Diskussion sorge für Verunsicherung
Aktienexperten sind skeptisch zu neuen Steuerplänen

Aktienexperten stehen der von der Bundesregierung geplanten Abgeltungssteuer auf Gewinne aus Aktienverkäufen skeptisch gegenüber. Es sei zudem zweifelhaft, dass die Pläne letztendlich auch umgesetzt würden.

Reuters/vwd FRANKFURT. "Sollte es wirklich dazu kommen, würde das der Aktie als Kapitalanlage keinen Gefallen tun", sagte Stefan Mitropoulos, Aktienstratege bei der Bankgesellschaft Berlin, am Donnerstag. Ähnlich sieht es Reinhild Keitel, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK): "Für den Aktienmarkt ist dies alles andere als vertrauensbildend, und es wird viele Neue von dem Einstieg in den Aktienmarkt abschrecken." Peter Nitsche vom Bundesverband der Steuerberater kritisierte die Pläne ebenfalls, da vor allem Privatanleger betroffen seien: "Auf die Banken werden höhere Verwaltungskosten zukommen. Und diese werden sie auf die Aktionäre abwälzen."

"Erst Umsetzung der Pläne abwarten

Viele Aktienexperten äußerten sich zunächst noch zurückhaltend. "Dass diese Pläne jetzt kursieren, heißt nicht, dass diese Steuer wirklich auf den Tisch kommt. Ich werte das eher als Versuchsballon", sagte Aktienstratege Roland Ziegler von der ING BHF-Bank. In der vergangenen Zeit sei bereits so viel vorgeschlagen worden, was letztendlich nicht umgesetzt wurde, dass man nun erst einmal abwarten müsse. "Es ist zu früh, um sich viele Gedanken darüber zu machen", ergänzte er. Auch Oliver Opgen-Rhein, Händler bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, zweifelte an der Umsetzung der Pläne: "Man muss erst mal abwarten, ob das überhaupt durchkommt."

Nach Ansicht von Stefan Schiesser von der DZ Bank ist die anhaltende Diskussion um die Besteuerung von Veräußerungsgewinnen bei Aktiengeschäften schädlich für den Markt. "Es ist wichtig, dass das Hickhack endlich vorbei ist", sagt der Leiter Aktienresearch Privatkunden im Gespräch mit vwd. Das ständige Hin und Her sorge für Verunsicherung, die den Handel belaste. Wichtig sei für Anleger hingegen Planungssicherheit.

Ein Regierungssprecher bestätigte, dass an Plänen zu einer Abgeltungssteuer auf Gewinne aus Aktienverkäufen gearbeitet werde. Details dazu wollte er nicht nennen und damit ausdrücklich auch den im "Handelsblatt" genannten Steuersatz von 25 Prozent nicht bestätigen. Der Sprecher widersprach der Darstellung der Zeitung, wonach Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) die Abgeltungssteuer auf Gewinne aus Aktienverkäufen als Kompromissangebot an die Kritiker seiner Reformagenda vorschlagen will.

Die Regierung hatte zuvor bereits im so genannten Steuervergünstigungsabbaugesetz eine Steuer auf Aktiengewinne vorgesehen. Dafür sollte ein Steuersatz von 15 Prozent gelten. Durch das geltende Halbeinkünfteverfahren hätte dieser sich jedoch auf 7,5 Prozent reduziert. Die Union hatte im Bundesrat das Gesetzespaket weitgehend abgelehnt.

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