Diskussion um Gesundheitswesen trübt Chancen von Krankenhausbetreibernn
Heilkraft fürs Depot

Dass sich mit den Krankheiten anderer Leute trefflich Geld verdienen lässt, beweisen die Pharmakonzerne seit Jahrzehnten. Anders als der Medikamentenverkauf gilt dagegen das Betreiben von Krankenhäusern gemeinhin als Akt der Barmherzigkeit, der nur Kosten verursacht und nichts einbringt.

Dabei erwirtschaften private, nicht gemeinnützige Klinikbetreiber stattliche Renditen. Einige Unternehmen sind börsennotiert. Vor allem große Betreiber sind bei Anlageprofis beliebt.

"Bei einem kurzen Rundgang durch ein Krankenhaus, das von einem öffentlich-rechtlichen oder gemeinnützigen Träger betrieben wird, entdecke ich auf Anhieb ein Kostensenkungspotenzial von zehn Prozent", sagt ein Brancheninsider, der seinen Namen nicht gedruckt sehen möchte. Er bringt damit einen wesentlichen Erfolgsfaktor privater Betreiber auf den Punkt.

Professor Günter Neubauer, Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomik in München, nennt insgesamt vier solcher Faktoren: die konsequente Marktorientierung, die Produktqualität, das betriebliche Management und die unternehmerische Kompetenz der Betreiber. Den größten Erfolg haben nach Einschätzung Neubauers jene Unternehmen, die über mehrere Krankenhausbetriebe verfügen. "Offensichtlich gibt es eine Art Lernkurve, die mit der Zahl der Lerneinheiten, sprich Betriebe, die Kosten der Betriebe sinken lässt", sagt Neubauer.

Gute Wachstumsaussichten

Die Rhön-Klinikum AG hat einige dieser "Lerneinheiten" vorzuweisen. Sie betreibt derzeit 19 Häuser und gehört damit zu den größeren Anbietern. Bei Gunnar Cohrs, Analyst der Berenberg Bank, steht die Rhön-Aktie bereits seit August 1999 auf der Liste der Kaufempfehlungen. Das Unternehmen, seit 1989 börsennotiert, ist in der Vergangenheit kräftig gewachsen und will weiter deutlich zulegen. Spätestens bis Januar 2002 sollen ein Fachkrankenhaus und mehrere Kreiskrankenhäuser übernommen werden.

Die Wachstumsperspektiven sind gut: Während der gesamte Krankenhausmarkt schrumpft, steigt der Marktanteil der gewinnorientierten Betreiber kontinuierlich. "Das wird auch so weitergehen", sagt Cohrs. Marktbeobachter gehen davon aus, dass sich die Zahl staatlicher Krankenhäuser in den nächsten 15 Jahren halbiert und die der privaten Klinikbetreiber um 50 Prozent steigt.

In den Jahren, in denen Zukäufe nicht zu sehr auf die Margen drücken, erwirtschaftet die Rhön Klinikum AG Renditen von 15 Prozent vor Steuern. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen, die allein das Management eines Krankenhauses übernehmen, geht die Rhön-Klinikum AG einen Schritt weiter und strebt regelmäßig die komplette Übernahme der Häuser an. Zwar lassen sich schon allein durch eine bessere Gestaltung der Betriebsabläufe Kosten sparen. Für einen Eigentümer ergeben sich aber im Gegensatz zum reinen Manager noch weiter reichende Möglichkeiten.

Keine Chance für "schwerfällige Tanker"

Getrübt werden die Chancen, die das Betreiben eines Krankenhauses bietet, durch die Diskussion um das Gesundheitswesen. Während der medizinische Fortschritt immer aufwendigere Behandlungsmethoden und immer teurere Geräte hervorbringt, wird an der Einnahmeseite der Rotstift eingesetzt - eine Entwicklung, die der Branche zu schaffen macht: "Das ist kein verlässlicher Markt. Er ist politisch dominiert, extrem steigende Ausgaben stehen geringeren Einnahmen gegenüber", erklärt Cohrs. Gerade unter diesen schwierigen Bedingungen werden sich aber die gut organisierten, konsequent an den Bedürfnissen des Marktes ausgerichteten Krankenhäuser durchsetzen können, sagen Fachleute.

Keine Chance haben dagegen schwerfällige öffentlich-rechtliche Tanker, die manchen Ballast nicht über Bord werfen dürfen: "Öffentlich-rechtliche Krankenhäuser sind Bestandteil der Daseinsvorsorge. Sie können sich etwa nicht dagegen wehren, eine gynäkologische Abteilung vorzuhalten, obwohl es sich möglicherweise überhaupt nicht lohnt", sagt Ursula Augsten von Ernst & Young.

Dass der Blick auf die Rendite nicht zu Lasten der Qualität der Behandlung gehen muss, lässt sich zumindest indirekt aus der Auslastung der Rhön-Krankenhäuser ableiten. "Die Auslastungsquote liegt bei 85 Prozent - ein absoluter Spitzenwert für die Branche", sagt Analyst Cohrs. Dieser Wert lässt auf hohe Patientenzufriedenheit schließen. Denn es spricht sich auch unter Krankenhauspatienten herum, wo eine Behandlung erfolgreich war, wo der Patient sich gut behandelt fühlte.

"Angesichts der aktuellen Lage auf den Aktienmärkten ist die Rhön-Aktie sicher auch für Privatanleger interessant. Die Volatilität (Kursschwankung) ist nicht hoch, die Chancen sind beträchtlich", lautet Cohrs? Fazit.

Noch keine abschließende Meinung hat Cohrs zur Mediclin-Aktie. Das Unternehmen ist erst seit Dezember vergangenen Jahres an der Börse. Mediclin betreibt 39 Häuser mit rund 8 400 Betten. Trotz insgesamt positiver Geschäftsentwicklung zeigt sich der Kurs wenig dynamisch: Der Ausgabekurs betrug elf Euro, zurzeit notiert die Aktie unter dem Wert von neun Euro.

Die Euromed AG, deren Aktien seit 1999 am Neuen Markt gehandelt werden, betreibt bislang nur eine luxuriöse Klinik in Fürth. Das Unternehmen strebt zwar nach eigenen Angaben die Übernahme weiterer Einrichtungen an. Mit den großen Betreibern kann sich Euromed aber noch nicht messen. Im ersten Quartal 2001 hat Euromed die Gewinnzone erreicht. Die Aktie hat seit Ausgabe unter starken Schwankungen und Kursverlusten gelitten.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%