Discount-Marke gestartet
Neuer Tui-Ableger soll billiger als billig sein

Europas größter Touristikkonzern Tui reagiert mit einer neuen Billig-Marke "Discount Travel" auf die Krise der Branche und verschärft damit den Preiskampf bei Reisen.

Reuters HANNOVER. Der Tui-Konzern rechnet nach eigenen Angaben mit bis zu 300 000 verkauften Discount Reisen im Jahr. Dabei sollen Reisen im Einzelfall auch unter Einkaufspreis verkauft werden, um Restkapazitäten bei Tui-Flugzeugen und-Hotels zu füllen.

Discount Travel soll in Deutschland von diesem Freitag an die Restkapazitäten der Stammmarke des Konzerns, Tui Deutschland, und der bereits existierenden Tui-Preiswert-Marke 1-2-Fly, zu besonders günstigen Preisen verkaufen, sagte Tui Deutschland-Chef Volker Böttcher am Montag in Hannover. Der Preisnachlass im ersten Katalog beträgt nach Tui-Angaben zwischen zehn und 40 Prozent.

Das Konzept der Verwertung von Restkapazitäten wurde lange Zeit vorwiegend von so genannten Last-Minute-Anbietern mit Billigtarifen zwei Wochen vor Reisebeginn praktiziert. Dies wurde mit der Reiseflaute, die seit den Anschlägen vom 11. September 2001 anhält, nach und nach ausgeweitet, etwa durch Direktvermarkter wie die Tui-Tochter Berge und Meer und Discount-Marken wie Bucher-Reisen aus dem Hause des Tui-Konkurrenten Thomas Cook. Bucher mit bislang 600 000 verkauften Reisen pro Jahr und Discount Travel vermarkten nun Restkapazitäten bereits bis mehrere Monate vor Reisebeginn. Als Reaktion auf den Tui-Vorstoß werden ähnliche Preisaktionen auch bei anderen Veranstaltern erwartet. Cook bestätigte am Montag für Bucher so genannte "Discount-Wochen".

Extrem niedrige Gewinnmargen

Die Zielmarke von 300 000 Urlaubern pro Jahr bei Discount Travel entspricht knapp fünf Prozent der zuletzt von Tui in Deutschland verkauften rund 6,5 Millionen Reisen. In diesem Sommer werden 150 000 angepeilt. Tui reagiere auf massive Veränderungen in der Touristikbranche, vor allem im wichtigsten Reisemarkt Deutschland, sagte Böttcher. Rund 60 Prozent der Urlauber würden ihre Reise erst acht Wochen vor Abflug buchen. Hinzu komme die zunehmende Jagd nach Schnäppchen.

Zur Kritik aus der Touristikbranche, "billiger als billig" sei schwer möglich, entgegnete Böttcher, Discount Travel müsse als Verwerter von Restkapazitäten auch günstige Reisen nochmals unterbieten. Dies bedeutet dem Konzept zufolge extrem niedrige Gewinnmargen, in manchen Fällen auch den Verkauf von Reisen unter dem Einkaufspreis. "Der Veranstalter Discount Travel wird Tui aber viel Geld bringen, weil er hilft, Flugzeuge und Hotels zu füllen", sagte Böttcher.

Discount Travel solle dem Bild von Supermarkt-Angeboten im Einzelhandel entsprechen und ohne großen Schnickschnack und auch ohne allzu aufwendige Werbeaktionen auskommen, sagte Ralf Horter, der als 1-2-Fly-Chef auch für Discount Travel verantwortlich ist. Das Personal von einem guten halben Dutzend stamme aus der Belegschaft von 1-2-Fly. Der erste Discount-Katalog umfasse rund 23 Urlaubsziele vorwiegend rund um das Mittelmeer in 120 Hotels.

Reaktion auf Marktveränderung

Das Tui-Management ist nach den Worten Böttchers sehr darauf bedacht, das eigene Qualitätsimage durch die Discount-Marke nicht beschädigen zu lassen. Ein Erfolg von Marken wie Discount Travel zeige aber, wie problematisch das Reisegeschäft in Deutschland sei. "Denn zufrieden, um nicht zu sagen, überaus zufrieden wären wir dann, wenn Discount Travel möglichst wenig Gäste und Umsätze generiert. Am besten gar keine", sagte Böttcher. Der Tui Deutschland-Chef kündigte an, dass die Veränderung des Marktes auch bei allen anderen Marken des Tui-Konzerns Konsequenzen haben und zu flexibleren Angeboten führen werde. Klar sei, dass die Marke Tui auch künftig für "das Brot-und-Butter-Geschäft, also unser Kerngeschäft" stehen werde.

Die Aktie von Tui legte am Montag rund sechs Prozent auf 15,37 Euro zu, während der Deutsche Aktienindex ein Prozent im Plus notierte.

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