Diskretion ist natürlich Ehrensache
Jagd auf Schwarzgeld

Jungunternehmer David Leppan hilft Banken bei der Identifizierung zwielichtiger Kunden.

DÜSSELDORF. Mohammed Abacha ist von Beruf Kontoinhaber. Der Sohn des nigerianischen Ex-Diktators Sani Abacha parkte zwischen 1993 und 1998 drei Milliarden Dollar bei diversen Banken. Beutegut, ohne Zweifel. Aber wenn die Kontrollen versagen, können ehrenwerte Bankhäuser schon mal zu Komplizen korrupter Regime werden. Diese Erfahrung machen derzeit Deutsche Bank, Credit Suisse und HSBC. Londons High Court beschuldigt sie und 16 weitere Banken, Geldwäscher des Abacha-Clans zu sein.

Die Compliance-Abteilungen der Banken sind ausschließlich damit beschäftigt, zwielichtige Kunden zu identifizieren - doch häufig fehlen ihnen dafür die nötigen Informationen. Ein Manko, das Unternehmensgründer David Leppan zu lösen verspricht: Würde Abacha heute mit prallem Geldkoffer zwecks Kontoeröffnung in eine Bank spazieren, wäre das Wissen um seinen zweifelhaften Leumund nur einen Mausklick entfernt. Vorausgesetzt, die Bank hat Leppans Software World-Check abonniert.

Der 28-jährige Leppan, Gründer des Unternehmens Global Objectives Ltd., ist der geistige Vater der Software. "Die Idee haben Schweizer und Liechtensteiner Banken an mich herangetragen, die wussten, dass ich seit Jahren an Compliance-Lösungen arbeitete," erklärt der gebürtige Südafrikaner mit Politologie-Abschluss der Universität Salzburg. Leppan arbeitete damals noch für Thomson Financial, eines der führenden Analysehäuser. Trotzdem wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit: 100 000 Dollar Eigenkapital kostete es, die erste Version von World-Check auf den Markt zu bringen - Leppan wollte unabhängig sein und brachte die Finanzierung alleine auf - ohne Kredite, ohne Risikokapital. Und ohne allzu großes Risiko: "Natürlich war es ein Türöffner, dass ich in diesem Segment des Bankgewerbes bekannt bin."

Leppan verkauft mit World-Check Informationen über so genannte Politisch Exponierte Personen (PEPs). Dabei gibt es einerseits den High-Risk-Personenkreis aus dem Umfeld der Organisierten Kriminalität, des Waffen- und Drogenhandels, der Korruption und des Terrorismus. "Diesen Personenkreis will jede Bank als Kunden ausschließen", so Leppan. Schwieriger zu definieren ist die zweite Kategorie: die PotentialHigh-Risk-Gruppe, die bereits durch ihre Stellung in den Fokus gerät. Das sind zum Beispiel Inhaber politischer Ämter, Staatsfunktionäre oder Repräsentanten religiöser Sekten. "Sie haben sich zwar bisher nichts zu Schulden kommen lassen und werden es vielleicht auch nie. Aber Vorsicht verleiht einen ruhigeren Schlaf", so Leppan. Banken, denen Informationen über diese exponierten Personen zur Verfügung stehen, können Risiken besser eindämmen.

Am 10. Januar des vergangenen Jahres war World-Check erstmals abrufbar. Ein perfektes Timing, denn 14 Tage später kollabierte die OECD-Allianz gegen globale Geldwäsche: Kaum im Amt, ließ George W. Bush seinen Finanzminister den Ausstieg der USA verkünden - ohne die Finanz-Supermacht war die Initiative zahnlos.

Seitdem stehen die Banken wieder stärker in der Verantwortung. Längst müssen sie nicht mehr nur ihre Kunden, sondern auch die Kunden ihrer Kunden kennen. Leppan stellt deshalb nicht nur Informationen über einzelne Personen, sondern auch über Geschäftsbeziehungen zusammen. 48 000 Datensätze stehen bei World-Check zurzeit zur Verfügung - wöchentlich kommen 2 000 hinzu. Großbritannien, Österreich und die Schweiz sind vollständig erfasst, selbst schwierige Politräume wie Russland sind mit 1 000 Datensätzen vertreten. Leppan vermeidet bewusst den Begriff Personenliste: "Das wäre zu kurz gegriffen." Und zu nahe am Tatbestand Schwarze Liste. "World-Check liefert keine banalen Namenslisten, sondern alle legal verfügbaren Daten über Lebensumstände und Umfeld der gelisteten Personen. Samt Quellenangaben, Querverweisen und der Begründung für den Eintrag."

25 Mitarbeiter durchforsten einschlägige Internet-Seiten wie die von CIA, Uno, BKA oder Weltbank, um die Daten zu aktualisieren. Als Präsident Bush nach dem 11. September die 26 meistgesuchten Personen benannte, hatte World-Check bereits 15 im Visier - natürlich auch Osama bin Laden. Liefen die Geschäfte nach dem OECD-Aus gut an - nach zwei Monaten schrieb Leppan schwarze Zahlen -, so veränderte der 11. September alles. Nun blasen die USA zum Halali auf Schwarze Konten und bei Global Objectives stehen die Interessenten Schlange. "Nach dem Terroranschlag hätte ich die Preise verdoppeln können."

44 Banken in 15 Ländern umfasst der aktuelle Kundenstamm, unter ihnen die Unterzeichner der "Wolfsberg Anti Money Laundering Principles" - also prominente Banken wie die Deutsche Bank, Credit Suisse, HSBC oder die Société Générale. Sie können entweder online auf die Word-Check-Datenbank zugreifen, wenn Sie einzelne Personen suchen, sie können aber auch ihre gesamten Kundendaten mit der Datenbank abgleichen.

Diskretion ist natürlich Ehrensache: Wer in der Datenbank aufgelistet wird, wissen nur wenige. Aber vielleicht ahnt es ein Kunde, der angesichts einer Einzahlung von 100 Millionen kritischer beäugt wird als früher.

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