Diskussion um Leichtgewichte
Hannawald zu schwer für Olympiasieg?

Es gab Zeiten, da stand Sven Hannawald im Verdacht, magersüchtig zu sein. In diesen Tagen scheint er zu schwer für einen Olympiasieg. Was bei 64 kg und einer Größe von 1,84 m zunächst abwegig erscheint, ist nach den beiden Einzel-Entscheidungen der Olympischen Winterspiele zum Diskussions-Gegenstand in der Skisprung-Szene geworden.

HB/dpa SALT AKE CITY. Zwei Meinungen prallen aufeinander: "Springer wie Ammann und Malysz haben bei dieser dünnen Luft Vorteile", sagt Bundestrainer Reinhard Heß und erhält Schützenhilfe von seinem österreichischen Amtskollegen Toni Innauer.

Hingegen meint Walter Hofer, der Sprungdirektor des Internationalen Skiverbandes FIS: "Hier ist es vielleicht schwieriger zu landen als in geringerer Höhe, aber das ist für alle gleich." Direkt empört über die Diskussion zeigte sich Jens Weißflog. Der Olympiasieger von 1994 und heutige ZDF-Experte war in seiner aktiven Zeit selbst ein Leichtgewicht. "Die Diskussion kommt immer dann, wenn wir Deutschen mal nicht vorne sind. Als Sven die Vierschanzentournee gewonnen hat, mäkelte auch keiner an seinem Erfolg herum", wetterte Weißflog.

Hintergrund der Diskussion ist die mit 2 200 m höchstgelegene Schanzenanlage der Welt. Viele Springer vermissen in der dünneren und damit weniger Widerstand bietenden Luft das Polster, auf das sie sich in der Flugphase legen. "Der Effekt des Luftpolsters ist nicht so wie auf Meereshöhe", erklärt der österreichische Sprung-Trainer Toni Innauer und fügt hinzu: "Schwere Springer merken dies mehr als leichtere."

Doppel-Olympiasieger Simon Ammann (Schweiz) misst 1,72 m und wiegt 55 kg, Silber- und Bronzemedaillengewinner Adam Malysz (Polen) bei 1,69 m sogar nur 53 kg. "Die leichteren Springer sind hier bevorzugt. Hannawald hat zudem das Manko, auf Grund seiner Größe von 1,84 m bei der Landung einen höheren Körper-Schwerpunkt zu haben", meint Innauer. Bei großen Weiten hat das auch Auswirkungen auf die Landung. "Dadurch, dass ich schwerer bin als Simon und Adam, haut es mich mehr in den Radius", sagte Sven Hannawald. Der Hinterzartener war am Mittwoch auf der Großschanze bei 131 m gestürzt, was ihm die sichere Medaille kostete.

Zwei Stürze innerhalb von zwei Tagen auf derselben Schanze - das war dem 27-Jährigen noch nie passiert. Doch für Walter Hofer liegt das Problem woanders. "Die Schanzenanlage gibt nicht mehr her als maximal 135 m, deswegen ist es hier schwieriger, im großen Weitenbereich zu landen. Aber das ist für alle gleich." Die Höhe von 2200 m macht indes auch Hofer zu schaffen, allerdings aus anderen Gründen: "Wir sind hier im hochalpinen Bereich. Bisher haben wir mit Wind und Wetter wirklich Glück gehabt."

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