Diskussion mit Studenten
Rau fordert neues Aufenthaltsrecht für ausländische Studenten

dpa BERLIN. Bundespräsident Johannes Rau hat ein neues Aufenthaltsrecht für ausländische Studenten und Wissenschaftler in Deutschland gefordert. Mit den heutigen restriktiven Bestimmungen praktiziere die Bundesrepublik eine "Politik des Aussperrens", die für viele ausländische Studienbewerber und Experten nicht hinnehmbar sei, sagte Rau am Dienstag bei einer Diskussion mit Studenten der Humboldt-Universität in Berlin.

Deutschland brauche mehr ausländische Experten, sagte der Bundespräsident. Dies sei aber nur möglich, wenn diese Menschen mit offenen Armen aufgenommen werden. Rau berichtete von dem Fall eines in Deutschland habilitierten türkischen Wissenschaftlers, der nach Schikanen durch deutsche Grenzbeamte auf einen Aufenthalt in der Bundesrepublik verzichtet hatte. Rau sagte vor den rund 300 Studenten, er werde auch weiterhin unter Wissenschaftlern im Ausland für die deutschen Universitäten werben.

Forschung und Lehre zu kurz gekommen

Rau kritisierte, dass in der öffentlichen Bildungsdiskussion Ziele und Inhalte von Forschung und Lehre zu kurz gekommen seien. Für Schulen und Universitäten sei eine größere Autonomie und "weniger staatliche Gängelung" notwendig. Mit einem eigenen Budgetrecht könnten die Hochschulen selber Akzente setzen.

Ein privates Ausbildungssystem nach dem Vorbild der USA lehnte der Bundespräsident für Deutschland ab, ebenso ein zentralistisches Modell wie in Frankreich, "bei dem der Minister sagt, welche Prüfung ein Schüler zu absolvieren hat". "Bildung ist zuerst eine Aufgabe des Staates, in erster Linie der Länder", sagte Rau. Er begrüßte eine öffentliche Diskussion über die Schaffung von Eliten. Sie dürften aber nicht über "Besoldungsstrukturen oder Adelsprädikate" definiert werden.

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