Dividende steigt erneut
Roche kämpft gegen schwaches Pharma-Wachstum

Trotz eines neuen Rekordgewinnes hat der Schweizer Roche-Konzern die Erwartungen vieler Analysten nicht erfüllt. Der Börsenkurs brach ein. Das Pharma-Wachstum wird im ersten Halbjahr 2001 schwach bleiben. Die finanzielle Stärke sichert dem Pharma-Unternehmen aber ein hohes Maß an Flexibilität.

ef BASEL. Die Roche Holding AG hat 2000 mit einem Gewinnanstieg um 50 % auf 8,6 Mrd. sfr einen Rekord erzielt. Hinter dem glanzvollen Ergebnis verbergen sich aber operative Schwächen. Ohne Umschweife räumte Konzernchef Franz B. Humer ein, dass der Basler Pharmakonzern vor allem im wichtigen US-Markt das Wachstum der Branche deutlich unterschritten habe. Da mehrere Patente ablaufen, wird diese Situation auch im ersten Halbjahr 2001 noch anhalten. Erst in der zweiten Jahreshälfte, wenn dieser Effekt nicht mehr in den Zahlen enthalten ist und Neueinführung zum Wachstum beitragen, soll diese Situation korrigiert werden. Insgesamt erwartet Humer für 2001 ein einstelliges Wachstum. Die Roche-Aktionäre müssen sich aber darauf einstellen, dass sich die operative Marge wegen höherer Ausgaben für Marketing und Verkauf in der Pharma-Sparte rückläufig entwickele.

Humer versuchte trotz des kurzfristig schwachen Pharmawachstums ein positives Bild von den mittelfristigen Aussichten des Konzerns zu zeichnen. So sei die Forschungs-Pipeline des Konzerns gut bestückt. Auch in Zukunft wolle der Konzern mindestens ein bis zwei neue Medikamente oder neue Anwendungsbereiche pro Jahr einführen. Das Wachstum soll zusätzlich durch Produktakquisitionen, Lizenzverträge und strategische Allianzen ergänzt werden. Zu den Stärken im Pharmabereich trägt vor allem auch die Zusammenarbeit mit der US-Biotech-Tochter Genentech bei. Eine sehr starke Stellung besitzt der Konzern nach der gelungenen Integration von Boehringer Mannheim in der Diagnostik.

In diesem Bereich konnte die weltweite Spitzenstellung sogar weiter ausgebaut und zweistellige Zuwachsraten erzielt werden. Mittelfristig sollen die operativen Margen sogar die der Pharmasparte erreichen. Im Jahr 2000 betrugen sie im Pharmageschäft 18,4 (Vj. 18,6) % und bei den Diagnostika 13,1 (12,0) %. Nach der schwächeren Umsatz- und Ertragsentwicklung bei Vitaminen und Feinchemikalien, ist Roche als Weltmarktführer zuversichtlich, auch in dieser Sparte wieder steigende Resultate präsentieren zu können. Ein wichtiges Plus ist die Finanzstärke des Konzerns. So besaß Roche am Jahresende 2000 liquide Mittel von fast 21 Mrd. sfr. Die Nettoverschuldung von 3 Mrd. sfr wandelte sich in eine Nettoliquidität von 3 Mrd. sfr. Zudem finanzieren die Eigenmittel von 27,6 Mrd. sfr 46 % der Aktiva.

Diese Stärke sichere Roche ein hohes Maß an Flexibilität, unterstrich Humer. Der Konzernchef und auch der neue Finanzchef Anton Affentranger unterstrichen, dass eine größere Akquisition, vor allem wohl zur Stärkung des Pharmageschäfts in den USA, bei der Roche-Führung eine hohe Priorität genießen. Um die Aktionäre angesichts der im Vergleich zu anderen Pharmatiteln wenig erfreulichen Kursentwicklung bei Laune zu halten, wird der Generalversammlung eine Erhöhung der Dividende pro Aktie und Genussschein (GS) von 100 auf 115 sfr vorgeschlagen. Zudem sollen die schweren Titel im Verhältnis 1:100 gesplittet werden, wenn am 1. Mai 2001 das neue Schweizer Aktienrecht in Kraft tritt.

Vergleichsbasis für die Zukunft

Um eine Vergleichsbasis für die Zukunft zu haben, veröffentlichte Roche auch eine Berechnung, die die hohen Gewinne aus dem Verkauf von Genentech - und LabCorp-Aktien eliminiert. Auf dieser Basis stieg der Betriebsgewinn um weniger spektakuläre 5 % auf 4,3 Mrd. sfr. Der Konzerngewinn konnte wegen des um 39 % auf 1,7 Mrd. sfr gestiegenen Finanzerfolgs um 14 % auf 5 Mrd. sfr verbessert werden. Pro Aktie bzw GS erhöhte sich der Gewinn auf 596 (510) sfr. Effektiv waren es sogar 1024 sfr.

Trotz eines neuen Rekordgewinnes hat der Schweizer Roche-Konzern die Erwartungen vieler Analysten nicht erfüllt. Der Börsenkurs brach ein. Das Pharma-Wachstum wird im ersten Halbjahr 2001 schwach bleiben. Die finanzielle Stärke sichert dem Pharmaunternehmen aber ein hohes Maß an Flexibilität.

Die Analysten ließen sich von den effektiven Zahlen nicht blenden. Der adjustierte Konzerngewinn von 5 Mrd. sfr lag eher am unteren Rande der Erwartung. Vor allem die Qualität des Gewinns wurde wegen der hohen Finanzerträge hinterfragt.

Die Börse reagierte ungnädig. In einem recht freundlichen Umfeld gaben die liquiden Genussscheine bis zum frühen Nachmittag um 3,4 % auf 14 500 sfr nach. Auf einem so tiefen Niveau waren die Titel zuletzt 1998 umgesetzt worden. Bereits 2000 waren die Roche-GS um fast 10 % auf 16 510 sfr zurück gegangen, während die Aktien des "Lokalrivalen" Novartis um 26 % stiegen. Für Roche-Führung dürfte die jüngste Entwicklung Anlass sein, der Beschleunigung Pharmawachstums absolute Priorität einzuräumen, um nicht weitere Marktanteile zu verlieren.

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