Dividende soll erhöht werden
VW wagt keine Prognose

Der Volkswagen-Konzern hat die Erwartungen im vergangenen Jahr erfüllt, für dieses Jahr will er lieber keine wecken: Die vorläufigen Zahlen für 2001 kamen am Dienstag ohne Ausblick für das Geschäft der kommenden Monate. Trotz eines Rekordgewinns reagierte die Börse deshalb verhalten.

stw HANNOVER. VW-Chef Ferdinand Piech hat in seinem letzten Amtsjahr noch einmal einen Rekordgewinn abgeliefert. Der Konzern steigerte seinen Umsatz 2001 um 6,5 % auf 88,5 Mrd. Euro und erhöhte den Nettogewinn um 12 % auf 2,9 Mrd. Euro. Diese Werte lagen etwa im Rahmen der Analystenerwartungen. VW bestätigte auch eine Befürchtung vieler Experten: Der Konzern verzichtete in seiner Mitteilung auf den üblichen Ausblick zur Geschäftsentwicklung.

Branchenexperten rechnen mit einem weiteren schweren Jahr vor allem in Deutschland. Die Marke VW hat in ihrem Heimatmarkt bereits 2001 kräftig Federn lassen müssen und mit einem Absatzminus von mehr als 10 % Marktanteil eingebüßt. Vor allem dank des Wachstums bei der Tochter Audi brachte es der Konzern im Gesamtjahr mit 5,1 Mill. Autos weltweit immer noch auf ein minimales Verkaufsplus. Für dieses Jahr wollte sich auch der künftige VW-Chef Bernd Pischetsrieder jüngst im Handelsblatt-Interview nicht festlegen. Der Konzern wolle in jedem Fall Marktanteile gewinnen, sagte er lediglich. Ähnlich äußerte sich Audi-Vertriebsvorstand Georg Flandorfer, der für dieses Jahr in Europa einen um 5 % schrumpfenden Markt voraussagt.

Die Unsicherheit überdeckte an der Börse die Erfolgsmeldungen. Kurz vor Bekanntgabe der Zahlen stieg die Aktie am Nachmittag kurzfristig um mehr als 2 %, rutschte dann aber ins Minus. Am späten Nachmittag notierte sie bei rund 51 Euro mit 1 % niedriger als am Vortag.

Das Rekordergebnis will VW zu einer moderaten Dividendenerhöhung nutzen. Für Stammaktien sollen 1,30 Euro nach 1,20 Euro im Vorjahr ausgeschüttet werden. Vorzugsaktionäre sollen 1,36 Euro statt 1,26 Euro bekommen, schlägt der Vorstand vor. Im vergangenen Jahr hatte die VW-Spitze mit einem zu niedrigen Dividendenvorschlag im Aufsichtsrat auf Granit gebissen. Das Land Niedersachsen als Großaktionär forderte angesichts des damaligen Gewinnsprungs einen deutlichen Nachschlag.

In 2001 hat der Konzern vor Steuern 4,4 Mrd. Euro verdient, das entspricht einem Plus von 6,5 %. Darin enthalten sind noch einmal rund 100 Mill. Rückstellungen für die europäische Altautorichtlinie, die im vergangenen Jahr das Ergebnis weit deutlicher gedrückt hatten. Die Bruttoumsatzrendite liegt damit bei 5 % und ein gutes Stück von jenen 6,5 % entfernt, die sich Piech für das Ende seiner Amtszeit vorgenommen hatte. VW hatte allerdings früh angekündigt, dass man dieses Ziel nicht um jeden Preis erreichen wolle.

Positiv fällt in der kurzen Mitteilung der starke Anstieg des Cash Flow auf. Er stieg im Autogeschäft um mehr als ein Fünftel auf 8 Mrd. Euro. Gleichzeitig wurde dieser Bereich allerdings nicht mehr ganz so üppig mit Investitionen bedacht wie in früheren Jahren. Sie gingen um 14,4 % auf 7,8 Mrd. Euro zurück. Auch die Belegschaft wurde nach jahrelangem Wachstum leicht reduziert. Den kompletten Jahresabschluss will VW am 12. März vorlegen. Einen Monat später wird Ferdinand Piech seinen Stuhl für Bernd Pischetsrieder räumen und in den Aufsichtsrat wechseln.

Der neue Vorstandsvorsitzende hat nach Überzeugung von Analysten einen extrem schwierigen Start vor sich. Der weltweite Absatz des Konzerns werde leicht zurück gehen, sagen die Analysten der DZ Bank in ihrer jüngsten Studie voraus. Der wolfsburger Konzern werde kaum gegen den allgemeinen Trend steuern können, weil wichtige Modellneuheiten erst zum Jahresende kämen. Weil es VW nicht mehr gelingen werde, den Trend zu höherwertigen Autos fortzusetzen, werde der Umsatz ebenfalls zurückgehen. Einsparungen bei den Kosten werden nach Meinung der Analysten nicht ausreichen, diesen Effekt wettzumachen. Erst 2003 werde sich der Nachfragestau in Deutschland lösen.

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