Discounter auch bei Milchprodukten auf dem Vormarsch
Aldi setzt Fleischmarkt unter Druck

Der Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel kennt derzeit nur einen Gewinner: Aldi. Mitbewerber Lidl folgt auf dem Fuße und wird ebenfalls Frischfleisch in SB-Verpackungen anbieten.

ire DÜSSELDORF. Spätestens Anfang 2003 werden die Discounter Aldi und Lidl Frischfleisch in ihr Angebot aufnehmen. Nach ersten Anzeichen, die darauf hindeuten, dass die Vorbereitungen für diesen Schritt bei Aldi Nord weit fortgeschritten sind, erwarten Beobachter, dass Lidl in einem Abstand von maximal drei Monaten folgen wird. Dabei konzentrieren sich die beiden äußerst verschwiegenen Unternehmen wohl zunächst auf bis zu 20 Artikel wie Steaks, Schweineschnitzel und Gulasch in SB-Verpackungen, die nicht lange in den Regalen liegen bleiben. Dies wird nach Ansicht von Experten dazu führen, dass der Anteil der Selbstbedienungsware bei Fleisch im Lebensmitteleinzelhandel weiter steigen wird.

Die traditionelle Fleischtheke - auch im Fleischerfachgeschäft - wird auf dramatische Weise Umsatzanteile zugunsten des SB-Regals verlieren. "Es ist davon auszugehen, dass spätestens 2006 die Hälfte des Fleischumsatzes über SB abgewickelt wird", prophezeit Volker Dölle, der renommierte Unternehmen der Fleischbranche und des Handels berät. Zur Zeit beläuft sich der Anteil auf rund ein Drittel. Der Verbraucher kann sich freuen. Wegen der geringeren Handelsspanne im Discount-Bereich würden die Verkaufspreise für Frischfleisch stark unter Druck geraten, erwartet Dölle. Man kann davon ausgehen, dass diese Entwicklung ein Hauptthema auf der am Sonntag in Düsseldorf beginnenden Fachmesse "Intermeat" sein wird.

In der Fleisch verarbeitenden Industrie laufen die Anpassungen an diesen Trend unterdessen auf Hochtouren. "Wir schaffen in unseren Betrieben zunächst die technischen Voraussetzungen, damit wir in Kürze die gesamte Palette vom Hackfleisch bis zum Gulasch auch in SB-Verpackungen anbieten können", berichtet Wolfgang Braun, Sprecher der Südfleisch AG. Auch auf der parallel in Düsseldorf stattfindenden Fachmesse für Molkereiprodukte "Intermopro" sorgt der Durchmarsch der Discounter für Gesprächsstoff. Von der positiven Entwicklung des Käsekonsums im vergangenen Jahr profitierte nach Angaben des Marktforschungsinstitutes A.C. Nielsen vor allem Aldi. Der Aldi-Anteil stieg gegenüber dem Jahr 2000 von 34 auf 34,6%. Auch dort konnte Aldi seinen Wettbewerbern Anteile wegnehmen. An den Bedienungstheken ging der Mengenabsatz - gemessen am Vorjahr - dagegen um 3,8% zurück. Die Trendwarengruppen der letzten Jahre - Mozzarella, Feta, geriebener Käse - stagnieren im klassischen Lebensmittelhandel. Deren Wachstum wird offenbar von Aldi abgeschöpft.

In der Sparte Milchprodukte, der so genannten Weißen Linie, ist das starke Wachstum der probiotischen Fruchtjoghurts erst einmal gestoppt. Im traditionellen Handel verzeichnen sie sogar ein deutliches Minus.Der Trend ging im ersten Halbjahr 2002 zum Segment der "extra-leichten" Joghurts mit einem Fettanteil von 0,1% und auch zu Genuss-Produkten mit einem Fettgehalt über 5% sowie zu Trinkjoghurts. Bei den Milchprodukten mit einem Gesamtumsatz von knapp 4 Mrd. Euro, stieg der Marktanteil des preisaggressiven Harddiscounters 2001 um drei Prozentpunkte auf mehr als 19%. Diese Entwicklung setzte sich auch im ersten Halbjahr 2002 fort. Nach Ansicht von A.C. Nielsen hat Aldi die "Teuro"-Diskussion bei der Einführung des Euro-Bargeldes geschickt für sich ausgenutzt. Der Harddiscounter warb zu Jahresbeginn mit massiven Preissenkungen. In Scharen liefen die Verbraucher zu Aldi über. In einigen Warengruppen erreichte das Unternehmen Steigerungsraten von 40% und mehr.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%