Diskussionen um Vorstandsmitglieder hemmen die Bank
DZ Bank in schwerem Fahrwasser

Die neue DZ Bank steckt zwei Monate nach der Fusion von DG Bank und GZ-Bank noch in kräftigen Geburtswehen. Vorstandschef Ulrich Brixner hat für den Umbau und die Integration beider Häuser ein Konzept "Building DZ Bank" durchsetzen können, stößt bei der Umsetzung aber vor allem seitens der Betriebsräte auf heftigen Widerstand. Brixner will dem Aufsichtsrat heute in einer außerordentlichen Sitzung über die Entwicklung der Geschäfts- und Ertragssituation berichten.

FRANKFURT/M. Beschlüsse zu einer Verkleinerung des heute zehnköpfigen Vorstands auf acht Mitglieder stehen zwar nicht auf der Tagesordnung, es gilt aber als sicher, das diese Themen besprochen werden. Jüngsten Spekulationen zu Folge sollen spätestens Anfang kommenden Jahres alle vier ehemaligen DG Bank-Vorstände ihren Hut nehmen müssen. Dies betrifft den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der DZ Bank Uwe-E. Flach, Bedo Panner, Freiherr Friedrich-Leopold von Stechow sowie Berthold Eichwald. Ein Abschied von Panner gilt in unternehmensnahen Kreisen als sicher, von Stechow und Eichwald gelten als Wackelkandidaten, während Flach wohl relativ fest im Sattel sitzt.

Die Ertragsseite der Bank wird durch den Verfall an den Kapitalmärkten und Einbußen im Kreditbereich stärker als zunächst gedacht belastet. Vor der Fusion musste die Risikovorsorge der DG Bank von 620 Mill. auf 1,75 Mrd. DM aufgestockt werden; jetzt sollen noch einmal über 1 Mrd. DM hinzu kommen. "Es kommt ein Wertberichtigungsbedarf, der die Bank zum Wanken bringen wird", sagt ein DZ Banker. Verabschiedet sind strengere Richtlinien für die Kreditpolitik.

Nach jüngsten Gerüchten wird es statt der versprochenen Dividende für 2001 angeblich eine "Nullrunde" geben. An der heutigen AR-Sitzung soll angeblich sogar ein Vertreter des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen (BAKred) teilnehmen.

Was bei der DZ Bank wirklich Sache ist, lässt die rigide Informationspolitik des neuen starken Mannes indes schwer einschätzen. Der frühere Chef der kerngesunden, kleineren GZ-Bank folgt dem Motto "erst die Eier legen, dann gackern." Dahinter stecken auch Erfahrungen früherer "Zentralbankrunden" des Geno-Sektors, die meist mit lähmendem öffentlichen Streit endeten.

Jedenfalls muss Brixner hart an der Stellschraube Kosten drehen. Das geht nicht ohne kräftige Einschnitte am Personal. Die Rede ist von bis zu 1 300 Mitarbeitern, die das Haus werden verlassen müssen. Zum Beispiel wird eine ganze Hierarchie-Ebene gestrichen. Wie groß die Unruhe ist, zeigt, das seit der Fusion mehrere hundert Mitarbeiter von sich aus gegangen sind. Ein umfangreicher Sozialplan sieht unter anderem den Vorruhestand ab 57 vor. Das 14. Monatsgehalt soll trotz der schwierigen Lage gezahlt werden.

Diskutieren müssen die Aufsichtsräte über ein neues Standortkonzept. Entgegen früheren Spekulationen wird der Standort Berlin nicht verkauft, sondern nur untervermietet. Ein starker Rückzug aus der Fläche ist aber wohl nicht zu befürchten, nachdem die DG Bank ihr Zweigstellennetz im vergangenen Jahr schon kräftig ausgedünnt und sich zum Beispiel aus Ostdeutschland fast komplett verabschiedet hat. Ein Verkauf der Kunstsammlung der früheren DG Bank, der zwischenzeitlich ernsthaft erwogen wurde, ist mittlerweile hingegen kein Thema mehr.

Europapläne wurden auf Eis gelegt

Dagegen hat die mit 350 Mrd. Euro sechstgrößte deutsche Bank ihre Europapläne zunächst auf Eis gelegt. Die DZ Bank wird sich zunächst nur auf den heimischen Markt konzentrieren. Vor allem die Zusammenarbeit mit der wichtigsten Klientel, den 1 400 betreuten Volks- und Raiffeisenbanken, soll intensiviert und verbessert werden.

Einen ersten Erfolg erzielte die DZ Bank inzwischen bei der Optimierung der Vertriebsstrategien. Zusammen mit der WGZ Bank und weiteren genossenschaftlichen Finanzinstituten werden ihre Vertriebskanäle künftig in der VR AG-DirektService gebündelt. An der neuen Gesellschaft beteiligen sich die DZ-Bank mit 60 %, die WGZ Bank eG, die Rechenzentralen FIDU-CIA AG und GAD eG mit jeweils 10 % sowie drei badische Genossenschaftsbanken mit zusammen etwa 10 %. Ziel sei es, die bestehenden unterschiedlichen Lösungen beim Multi-Kanal-Banking schrittweise zu einem einheitlichen Angebot zusammenfassen.

In der Hamburger Filiale der DZ Bank findet derzeit eine Sonderprüfung des Bundesaufsichtsamts statt. Das BAKred untersucht nach Informationen aus internen Bankenkreisen der DZ Bank, ob die frühere DG Bank bei der Bavaria Verwaltungs GmbH-Hanseatic (BH) in Lübeck zwischen 1997 und Ende 1998 leichtfertig mit Bankgeldern umgegangen ist.

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