Dirk Fry führt auf Zypern eines der weltgrößten Schiffsmanagement-Unternehmen
Von der Kommandobrücke ins Büro

Vornehmer als in der Firmenzentrale der Columbia Shipmanagement Ltd. (CSM) In der zyprischen Hafenstadt Limassol könnte es selbst an der Alster in Hamburg kaum zugehen. Die antiken Stilmöbel im Besprechungszimmer und die Stiche der stolzen Dreimaster an den holzgetäfelten Wänden verbreiten eine Atmosphäre hanseatischer Gediegenheit. Nur das salopp kurzärmelige Hemd, das Dirk Fry trägt, erinnert daran, dass man sich in wärmeren Gefilden befindet.

LIMASSOL. 1980 kam der heute 55-jährige Kapitän auf die Insel Zypern - aber an Bord eines Flugzeugs. Den Sprung von der Brücke ins Büro hat er bis heute nicht bereut. "Als Kapitän hatte ich die Verantwortung für ein Schiff, jetzt manage ich ein paar hundert", erklärt Fry. Die von ihm geführte CSM, die zur 1978 in Limassol gegründeten Schoeller gehört, ist heute das größte deutsche Unternehmen auf Zypern und weltweit eine der bedeutendsten Shipmanagement-Gesellschaften.

Schon 1972 kam der Firmengründer Heinrich Schoeller auf die Mittelmeerinsel, um dort im Auftrag hanseatischer Reeder die Eignung des Standorts Zypern für maritime Dienstleistungen zu sondieren. Nach vier Jahren an der Spitze der Schiffsmanagement-Firma Hanseatic machte sich Schoeller 1978 selbstständig und gründete die Columbia. Zwei Jahre später stieß Dirk Fry dazu.

"Für den Standort Zypern sprachen damals vor allem die niedrigen Kosten und die günstige Besteuerung", erinnert sich Fry. Offshore-Gesellschaften wurden in Zypern nur mit 4,25 % besteuert. "Aber auch das hohe Ausbildungsniveau und die weit verbreiteten englischen Sprachkenntnisse in der ehemaligen britischen Kronkolonie waren ein Anreiz für uns, nach Zypern zu gehen", sagt der Columbia-Chef.

Heute operieren rund 40 Schiffsmanagement-Gesellschaften auf Zypern, etwa ein Dutzend davon gehören Deutschen. Auch Russen und Briten sind stark vertreten. "Die Schifffahrt hatte hier eigentlich kei-ne große Tradition", erinnert sich Fry. "Aber inzwischen hat sich auf Zypern eine gute Schifffahrtskultur und Infrastruktur entwickelt, auch dank der Ansiedlung von Unternehmen wie unserem".

Mit dem EU-Beitritt musste die Inselrepublik ihre Steuergesetze zwar ändern. Die Offshore-Gesellschaften werden die meisten ihrer Privilegien verlieren. Aber um die Offshore-Unternehmen, die für die Insel die zweitwichtigste Devisenquelle nach dem Tourismus darstellen, im Land zu halten, entschloss sich die zyprische Regierung im vergangenen Jahr zu einer mutigen Steuerreform: Unternehmensgewinne werden nun durchgehend nur noch mit 10 % statt der bisher geltenden 25 % besteuert. Damit hofft Zypern, ausländische Investoren anlocken zu können. Der Schifffahrtsbranche kommt der Fiskus mit einer so genannten Tonnagesteuer zusätzlich entgegen. "Damit liegt unsere steuerliche Belastung nicht dramatisch höher als früher", erläutert Columbia-Manager Fry. Auch nach dem EU-Beitritt habe die Insel Kostenvorteile gegenüber anderen traditionellen Shipmanagement-Standorten wie Singapur oder Hong Kong, sagt Fry.

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