Diskussionen um Kanzlerkandidaten halten in der Union an
Merkel gerät immer weiter unter Druck

Nach der überzeugenden Wiederwahl von Edmund Stoiber als CSU-Vorsitzender gerät CDU-Chefin Angela Merkel in der Frage der Kanzlerkandidatur der Union weiter unter Druck. In der CSU wird nach Informationen des "Tagesspiegels am Sonntag" konkret erwogen, CDU-Chefin Merkel zum Verzicht auf die Kandidatur zu bewegen. "Man wird mit ihr reden müssen", zitiert das Blatt ein Mitglied der CSU-Führung am Rande des Nürnberger Parteitages.

dpa BERLIN. Der bayerische Ministerpräsident könne es sich angesichts des schwachen Auftretens von Merkel immer weniger erlauben, das Amt abzulehnen und sich dem Vorwurf auszusetzen, in schwieriger Lage vor der Verantwortung zu fliehen.

Merkel stellte ihrerseits erneut klar, dass sie am beschlossenen Fahrplan der Union zur Kanzlerkandidatur festhalten werde. "Wir haben ein übergeordnetes Interesse, und zwar 2002 die Bundestagswahl zu gewinnen. Dem haben sich alle und dem hat sich alles unterzuordnen", sagte Merkel der "Bild am Sonntag". "Ich habe eine genaue Vorstellung von dem, was der Union nutzt und was nicht. Edmund Stoiber als CSU - Vorsitzender und ich als CDU-Vorsitzende werden gemeinsam genau in diesem Sinne den Weg weisen." Stoiber rief CDU und CSU auf dem Nürnberger Parteitag auch mit Blick auf die Kanzlerkandidatur zur Geschlossenheit auf.

Die "BamS" berichtete, dass Teile der CDU/CSU-Fraktion Merkel noch vor der Berliner Wahl zum Abgeordnetenhaus am kommenden Sonntag dazu bewegen wollen, zu Gunsten Stoibers auf eine Kanzlerkandidatur zu verzichten. "Amtsinhaber wie Stoiber haben es als Kandidat ganz einfach leichter, weil sie schon Handlungsfähigkeit bewiesen haben. Das kann man aus der Opposition heraus nicht", zitiert das Blatt den CDU-Abgeordneten Wilhelm Josef Sebastian stellvertretend für eine Gruppe von Abgeordneten. Es habe bereits ein Gespräch in diesem Sinne mit Merkel gegeben.

Schäuble und Seehofer im Gespräch

Nach Darstellung der "BamS" macht sich eine "Berliner Gruppe" um den früheren CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz für eine Rückkehr des früheren Parteivorsitzenden Wolfgang Schäuble stark. Schäuble könne auch Kanzlerkandidat werden. Volle Unterstützung erhalte die Gruppe von Fraktionschef Friedrich Merz und dem Parlamentarischen Geschäftsführer der Fraktion, Hans-Peter Repnik, einem engen Freund Schäubles, schreibt das Blatt.

Repnik und Merz wiesen diese Darstellungen als "blühenden Unsinn" zurück. Er rate jedem, es bei dem bisherigen Fahrplan zu belassen, sagte Repnik. Derartige Äußerungen schadeten der Union und nutzten dem politischen Gegner. "Das Verhalten ist selbstzerstörerisch", warnte er ähnlich wie Merkel.

Ebenfalls als möglicher Kandidat wurde der frühere Bundesgesundheitsminister und stellvertretende CSU-Vorsitzende Horst Seehofer ins Gespräch gebracht. Die Zeitung zitiert ein CDU - Präsidiumsmitglied mit den Worten: "Frau Merkel tritt nicht auf wie die CDU-Vorsitzende. Sie führt sich auf wie die Chefin der Schülermitverwaltung. Wenn Stoiber nicht will, dann hätte auch Seehofer bessere Chancen als sie."

Koch mahnt zur Geschlossenheit

Der Fraktionschef der CSU im bayerischen Landtag, Alois Glück, sprach sich in der ARD dafür aus, zum Jahresende den "exakten Zeitpunkt" für die Entscheidung der Kanzlerkandidatur für die Union festzulegen. Dies müsse man intern gut vorbereiten und dann rasch handeln. In Unionskreisen wird inzwischen vom Januar als Zeitpunkt der Entscheidung ausgegangen, nachdem zuvor von Frühjahr 2002 die Rede war.

Hessens Ministerpräsident Roland Koch, der selbst auch schon als Kandidat genannt wurde, rief die Union zur Geschlossenheit in der Kanzlerkandidatenfrage auf. Wenn diese Geschlossenheit in personellen wie auch in inhaltlichen Fragen fehle, bekäme die Union Probleme. "Dieser Verantwortung müssten sich alle in CDU und CSU bewusst sein", sagte Koch der "Leipziger Volkszeitung".

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