Direktoriumsmitglied Meister rechnet nicht mit Preissteigerung im Zuge der Euro-Umstellung
Bundesbank spannt Showmaster Günther Jauch ein

Neun Monate vor Einführung des Euro-Bargeldes steht das Konzept der Bundesbank. Es ist entstanden in Kooperation mit Bundesfinanz-, Bundesinnen-, und dem Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung sowie 24 Verbänden und war Anfang April vorgestellt worden.

12.4.2001 DÜSSELDORF. Das Konzept bietet nach Meinung von Edgar Meister, Mitglied des Direktoriums des Deutschen Bundesbank, eine gute Basis für einen reibungslosen Geldübergang. Unter Federführung der Bundesbank wurde 21/2 Jahre daran gearbeitet. Die Schwerpunkte: der rechtliche Rahmen beim Übergang zum Euro-Bargeld, die Rolle der Bürger, der Kreditinstitute und des Handels, der Rückfluss von Bargeld sowie der Transport und die Bearbeitung von Bargeld durch Geld-und Werttransportunternehmen.

Besonderer Wert wird auf die zurückzuführende Menge der DM-Münzen gelegt. Das Direktoriumsmitglied der Bundesbank erwartet, dass von den 48,5 Mrd. Münzen, die sich derzeit im Umlauf befinden, nur etwa 28,5 Mrd. zurückfließen werden. Die "Schwundquote" schätze man auf etwa 40 %. Weiterhin sei davon auszugehen, dass ein Teil der Münzen von der Industrie zweckentfremdet wird, zum Beispiel durch Umwandlung in Souveniers oder Schmuckanhänger.

Obwohl das Konzept der Bundesbank nur einen Rücklauf von 60 % vorsieht, ist die logistische Aufgabe dennoch gewaltig: Die erwarteten 28,5 Mrd. Münzen entsprechen einem Gewicht von etwa 100 000 Tonnen.

DM-Münzen schlummern in privaten Verstecken

Um den Rücklauf der Münzen voranzutreiben, habe man sich in Zusammenarbeit mit der Kreditwirtschaft, dem Handel und den Verbraucherverbänden zu einer großen Werbekampagne entschieden, teilte das Direktoriumsmitglied der Deutschen Bundesbank mit. Diese starte im Mai. Um den Werbefeldzug erfolgreich zu gestalten, setze man auf die Werbewirksamkeit von Günther Jauch. Der Moderator soll mit der Kampagne "Her mit den Schlafmünzen" die deutsche Bevölkerung motivieren, die Ersparnisse, die in privaten Verstecken wie etwa Spardosen, Flaschen u.ä. schlummern, rechtzeitig in den Geschäftsstellen der Banken und Sparkassen abzugeben.

"In Fernseh-und Radiospots wird sich Herr Jauch mit seiner gewinnenden Art und Weise mit den Schlafmünzen beschäftigen", betonte Meister. Laut einer Untersuchung gehe man davon aus, dass etwa 6-10 Mrd. Münzen in privaten Verstecken untergebracht seien. Meister betonte, dass der Bürger bei der Euro-Einführung eine besondere Rolle spiele, da er mit seinem Verhalten entscheidend zum Erfolg der Umtauschaktion beitragen könne.

Um einen reibungslosen Bargeldübergang zu gewährleisten, werde die Bundesbank so genannte Starter Kits "im ausreichenden Maße" an Geschäftskunden des Einzelhandels zur Verfügung stellen. Diese beinhalten Banknoten und Euro-Münzen für den Vorab-Bedarf. Insgesamt werden 400 Mill. Banknoten im Wert von 4 Mrd. Euro kostenlos zur Verfügung gestellt.

Sicherheitsbroschüren für die Bürger ab September

"Die Fälschungssicherheit der neuen Banknoten werde sich an dem neuesten Stand der Technik orientieren", verspricht Edgar Meister. Dabei werden die Euro-Banknoten, die eine Vielzahl von Sicherungsmerkmalen enthalten, mindestens genauso abgesichert sein, wie die aktuellen Zahlungsmittel. Wie die neuen Echtheitsmerkmale aussehen werden, werde allerdings aus Sicherheitsgründen erst am 1. September bekannt gegeben.

Ab diesem Zeitpunkt liegen in Kreditinstituten auch Infomaterialien aus, um der Bevölkerung die Sicherheitsmerkmale nahe zu bringen. Bankmitarbeiter erfahren in Schulungen wie die Echtheit des Geldscheins nachzuprüfen ist.

Meister rechne nicht damit, dass die Privatwirtschaft sowie die öffentliche Hand die Umstellung auf die neue Währung für eine Preissteigerung nutzen werde. Im Zuge der Umstellung komme es zwar zu Rundungen bei der Neufestlegung der Schwellen-und Eckpreise. Doch diese dürften sich "die Waage halten", sagte Meister. Dennoch sollten die Verbraucher im Vorfeld der Einführung aufmerksam sein. Durch den starken Wettbewerbsdruck spreche jedoch vieles gegen eine Preissteigerung.

Banken werden Vergütungen in Aussicht gestellt, wenn sie ihre Bestände frühzeitig an die Bundesbank abtreten. Dem so genannten Frontloading ist ein Bonussystem angeschlossen. "Dabei sei der eingeräumte Vorteil umso höher", sagt Meister, "je eher das Frontloading beginnt." Die Bank, die erst im Dezember ihre Bestände aussortiert, wird demnach weniger entlastet. Dieses System sei aus dem Grund gewählt worden, da die Kosten für alle Beteiligten möglichst gering gehalten werden sollten, betonte Meister. Dem Konzept, der gestreckten Frontloadingphase seien außerdem viele Staaten gefolgt

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