Diskussion um Trainer-Nachfolge
Italien-Coach Donadoni vor dem Aus

Nach dem Euro-Aus der italienischen Nationalmannschaft droht Coach Roberto Donadoni der Rauswurf. Angeblich steht Weltmeister-Trainer Marcello Lippi bereit, um zu übernehmen. Indes redet sich die Squadra Azzurra ihre Auftritte bei der Euro in Schweiz und Österreich schön.

Der Weltmeister hatte fertig. Doch als die Italiener draußen waren, da redeten sie so, wie sie vorher Fußball gespielt hatten: immer schön um den heißen Brei herum, nur nicht zu offensiv werden, den Gegner einschläfern. Die drängendste Frage blieb deshalb zunächst unbeantwortet: Was passiert mit Nationaltrainer Roberto Donadoni? "Wir sollten uns jetzt nicht vom Frust des Ausscheidens oder den Emotionen der Niederlage leiten lassen", schwadronierte Giancarlo Abete, der Präsident des Verbandes Figc, nach dem Scheitern im EM-Viertelfinale gegen Spanien (0:0 n.V., 2:4 i.E.).

Klausel im Vertrag ermöglicht Trennung

Abete braucht sich nicht leiten lassen - er hat sich seinen gegenteiligen Beteuerungen und Beschwichtigungen zum Trotz längst entschieden. Der Vertrag von Donadoni läuft bis zur WM 2010, kann aber innerhalb der kommenden zehn Tage problemlos gekündigt werden. Der 44 Jahre alte Trainer erhält eine Abfindung von 550 000 Euro, und arrivederci! "Ich denke nicht an Rücktritt, aber ihr kennt ja die Inhalte meines Vertrages", sagte Donadoni am Tag nach dem Spiel mit der ihm eigenen Unaufgeregheit und ergänzte gelassen: "Was immer der Verband entscheidet, geht für mich in Ordnung."

Nachfolger von Donadoni wird wohl sein Vorgänger: Marcello Lippi, nach dem Sieg im Elfmeterschießen gegen Frankreich im Finale der WM 2006 halb zurückgetreten, halb zurückgetreten worden, wäre bereit, sein Segelboot wieder fest zu vertäuen. Der 61 Jahre alte allenatore hat mehrfach mal mehr, mal weniger deutlich signalisiert, dass er es wieder richten wolle. Den Segen der Presse hat er: "Jetzt beginnt die zweite Epoche des Trainers von Berlin", frohlockte der Corriere dello Sport, die eher Donadoni-feindliche Gazzetta dello Sport heuchelte noch: "Jetzt könnte die Phase Lippi beginnen."

Italiener reden sich ihre EM-Auftritte schön

Bis zum Abflug der Squadra Azzurra von Wien nach Mailand um 16. 45 Uhr am Montagnachmittag nutzten die Italiener erst einmal die Zeit, um sich eine missratene Euro, ein erbärmliches Spiel und ihre untaugliche Mannschaft mit dem ihnen eigenen Hang zur Übertreibung schönzureden. "Ich bin glücklich darüber, wie wir spielten. Wir können erhobenen Hauptes gehen", sagte Donadoni nach einem Sieg in vier Spielen. Abete behauptete: "Wir haben verloren, aber wir haben dem italienischen Fußball alle Ehre gemacht." Er sagte aber auch: "Vielleicht sind wir am Ende eines Zyklus angelangt."

Vielleicht ist vielleicht ein bisschen untertrieben. Die Mannschaft, mit einem Durchschnittsalter von 29 Jahren und zwei Monaten die älteste der Euro, hat keine Zukunft. Andrea Pirlo und Gennaro Gattusso, noch bei der WM Herzstück der Azzurri, waren im EM-Viertelfinale gesperrt und konnten nicht gleichwertig ersetzt werden. Das Niveau der "Nazionale" war ganz besonders gegen Spanien erbärmlich: "Der Verdienst Italiens war es, die Gegner gezwungen zu haben, 120 Minuten lang unter ihrem Niveau zu spielen", lästerte die Tageszeitung La Repubblica.

Spieler sprechen sich für Donadoni aus

Geht es nach den teils überalterten, teils formschwachen Spielern, soll Donadoni allerdings bleiben. "Wir haben zwei Jahre lang gut zusammengearbeitet. Wir sind eine geschlossene Gruppe und wir haben gute Leistungen gezeigt. Die Mannschaft steht hinter dem Trainer. Es wäre schade, wenn wir die Zusammenarbeit beenden, nur weil wir ein Elfmeterschießen verloren haben", sagte der torlose Luca Toni von Bayern München. Die meisten italienischen Spieler dachten so, die Wahrheit ist eine andere, wie die Gazzetto dello Sport titelte: "Das Reich von Donadoni ist untergegangen." Flasche leer.

© SID

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