Diskussion auf Weltwirtschaftsforum
Wettlauf um den Schatz der Arktis

Noch bedecken dicke Eisschichten die Öl- und Gasvorkommen in der Arktis. Doch wenn sich das Klima weiter erwärmt, dauert es nicht mehr lange, bis die ersten Bohrtrupps freie Bahn haben. Doch wem gehört das schwarze Gold?

DAVOS. Die Polkappen schmelzen ab. Um 5,5 Grad werden die arktischen Temperaturen im Verlauf dieses Jahrhunderts ansteigen. Das schätzt die US Arctic Research Commission. Die beschleunigte Eisschmelze am Nordpol beschäftigt nicht nur die Klimaforscher, sondern auch Politiker und Unternehmen immer stärker. "In der Nordpol-Region vermuten wir 25 Prozent der noch unentdeckten Reserven an fossilen Brennstoffen", sagte Helge Lund, Präsident des norwegischen Ölkonzerns Statoil beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Das sind immerhin 375 Mrd. Barrel Rohöl.

Mit neuen Technologien werde es bereits innerhalb der nächsten Jahrzehnte möglich sein, die Exploration nach Ölvorkommen unter dem arktischen Eis aufzunehmen. Die Suche nach neuen Ölquellen im hohen Norden wird durch den Klimawandel auch insofern erleichtert, als sich neue Zugangswege eröffnen. Schon binnen eines Jahrzehnts kann sich George B. Newton, Chef der Arktiskommission der USA, die Nord-West-Schiffspassage von Grönland nach Sibirien zumindest in den Sommermonaten vorstellen.

Noch sind neue Transportwege und neue Energiequellen Zukunftsmusik. US-Senator John Sununu plädiert jedoch nachdrücklich dafür, sich jetzt schon mit den politischen Implikationen zu beschäftigen. Denn Rechte an möglichen fossilen Lagern können erst festgelegt werden, wenn eine exakte Vermessung des unter dem arktischen Eis liegenden Kontinentalschelfs erfolgt ist. Nur zwischen Norwegen und Grönland gibt es genaue Grenzbestimmungen. Zwischen USA, Russland und Kanada herrschen noch Meinungsunterschiede. Sununu spricht sich dafür aus, in der Arktis ähnliche globale Forschungsvorhaben aufzulegen, wie sie bereits in der Antarktis durchgeführt werden. "Die USA müssen sich daran ebenso beteiligen wie die EU."

"Wir brauchen eine Diversifizierung unserer Gasversorgung", sagte Andris Piebalgs, Energiekommissar der EU. Bislang stemmen 25 Prozent der europäischen Gaslieferungen aus Russland, 15 werden aus Norwegen geliefert. Piebalgs sprach sich in Davos dafür aus, europäische Technologie für die Erschließung neuer Lager zu nutzen: "Auch wenn wir dort keine Besitzrechte haben, ist das eine Chance für Unternehmen aus der EU."

Die norwegische Statoil will vor dem Vorstoß in die zentrale Arktis erst die Öl- und Gaslager am südlichen Rand in der Barent-See erschließen. Statoil-Chef Lund plant eine 6 000 Kilometer lange Pipeline entlang der norwegischen Küste, die Gas ins Netz der EU speisen soll, falls das Unternehmen fündig wird. Er hofft, dass Norwegen und Russland sich nach 35 Jahren erfolgloser Verhandlungen über Explorationsrechte in der Region in absehbarer Zeit einigen. "Wenn wir dabei vorankommen, ist das ein wichtiger Indikator für die Sicherung der Rohstoffversorgung."

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