"Diskrete Vermögensgesellschaft"
Angriff aus der Schweiz (2)

Das hat auch Bernhard Termühlen, der Chef des Finanzdienstleisters MLP inzwischen gelernt. Zwei Artikel des Anleger-Magazins "Börse Online" zum Thema versteckte Risiken in der Bilanz ließen den MLP-Kurs zuletzt um rund die Hälfte abschmieren. Termühlen wittert eine Intrige. Er glaubt, dass hinter dem Absturz Spekulanten stecken, die mit fallenden Kursen ein Vermögen verdienen wollen. Der MLP-Chef fürchtet sich vor so genannten Shortsellern, Investoren, die geliehene Aktien auf den Markt werfen, um sie dann später billiger zurückzukaufen.

WCM-Chef Flach weiß, wie sich Termühlen fühlt: "Was wir erleben, erinnert stark an MLP", erzählt der sichtlich genervte Manager und warnt vor gezielten Kursmanipulationen: "Es ist möglich, dass UZF im Auftrag von Dritten handelt. Das ist eine kleine Vermögensverwaltung, die ihr Geld nicht mit Aktienanalysen verdient." Stattdessen würden die Schweizer ähnlich wie ein Hedge-Fonds arbeiten und deshalb auch versuchen, selbst mittels Shortpositionen Geld zu machen. Inzwischen hat Flach seine Anwälte eingeschaltet, die sollen so viel wie möglich über UZF zusammentragen.

Was die Juristen in Zürich finden werden, ist eine kleine Firma mit nur sieben Mitarbeitern. "Eine diskrete Gesellschaft, die Vermögensverwaltung für die reichsten Familien in Europa und Südamerika bietet", so beschreibt Darius Parsi, einer der Autoren des WCM-Reports, seinen Arbeitgeber. Ob es zur UZF-Strategie gehört, auf fallende Kurse zu setzen, will Parsi nicht verraten. Aber er versichert, dass die Schweizer keine eigenen Positionen aufgebaut haben.

Andere hätten dazu allerdings genügend Zeit gehabt. Denn UZF hat den WCM-Report bereits am Sonntag an 80 Journalisten, Analysten und Banker verteilt. Seine Wirkung entfaltete das Papier aber erst, als die Story dienstags bei der Nachrichtenagentur Bloomberg lief.

Lange gehört die Aktienanalyse noch nicht zum Geschäft von UZF: "Wir haben gerade erst angefangen", räumt Parsi ein. Bislang seien erst drei Studien verfügbar, darunter auch eine Verkaufsempfehlung für MLP. "Wenn wir etwas interessant finden, dann graben wir uns richtig tief hinein", betont Parsi.

Nicht tief genug, meint indes Alexander Plenk von der Bankgesellschaft Berlin. Plenk findet in der UZF-Analyse "offensichtlich falsche Behauptungen". Die Schweizer schreiben etwa, dass WCM mit seiner Commerzbankbeteiligung 300 Millionen Euro verloren habe. Plenk rechnet vor: "Der Kaufpreis für das Bank-Engagement betrug 559 Millionen, seitdem ist die Commerzbank-Aktie rund 15 Prozent gefallen, also beläuft sich der Buchverlust für WCM nur auf knapp 80 Millionen." "Diese eindeutig widerlegbaren Tatsachen" lassen Plenk "an der Richtigkeit der anderen Vorwürfe zweifeln." Der Analyst bleibt bei seiner Kaufempfehlung für WCM, genau wie die Kollegen der WestLB Panmure und der WGZ-Bank.

WCM-Chef Flach weiß diese Rückendeckung zu schätzen, er ahnt aber auch, dass sie ihm derzeit nichts nützt. 24 Stunden nach dem Angriff aus der Schweiz sagt er: "Der Kurs ist abgestürzt, da ist man erst einmal hilflos."

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