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Consors zum Ersten, zum Zweiten, zum...

Der Online-Broker Consors entwickelt sich immer mehr zum Ladenhüter. Eigentlich wollte die SchmidtBank ihre defizitäre Tochter schon bis zum 31. März unter die Haube gebracht haben. Doch bisher gibt es nur einen einzigen potenziellen Käufer - die französische Bank BNP Paribas.

hon/reuters NÜRNBERG. Doch die Verhandlungen mit dem Partner ziehen sich offenbar. Schon vor zwei Wochen hatte SchmidtBank-Chef Paul Wieandt bekannt gegeben, dass sich der Verkauf um eine Woche verschieben wird. Doch auch dieser Termin ist nun hinfällig. Ein neues Datum wurde nicht genannt.

Es ist offenbar vor allem der Preis, der potenzielle Käufer abschreckt. In den vergangenen Tagen sank der Börsenwert zwar von 650 auf unter 600 Millionen Euro. Doch auch das hält Klaus Baumann, Analyst von SES Research, für zu hoch. "Den fairen Wert sehe ich bei rund elf Euro. Darauf könnte eine Prämie von rund zehn Prozent kommen." Am Freitag bewegte sich der Consors-Kurs um 12,5 Euro.

Neben BNP Paribas hatten auch die französische Bank Societe Generale und die Commerzbank Gebote abgegeben. Doch die beiden Mitbewerber scheinen nicht ernsthaft interessiert zu sein. Ihre Angebote waren nach eigenen Angaben schon prohibitv niedrig.

Da es große Überschneidungen von Comdirect und Consors gebe, habe die Commerzbank wohl nicht den höchsten Preis geboten, sagte ein Commerzbank-Sprecher. "Wir haben ein Gebot abgegeben und seitdem nichts mehr gehört." Auch der Vorstandschef von Societe Generale, Daniel Bouton, hatte gegenüber dem "Handelsblatt" gesagt, das Gebot seiner Bank liege wohl deutlich unter dem der Mitbewerber.

"Ein Abstauber-Angebot kann man immer gut abgeben", meint Georg Kanders, Banken-Analyst bei der WestLB. Die Commerzbank sei vor allem an den Kunden, nicht aber an Marke oder Infrastruktur von Consors interessiert - entsprechend niedrig sei das Gebot. Eine ähnliche Lage herrsche auch bei der Societe Generale mit ihrer Discountbroker-Tochter Fimatex.

Für die Paarung BNP Paribas und Consors ist Kanders hingegen weniger pessimistisch. Für BNP Paribas wäre der Deal ein Eintritt in einen ganz neuen Markt. Consors habe unter BNP Paribas größere Chancen, eigenständig zu bleiben, als unter den anderen beiden Mitbewerbern.

"Consors hat unter den deutschen Direktbrokern die beste Kundenbasis, hat nur zu hohe Kosten in der Abwicklung, aber das könnte sich mit einem neuen Partner ja ändern." Insgesamt sei Consors ein attraktiver Partner für BNP Paribas, so Kanders? Einschätzung. Es fehle nicht mehr viel Volumen, damit Consors profitabel arbeiten könne. Deshalb hält er die Aktie auch für unterbewertet - unter der Voraussetzung, dass der Aktienhandel generell langsam wieder anzieht.

Und warum kommen BNP Paribas und Consors noch immer nicht zusammen? Kanders: "Der Teufel liegt da wohl im Detail."

Sollte BNP den Zuschlag erhalten, würde durch den Zusammenschluss von Consors mit dem BNP-Discount-Broker Cortal die größte europäische Direktbank mit einer Präsenz in sieben Ländern entstehen. Bisher ist die Commerzbank-Tochter Comdirect mit 615.000 Kunden die Nummer eins.

Cortal nimmt mit 391.000 Kunden bisher den vierten Platz unter den Online-Brokern ein und ist neben dem Heimatmarkt Frankreich in Belgien, Luxemburg, Italien und Spanien tätig. Consors steht mit einem Bestand von 566.000 Kunden an zweiter Stelle und ist vor allem in Deutschland präsent, aber auch in der Schweiz, Frankreich, Italien und Spanien.

Consors steht mehrheitlich zum Verkauf, seit die Muttergesellschaft SchmidtBank Ende 2001 wegen finanzieller Probleme von einem Bankenkonsortium übernommen wurde. Die Bank hatte im vergangenen Jahr bis zu 1,3 Milliarden Euro Verlust gemacht, Consors hatte einen Vorsteuerverlust von 212,8 Millionen Euro verbucht.

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