Discounter bringen Fachhändler in Bedrängnis
Büroartikel-Branche fürchtet Pleiten

Das Jahr hat schlecht begonnen für die Büroartikel-Branche: Im April stellte Herlitz Insolvenzantrag, kurz darauf meldete die Branche einen deutlichen Umsatzeinbruch. Experten erwarten weitere Insolvenzen - sowohl unter Herstellern als auch unter Fachhändlern.

DÜSSELDORF. Das Geschäft mit der Einschulung wird die Büroartikelbranche wohl nicht mehr retten können. Hersteller und Händler haben im ersten Quartal dieses Jahres 10 % weniger Umsatz gemacht. Die Umsätze im April und Mai lassen ähnliche Einbrüche erwarten. Experten rechnen damit, dass die Branche vor weiteren Insolvenzen steht.

"Es werden noch mehr Unternehmen über die Klinge springen", prophezeit Thomas Grothkopp vom Bundesverband für Bürowirtschaft, der die rund 3 000 deutschen Schreibwaren-Fachhändler repräsentiert. Viele Mittelständler hätten sich jahrelang "so einigermaßen über Wasser gehalten", in der Rezession fehle ihnen aber das nötige Eigenkapital.

Vom Geschäft mit den Schulanfängern ist daher keine Rettung zu erwarten. Die Einbußen seien nur noch schwer wett zu machen - zudem sinkt die Zahl der Erstklässler seit Jahren. Im vergangenen Jahr wurden 797 000 Kinder eingeschult, 1995 waren es noch 953 000. Damit verfällt ein bedeutender Markt: Die Schüler sind für die Branche wichtig, denn sie hofft, mit ihnen Kunden auf Lebzeiten zu gewinnen.

Auch die Hersteller kämpfen um das Überleben. Herlitz hat viele ihrer 500 Mitbewerber mit aggressiven Preisen in den Supermärkten unter Druck gesetzt. Im vergangenen Jahr stagnierte der Umsatz der Branche bei 8,7 Mrd. Euro. Darin enthalten sind alle Produkte vom Bleistift über das Schulheft bis zum Kopiergerät. Das traditionelle Geschäft mit Papier, Bürobedarf und Schreibwaren für Endkunden sank indessen um fünf Prozent auf 2,1 Mrd. Euro.

Mehr als die Hälfte ihres Geschäfts machen die Büroartikelhersteller mit gewerblichen Kunden, 45 % mit Privatkunden - beide Segmente schrumpfen.

Der immer härtere Wettbewerb lässt auch die Preise für Stifte, Hefte und Radierer sinken. Zum Schulanfang bringen Discounter wie Aldi und Lidl riesige Mengen von Schulheften zu Niedrigstpreisen auf den Markt. "Wenn die großen Einzelhändler Schüler mit Standardprodukten versorgen, gibt es keinen Grund mehr, in den Fachhandel zu gehen", sagt Grothkopp. Darum sank der Marktanteil der Fachgeschäfte von 38 % 1999 auf nur noch 32 % im vergangenen Jahr. Nicht nur die Discounter machen dem Fachhandel zu schaffen, auch Internet-Händler verkaufen immer mehr Büroartikel.

Markenartikel-Hersteller verlassen sich nicht mehr allein auf den Fachhandel. Vier von ihnen haben 2000 die Quadriga GmbH-Plus gegründet, um dem Marktführer Herlitz Paroli zu bieten. Das Joint-Venture will mit einem umfassenden Sortiment im SB-Handel Fuß fassen: Esselte-Leitz liefert Ordner, Faber-Castell die Stifte, Pelikan die Füller und Bacher & Demmler Schulhefte der Marke Staufen. Das Geschäft laufe erst an, sagt Friedhelm Landgrebe, Geschäftsführer von Quadriga Plus. "Insbesondere Kleinstmärkte fehlen uns noch im Vertriebssystem." Zu seinen Kunden zählen Real und Globus; mit Rewe und Lidl macht er zum Schulanfang Geschäfte. Die Beteiligten sehen Quadriga noch in der Versuchsphase. Sie wollen 2004 entschieden, ob sie das Projekt weiterführen. Der Partner Pelikan ist als Interessent für Herlitz im Gespräch.

Egal ob als Quadriga oder als Einzelkämpfer - die Schreibwarenhersteller sind auf den Erfolg im SB-Geschäft angewiesen. Esselte-Leitz hat erst vor zwei Wochen angekündigt, in Stuttgart 220 von 800 Stellen abzubauen. Der Umsatz der Gruppe war im ersten Quartal 2002 um 8 % geschrumpft. 2001 war der Gewinn um 69 % eingebrochen, der Umsatz lag bei 1,2 Mrd. Euro. Die Schweizer Pelikan Holding AG hat für 2001 noch keine Zahlen berichtet. 2000 hatte das Unternehmen bei 140 Mill. Euro Umsatz einen Verlust von 2,3 Mill. Euro ausgewiesen.

Im Großkundengeschäft bestimmen internationale Anbieter den Markt. Buhrmann N.V. aus Holland, Hamelin aus Frankreich und der US-Konzern Office Depot bringen deutsche Mittelständler in Bedrängnis. Sie drücken die Preise, so dass nationale Anbieter nur mit einem Höchstmaß an Service konkurrieren können: Sie übernehmen für ihre Geschäftskunden die Büroartikellager, liefern direkt in die Abteilungen und bauen Online-Shops für Nachbestellungen auf. Zudem leidet auch dieses Geschäft unter der schwachen Konjunktur: "Der Abbau von Arbeitsplätzen hinterlässt in unserer Branche natürlich Spuren", sagt Verbandschef Grothkopp. "Weniger Mitarbeiter benötigen eben auch weniger Bürobedarf."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%