Kategorie "e-games" konnte sich der junge Moskauer Max Ishchenko freuen. Er entwickelte ein Programm, mit dem der Nutzer Phantombilder zeichnen kann. 300 Elemente, von der Kopfform bis zum Schnurrbart stehen zur Auswahl. Die Homepage des Studenten erfreut sich inzwischen solcher Beliebtheit, dass er täglich ungefähr 35 000 Besucher zählen kann. In der Hitliste der meistangeklickten Homepages Rußland steht er damit auf Platz zehn (flashface.ctapt.de)

Der mit Abstand unappetitlichste Beitrag stammt vom 16-jährigen Philipp Rabus. Auf seiner mit einem Bronze Award prämierten Homepage kann man Lebensmitteln via Webcam beim Schimmeln zusehen. Der interaktive Aspekt: Der Nutzer kann selbst entscheiden, was er als nächstes verwesen sehen will.

"Ich habe mir alles selbst beigebracht"

Insgesamt habe die technische und gestalterische Qualität der Arbeiten zugenommen, sagte Bernd Kracke. "Kreativität ist nicht alters- und ausbildungsabhängig." So waren die drei jüngsten Teilnehmer auch gerade mal 14 Jahre alt. "Ich habe mir alles selbst beigebracht", verriet einer der jungen Gewinner, Maxi Einöder, sein Erfolgsgeheimnis. Neben privaten Homepages habe er auch schon professionelle Websites gestaltet, wie für die Steuerkanzlei seines Vaters.

Der DDV hat den Wettbewerb 1997 ins Leben gerufen, um Nachwuchs für die Internet-Branche zu rekrutieren. Damals mangelte es noch an Multimediatalenten. "Auch wenn es augenblicklich im Online-Bereich nicht so rosig aussieht, werden gute Mitarbeiter immer gebraucht", sagte DDV-Präsidentin Kerstin Plehwe. "Deswegen darf auch in Krisenzeiten Nachwuchsförderung nicht hinten angestellt werden".

Die Preisträger und ihre Arbeiten:

Der 20-jährige Christopher Warnow reiste aus Rostock an den Rhein, um sich seinen vergoldeten Award in der Kategorie "e-culture" abzuholen. Auf seiner Homepage:

kuddel.2fa.org

erzählt er die Geschichte der Knetfiguren Gabi und Peter. Kurze Szenen aus dem Alltag der beiden sollen die These des Abiturienten untermauern, dass sich "im Verhalten von Mann und Frau seit der Steinzeit nichts geändert hat". Zu diesem Entschluss kam der angehende Mediengestalter in der fünften Klasse. Aber ausgereift ist die Idee, zu diesem Thema eine entsprechende Website einzurichten, erst während eines Praktikums bei einer Design-Agentur. Sein Fazit über den leidigen Geschlechterkampf: "Frauen können schneller reden, dafür Männer besser Auto fahren."
Andrea Stubbe (23) konnte gleich zweimal abräumen: Den Silber Award bekam sie für ihr "e-game" "Astro-Susi rettet die Welt" (

www.greenzone.de

). Die Titelheldin mit den blonden Zöpfen muss darin ganz allein gegen eine Armada außerirdischer Schleimmonster antreten. Nachempfunden ist das Strategie-Spiel alten C-64-Games wie "Day of Tentacle". Zusammen mit ihrem Freund Roland Koch (25), mit dem sie zusammen in Offenburg in Medien- und Informationswesen diplomiert hat, ging sie noch mit einer anderen Arbeit ins Rennen. Die von den beiden entwickelte Internet-Tanzstunde bekam bronze. Unter

www.greenzone.de/edance

kann sich der User aus zahlreichen Schrittkombinationen einen eigenen Tanz zusammenstellen und virtuell vortanzen lassen. Während Andrea Stubbe am liebsten auch beruflich Spiele entwickeln will, interessiert sich Roland Koch mehr für Multimedia- und Online-Entwicklung.
Ob Döner, Bohneneintopf oder ein komplettes Weihnachtsmenü - Der 16-jährige Philipp Rabus aus Berlin hat so gut wie alles schon mal in dem alten Aquarium im Keller verschimmeln lassen. Die Bilder des Verfalls sendet er schon seit einem Jahr mit seiner Webcam 24 Stunden live im Internet (

www.schimmelcam.de

). Der Schimmel hat schon seine Fans gefunden: Ungefähr 100 Leute besuchen pro Tag seine Homepage. Auf die Idee eine Schimmelcam einzurichten kam er während eines Praktikums bei einer Internet-Agentur."Irgendjemand schleppte zum Mittagessen einen sehr alten Salat an und der Scherz machte die Runde, das man die weitere Entwicklung des Salats mit der Webcam dokumentieren sollte", erzählte Rabus, "Ich hab das dann einfach in die Tat umgesetzt." Zurzeit ist der Schüler noch auf der Suche nach einem Unternehmen, das sein Schimmelprojekt sponsert. "Aber die Lebensmittelfirmen sind dafür viel zu konservativ", meint er.

Weitere Links zu prämierten Websites:


www.poptristesse.de


homepage.mac.com/krammel


weissenhof.hdm-stuttgart.de


www.pigsell.com/mirza


www.sciencefictiongenerator.de


scout.hdm-stuttgart.de

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