Dirk Nowitzki ist in den USA bereits ein Superstar
Der große Wurf des weißen Riesen

Am Samstag beginnen in der Basketball-Profiliga NBA die Playoffs. Die Dallas Mavericks setzen dabei große Hoffnungen auf Dirk Nowitzki. In den Augen der Marketing-Strategen ist der Deutsche schon heute der neue Held, den die Liga dringend braucht.

Ein Star hat selten frei, nach der Kür kommt die Pflicht. Dirk Nowitzki ist als einziger Spieler der Dallas Mavericks in der Halle - für Werbeaufnahmen. Er hat einen erfrischenden Deal mit Coca-Cola gelandet. "And action", ruft der Aufnahmeleiter. Nowitzki dreht einen Basketball auf seinem rechten Zeigefinger und spricht in die Kamera. Zwischendurch geht er mit Schwester Silke die Sätze durch. "Ach, du liebe Zeit", meint der Korbjäger bei einem Zungenbrecher. Er unterhält die Crew mit spaßigen Einlagen und macht gute Miene zum Werbespiel. Solche Auftritte sind nicht nach seinem Geschmack und anstrengender als jeder Einsatz in der Profiliga NBA. "And action."

Jeder will ein Stück vom neuen Stern der Dallas Mavericks, einem besonderen Superstar, der lieber Körbe für sich sprechen lässt und sich nicht durch Ruhm und Geld definiert. "Ich liebe die NBA, den Wettbewerb", meint der 23-Jährige, "ja, ich liebe einfach meinen Job."

Doch der Milliarden Dollar-Business verlangt nach gläsernen Profis. Vor und nach dem Spiel können Journalisten ins Heiligtum der Mavericks eindringen - die noble Umkleidekabine, in der jeder Spieler einen Videorekorder, einen DVD-Player und eine Musikanlage im Spind hat. Ein Geschenk des schwerreichen Teambesitzers Mark Cuban.

Der Würzburger ist derzeit ein gefragter Gesprächspartner, seine lädierten Sprunggelenke sind Gesprächsthema Nummer eins in Dallas. Wegen seiner Verletzung musste Nowitzki zuletzt vier Spiele pausieren, so viele wie noch nie in seiner gesamten NBA-Karriere. Am Dienstag stand der Flügelspieler beim 96:87 gegen die Utah Jazz trotz Schmerzen dann erstmals wieder auf dem Feld und erzielte in 37 Minuten 24 Punkte. Trainer Don Nelson legte ihm wegen der Knochenabsplitterungen an beiden Sprunggelenken bereits eine Operation gleich nach Saisonende nahe, doch sein Musterschüler ist von der Idee nicht begeistert: Er will unbedingt Ende August bei der WM in Indianapolis spielen. "Persönlich glaube ich nicht, dass ich operiert werden muss. Und ganz ehrlich, ich möchte auch nicht unters Messer", erklärte Nowitzki.

Zunächst gilt die volle Konzentration des Würzburgers dem Endspurt in der Meisterschaft. Am Samstag beginnen die Playoffs, und die Dallas Mavericks (57 Siege/24 Niederlagen) treffen in der ersten Runde voraussichtlich auf die Minnesota Timberwolves. Bei einem Weiterkommen warten in der Western Conference nur noch Giganten: die Sacramento Kings (61:20), die San Antonio Spurs (57:24) und Titelverteidiger Los Angeles Lakers (57:24). In Dallas spricht man selbstbewusst schon von der Meisterschaft. Da das Team allerdings in der vergangenen Saison erstmals nach elf Jahren wieder in die Playoffs stürmte, wäre allein der Einzug ins Finale der Western Conference schon ein Erfolg.

Große Hoffnungen lasten dabei auf dem blonden Import aus Germany. Nowitzki lächelt von Magazin-Covern, ist in jeder Highlight-Sendung des Spieltags zu bewundern und wird von den Fans als "Döööörk, The Man" gefeiert. Seine Wurftechnik wird gepriesen und die Vergleiche mit dem weißen Basketball-Gott Larry Bird wollen nicht enden. Nowitzkis Name wird in den gegnerischen Kabinen stets mit einem Ausrufezeichen auf die Taktiktafel geschrieben. Vorsicht, Scharfschütze! Dabei sorgt der ungemein bewegliche 2,11-Meter-Mann längst nicht nur allein von der Drei-Punkte-Linie für Gefahr. Mit einem Durchschnitt von 23,6 Punkten und 10,1 Rebounds führt Nowitzki die Statistik der Mavericks an und liegt in der Liga unter den Top ten.

Der Triumphzug des Deutschen ist natürlich ganz nach dem Geschmack der Marketing-Strategen der NBA, die der Basketball-Welt ihren Stempel aufdrücken. Neue Helden braucht die Liga, wo doch der am Knie operierte Michael Jordan mit den Washington Wizards die Playoffs verpasste und es mit den TV-Quoten bergab geht. Das Network NBC wird mit den Basketball-Riesen in dieser Saison geschätzte 200 Millionen Dollar Verlust machen, weshalb der Sender den Fernsehvertrag nicht verlängerte. Der clevere NBA-Boss David Stern brachte allerdings das Kunststück fertig, sein Produkt in einer Krisenzeit dem Network ABC und dessen Kabelablegern für 3,9 Milliarden Dollar anzudrehen - der Vertrag läuft sechs Jahre lang.

Die Zukunft ist damit - vorerst - gesichert, und dank des Geldsegens kassieren die Superstars weiter mächtig ab. Nach dieser Saison wird Nowitzki durch seinen neuen Sechs-Jahres-Vertrag 90 Millionen Dollar verdienen. Für den Youngster allerdings kein Grund um abzuheben. "Es ist schön zu wissen, dass man sich im Leben um Geld keine Gedanken mehr machen muss", sagt er, "aber Geld ist für mich nicht so wichtig." Als einzigen Luxus gönnt er sich einen 99er E-Klasse-Mercedes. "Ich brauche keine 24 Wagen", meint der Junge mit dem Brillie im Ohr, der anders als seine Kollegen Designer-Anzüge ablehnt, in Jeans und Sweat-Shirt daherkommt und immer noch in einem schmucklosen 100-Quadratmeter-Apartment lebt. Wenn Nowitzki von Verbesserungen spricht, denkt er eben eher an die Spiel- als an die Wohnkultur.

Quelle: Handelsblatt

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