Diskussion um Objektivität der Analysten
Neue Finanzaufsicht verstärkt Kontrollen

Wenn sich die Interessen von Analysten und Investmentbankern in einem Institut berühren, sind die Anleger betroffen. Neuen gesetzliche Regelungen schreiben deutschen Analysten vor, Interessenkollisionen offenzulegen.

tmo FRANKFURT/M. Hier zu Lande überwacht die neue Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die Analysten. "Künftig müssen wir unser Personal noch aufstocken, um den neuen Gesetzauftrag zu erfüllen", sagt Georg Dreyling von der Allfinanzbehörde.

Das Vierte Finanzmarktförderungsgesetz, das im Juli in Kraft treten soll, schreibt vor, dass Analysten Interessenkonflikte in ihren Studien offenlegen müssen. Bei Verstößen kann das Amt eine Strafe von bis zu 200 000 Euro verhängen. Eine solche gesetzliche Regelung existiert in den USA nicht. Die Aufseher haben zudem kürzlich die internen Regeln mehrerer Häuser geprüft. Besonders genau nahmen sie dabei die Deutsche Bank unter die Lupe. Dort hatte ein Analyst Aktien der Deutschen Telekom - jedoch mit gesenktem Kursziel - zum Kauf empfohlen, kurz bevor die Bank ein großes T-Aktienpaket im Kundenauftrag verkaufte. Die Prüfer fanden aber weder bei der Deutschen noch anderswo Hinweise auf ein Fehlverhalten wie in den USA.

Dennoch passt die Deutsche Bank - wie andere Institute - derzeit ihre internen Richtlinien an. So soll die Kommunikation der Analysten mit den Investmentbankern stärker formalisiert werden. "Die sachliche Richtigkeit der Studien muss sichergestellt sein, gleichzeitig darf die Objektivität des Anlageurteils nicht berührt werden", sagt Dieter Eisele, Chef der bankinternen Überwachungsstelle. Investmentbanker in Corporate Finance, die im Interesse der Firmenkunden arbeiten, dürfen deshalb zwar weiter die Berichte unter bestimmten Voraussetzungen vorab sehen - aber nicht mehr das Anlageurteil des Analysten. Damit folgt die Deutsche den neuen Regeln der SEC. Danach ist die Kontrolle von Analystenstudien durch Investmentbanker grundsätzlich verboten, außer zur sachlichen Prüfung und zur Vermeidung von Interessenkonflikten.

Außerdem hat der größte deutsche Analystenverband, die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management ihre beruflichen Standesregeln komplett neu überarbeitet. Laut Geschäftsführerin Ulrike Diehl ist der vorliegende Entwurf "stringenter und weitgehender" als vergleichbare Regelwerke in den USA.

Quelle: Handelsblatt

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