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Diskussion um mögliche Haarproben nach Kokainverdacht im Bundestag

Wolfgang Zeitlmann, Rechtsexperte der CSU, plädierte in bestimmten Fällen dafür, dass Politiker ihr Haar für eine Probe abgeben.

dpa HAMBURG/BERLIN. Im Zusammenhang mit den angeblichen Kokainfunden in den Toiletten des Reichstags sich Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) gegen Haarproben der Abgeordneten ausgesprochen. "Ich halte nichts davon, wenn Abgeordnete sagen, ich bin bereit zur Haarprobe. Das wird ja allmählich zum Volkssport", sagte Thierse am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Johannes B. Kerner-Show". Er spielte damit auf die positiv auf Kokain getestete Haarprobe des Bundesligatrainers Christoph Daum an.

Wolfgang Zeitlmann, Rechtsexperte der CSU, plädierte dagegen in bestimmten Fällen dafür, dass Politiker ihr Haar für eine Probe abgeben. Zeitlmann sagte der in Berlin erscheinenden Tageszeitung "B.Z." (Freitag): "Wenn die Staatsanwaltschaft konkrete Verdachtsmomente hätte, dann wäre ich dafür, dass diese Abgeordneten auch zur eigenen Entlastung eine Haarprobe machen." Zeitlmann selbst "hätte kein Problem damit, ein Haar abzuliefern. Bei mir würden die nichts feststellen."

Unterdessen wächst die Verwirrung um die angeblichen Kokainfunde in den 22 Toiletten des Reichstags: Der mit der Untersuchung der Proben befasste Wissenschaftler hält nun doch eine zufällige Übertragung der Droge über das Wischwasser der Putzfrauen für denkbar. Der Leiter des Instituts für pharmazeutische und biomedizinische Forschung (Nürnberg), Professor Fritz Sörgel, will an diesem Freitag sein abschließendes Gutachten zu dem Problem erstellen.

Thierse zeigte sich überrascht über die angeblichen Kokainfunde. "Damit konnte man ja nicht rechnen", sagte er im ZDF. Ins Reichstagsgebäude hätten ja nicht nur Abgeordnete, sondern etwa 2 500 Journalisten und sehr viele Besucher Zugang. Zugleich übte Thierse Kritik an den Medien: Der Sat.1-Bericht sei "Höhepunkt des deutschen Journalismus. Die Toilettenschnüffelei beginnt." Wenn der allgemeine Verdacht zugelassen werde, Politiker seien süchtig, "dann wird's problematisch", sagte Thierse. Nun müsse sich die Staatsanwaltschaft um die Vorwürfe kümmern.

Die Staatsanwaltschaft Berlin begann am Donnerstag bereits mit der Prüfung des Vorgangs. Nach Angaben der Behörde gibt es aber noch kein offizielles Ermittlungsverfahren in der Sache. Es werde geprüft, ob ein Anfangsverdacht begründet sei. Der Ältestenrat des Parlaments wird sich auf Antrag der FDP in der kommenden Woche mit dem Thema befassen.

Ausgelöst wurde die Affäre durch einen Bericht des Sat.1-Magazins "Akte 2000". Darin hieß es, bei einem Test seien Kokainspuren in 22 von 28 Toiletten im Reichstagsgebäude sowohl in den Bereichen der Fraktionen als auch in der Präsidialebene festgestellt worden.

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