Diskussionen um die Ausstrahlung begannen schon im Februar
Pro Sieben will "Soldat James Ryan" zeigen

Wegen der Ereignisse in den USA ist über den Film viel diskutiert worden, aber die Entscheidung war eindeutig: Pro Sieben wird den Kinofilm "Der Soldat James Ryan" am Samstag zeigen - trotz der Ereignisse in den USA.

dpa HAMBURG. Der Sender vertritt die Auffassung, den teilweise brutalen Streifen über die Landung der Amerikaner in Frankreich im Jahre 1944 zeigen zu können, "da es sich hierbei eindeutig um einen Antikriegs- und Antigewaltfilm handelt", wie eine Sprecherin sagt.

Die Diskussionen um den Soldaten James Ryan begannen aber nicht erst diese Woche, sondern für Pro Sieben bereits im Februar dieses Jahres. Am 19. Februar legte der Münchner Privatsender eine geschnittene Fassung bei der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) vor, mit dem Ziel, den Film bereits um 20.15 Uhr ausstrahlen zu dürfen und nicht - wie von der Freiwilligen Selbstkontrolle Film (FSK) verordnet - erst ab 22 Uhr.

Zeitdruck durch komplizierte Entscheidungswege

Die FSF befand die geschnittene Version als tauglich und gab grünes Licht. Da ihr Einverständnis aber nicht ausreicht, beantragte Pro Sieben am 26. April eine Freigabe für 20.15 Uhr bei der Gemeinschaftlichen Stelle Jugendschutz und Programm der Landesmedienanstalten (GSJP), die die Privatsender beaufsichtigt. Und mit diesem Antrag betrat Pro Sieben das Labyrinth der Medienwächter. Der Sender stand bereits unter Druck, denn die Laufzeit der teuren Lizenz ist begrenzt und auf eine bestimmte Zahl von Ausstrahlungen festgelegt - genaue Angaben macht der Sender nicht.

Am 21. Juni, knapp zwei Monate später, erhielt Pro Sieben die Antwort. Sie lautete: Freigabe erst für 22 Uhr. Der grollende Sender legte nach und wollte die Medienwächter zu einem Kompromiss bewegen: Ausstrahlung um 21 Uhr und vorher um 20.15 Uhr eine Dokumentation über die Ereignisse um den D-Day herum, dem Tag des Einmarsches der Amerikaner in Frankreich. Für Pro Sieben heißt die Rechnung: Je dichter ein Film an die 20.15-Uhr-Marke heran platziert wird, desto höher sind die Werbeeinnahmen.

Entscheidungsprozess ist noch immer nicht abgeschlossen

Doch die Jugendschützer blieben trotz des beigelegten Gutachten eines Medienwissenschaftlers, der die geschnittene Version für den 20. 15-Uhr-Termin für sendewürdig hält, knallhart. Am 30. Juli erfolgte ein erneutes Nein. Dann die plötzliche Wende: Der Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB), die ProSieben die Lizenz erteilt hat, befand am 4. September, der Film könne um 20.15 Uhr ausgestrahlt werden. Vorausgesetzt, die Kommission (ein kleineres Gremium) der GSJP würde zustimmen. ProSieben beklagte schon vor Wochen das "Instanzenwirrwarr".

Susanne Grams von der MABB bestätigt den komplizierten Entscheidungsprozess, der auch vor der Ausstrahlung des Films noch nicht beendet ist. "Es stimmt, dass der Medienrat eine andere Auffassung vertritt als die GSJP", sagt sie. "Aber solch ein Film fordert unterschiedliche Meinungen heraus - und eine Klärung braucht Zeit." Zu viel Zeit für ProSieben, meint der Sender, der den Film nicht verschieben will und nun am Samstag um 22.15 Uhr ausstrahlt - aber dann in der ungeschnittenen Fassung.

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