Dividende steigt trotz Gewinnrückgang
Continental sichert sich Temic

Continental übernimmt den Elektronikspezialisten Temic und vollzieht damit den nächsten Schritt auf dem Weg zum Konzernumbau. Die Bilanz des vergangenen Jahres zeigt, dass die Zeit drängt: Noch ist die Abhängigkeit vom Reifengeschäft zu groß und belastet spürbar das Ergebnis.

stw HANNOVER. Die Continental AG, Hannover, hat sich ihr Standbein in der Elektronik gesichert: Für insgesamt rund 630 Mill.Euro wird der Autozulieferer die Temic-Gruppe von Daimler-Chrysler kaufen. Der Konzern übernimmt sofort 60 Prozent der Anteile und die unternehmerische Führung, für den Rest besteht eine Option für drei Jahre. Man wolle so einen "vernünftigen Übergang" sichern, sagte Conti-Vorstandschef Stephan Kessel gestern in Hannover.

Die Börse beeindruckte die Nachricht nicht. Der Kurs der Aktie fiel bis zum Nachmittag um mehr als drei Prozent auf 16,35 Euro. Die Akquisition wird von Analysten zwar einhellig begrüßt, viele blicken aber skeptisch auf die aktuellen Schwierigkeiten im Reifengeschäft.

Mit dem Kauf, der vom Investmenthaus Schroeder Salomon Smith Barney begleitet wurde, schließt Continental die Lücke zwischen den Reifen und dem neuen Wachstumsträger im Konzern, der Fahrwerksteuerung. Temic war schon lange der Wunschkandidat, die Conti-Tochter Teves ist dort Großkunde. Nach Handelsblatt-Informationen wollte der Autobauer zunächst beteiligt bleiben, um Zugang zur Technologie zu behalten. Doch Continental drängte auf die 100-%-Lösung, um andere Hersteller nicht durch eine Bindung an die Stuttgarter zu irritieren. Daimler-Chryslers Umsatzanteil von heute einem Drittel soll nach Kessels Worten spürbar sinken.

Kessel deutete an, dass dies nicht die letzte Akquisition war, äußerte sich aber nicht zu anderen Projekten. Weil gleichzeitig die Tochter ContiTech verkauft wird, ändert Temic noch nichts an der Abhängigkeit vom Reifengeschäft.

Der kreditfinanzierte Kauf werde den Zinsaufwand steigern, sagte Friedland. Bereits 2000 ist die Nettoverschuldung um 18 Prozent auf 2 Mrd. Euro gestiegen. Im Gegenzug wird der ContiTech-Verkauf Anfang 2002 nach Schätzung von Branchenkennern mehr als 1 Mrd. Euro bringen. Die Rating-Agentur Moody?s, die Continental mit "Baa1" bewertet, stufte den Ausblick gestern auf "negativ" herunter. In Verhandlungskreisen sprach man von einem "sehr guten Preis" für Temic - gemessen an der strategischen Bedeutung und am operativen Gewinn. Zudem gebe es wenig vergleichbare Unternehmen. Kessel nannte keine Ertragszahlen der neuen Tochter, die mit 5 800 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,1 Mrd. Euro erwirtschaftet.

Der zuständige Continental-Vorstand Wolfgang Ziebart zielt auf das Temic-Wissen in der Sensortechnik. Auf andere Geschäftsfelder wie Elektromotoren und Diebstahlwarnanlagen werde Continental "zunächst nicht verzichten". Im vergangenen Jahr prägte das Reifengeschäft die Continental-Bilanz. Steigende Materialkosten und heftiger Preiskampf ließen den operativen Gewinn (Ebit) um 15 Prozent auf 432,4 Mill.Euro sinken, während der Umsatz um 10,8 Prozent auf 10,1 Mrd. Euro stieg. Der Jahresüberschuss fiel um 13 Prozent auf 205 Mill. Euro. Dabei schlugen 60 Mill.Euro für die Sanierung der britischen Handelstochter NTS zu Buche. Continental will dennoch zum siebten Mal in Folge die Dividende erhöhen und zwar von 0,46 Euro auf 0,51 Euro je Aktie.

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