Discounter gewinnen
Einzelhandel im Tal der Tränen

Der Einzelhandel sieht sich in einem dramatischen Abwärtstrend. "Besonders für sehr viele kleine und mittlere Einzelhandelsgeschäfte bleibt die Lage äußerst prekär", sagte der Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hermann Franzen, am Freitag in Berlin.

HB/dpa BERLIN. Die Sparbeschlüsse der neuen Bundesregierung hätten den Erwartungen einen zusätzlichen kräftigen Dämpfer gesetzt. Nur den Discountern gehe es so gut wie nie zuvor.

Der HDE rechnet nach einem Umsatzminus von nominal 2,5 Prozent in diesem Jahr (real drei Prozent) für 2003 mit einem weiteren Rückgang von nominal 0,5 Prozent. Das Ladensterben werde weitergehen und die Beschäftigtenzahl, die 2002 um rund 30 000 auf 2,8 Millionen gesunken sei, gehe erneut zurück. Preissteigerungen ließen sich nicht durchsetzen. Sie lägen unter einem Prozent. "Die Verzweiflung vieler Einzelhändler ist groß", sagte Franzen. Sie stünden vor der schlechtesten Umsatzentwicklung der Nachkriegszeit.

Die Beschlüsse der Koalition kosteten den Einzelhandel im kommenden Jahr mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz. Die Stimmung sei schon jetzt verdorben. Die Kaufkraft der Arbeitnehmer werde kräftig beschnitten. Der private Verbrauch werde im kommenden Jahr als konjunkturbelebendes Element absolut ausfallen. Franzen: "Von der im Koalitionsvertrag skizzierten Politik gehen keine Wachstumsimpulse aus."

Der HDE-Präsident erneuerte zugleich die Forderung nach Abschaffung oder zumindest Lockerung des Ladenschlussgesetzes. Minimalforderung sei dabei, am Samstag generell bis 18 Uhr öffnen zu können. "Ein Ladenschlussgesetz, das das Verkaufspersonal des Einzelhandels vor überlangen Arbeitszeiten schützen soll, ist in einer Zeit, in der das Arbeitszeitgesetz den Arbeitnehmerschutz weitaus rigider regelt, unnötig."

Der HDE verlangt ferner, die Grenze der geringfügigen Beschäftigung von 325 auf 400 Euro oder höher zu setzen. Dies schaffe allein im Handel 100 000 neue Arbeitsplätze. Die von der Koalition beschlossene Unterscheidung zwischen haushaltsnahen und anderen Dienstleistungen sei widersinnig. Franzen: "Warum darf die im Privathaushalt beschäftigte Raumpflegerin als geringfügig Beschäftigte bis zu 500 Euro verdienen, ihre Kollegin, die im Einzelhandel die Ladenlokale reinigt, jedoch nur 325 Euro?"

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