Dividende unverändert
Gewinneinbruch bei der Hypo-Vereinsbank

Die Hypo-Vereinsbank hat 2001 wegen einer erhöhten Risikovorsorge einen Gewinneinbruch erlitten, der allerdings nicht so stark wie erwartet ausgefallen ist.

rtr MÜNCHEN. Die HVB-Aktie war am Mittwochmittag der größte Gewinner im Dax mit einem Plus von zeitweise mehr als vier Prozent, obwohl Experten das Ergebnis zumindest teilweise auf Einmaleffekte durch Beteiligungsverkäufe zurückführten.

Der Vorsteuergewinn sei im Vergleich zum Pro-forma-Ergebnis 2000 nach vorläufigen Zahlen um 30,5 % auf 1,549 Mrd. ? gesunken, teilte die Bank am Mittwoch in München mit. Von Reuters befragte Analysten hatten für 2001 im Schnitt nur mit einem Vorsteuergewinn von 1,206 Mrd. ? gerechnet. Der Jahresüberschuss reduzierte sich um 38,5 % auf 967 Mill. ?.

Im vierten Quartal erzielte die Bank den Angaben zufolge ein operatives Ergebnis von 456 Mill. ? nach 365 Mill. ? im vierten Quartal 2000. Auch unter dem Strich habe die Bank im Schlussquartal 2001 schwarze Zahlen geschrieben.

Risikovorsorge liegt über zwei Milliarden Euro

Für das Gesamtjahr 2001 erhöhte die HVB die Risikovorsorge um 18 % auf 2,074 Mrd. ?. Unter anderem habe die Bank für Finanzkredite an Argentinien Wertberichtigungen von rund 150 Mill. ? gebildet. Für das Engagement bei dem US-Energieversorger Enron seien rund 50 Mill. ? berichtigt worden. Zum abgelaufenen Geschäftsjahr sagte HVB-Vorstandschef Albrecht Schmidt: "Der abrupte Einbruch der Aktienmärkte, der drastische Konjunkturrückgang und die Integrationsarbeiten mit der Bank Austria haben uns 2001 vor sehr große Herausforderungen gestellt. Für 2001 will die Bank eine unveränderte Dividende von 0,85 ? pro Aktie ausschütten.

Für das laufende Geschäftsjahr zeigte sich Schmidt zuversichtlich. "Die HVB Group ist mit ihrer neuen Führungsstruktur und den realisierten Integrationsmaßnahmen für den Wettbewerb im Jahr 2002 gut aufgestellt. Produktivität und Profitabilität werden in diesem Jahr weiter ausgebaut."

Der Zinsüberschuss der HVB stieg 2001 um 2,4 % auf 7,331 Mrd. ?. Der Provisionsüberschuss ging um 12,4 % auf 2,877 Mrd. ? zurück. Das Handelsergebnis sank um 8,5 % auf 592 Mill. ?.

Beteiligungsverkäufe verbessern offenbar Ergebnis

Analysten sagten, die Zahlen seien auf den ersten Blick deutlich besser als erwartet. Zum Teil seien sie allerdings auf Einmaleffekte zurückzuführen, so dass die Bank beim Ergebnis nicht zwingend besser da stehe, als die Konkurrenz.

"Erfreulich ist vor allem das Zinsergebnis", sagte Konrad Becker, Analyst von Merck Finck & Co. Er gehe davon aus, dass die Steigerung operativ erzielt worden sei und nicht auf Buchungsmechanismen basiere. Die HVB habe zuletzt die Margen im Kreditgeschäft offenbar steigern können. Die Ertragskraft auf der Zinsseite sei nachhaltig verbessert.

Ein Teil der Erträge der Bank stammt 2001 nach Einschätzung der Experten jedoch aus Beteiligungsverkäufen. "Das sind Einmaleffekte, das Ergebnis ist nur teilweise nachhaltig" ,sagte Becker.

"Ich gehe davon aus, dass die 481 Mill. ?, die die Bank in die Gewinnrücklagen einstellen will, aus den Beteiligungsverkäufen stammen", sagte ein Analyst einer anderen Bank. "Wenn man das rausrechnet, würde sich der Gewinn halbieren." Derek Chambers von HSBC in London schätzt die Erlöse aus Beteiligungsverkäufen auf 350 bis 400 Mill. ? und sagte, auch ohne diese Summe stehe die Bank noch gut da. Die HVB selbst machte zur Höhe der Beteiligungserlöse keine Angaben.

Aktie größter Gewinner im Dax

Die HVB-Aktien waren am Vormittag die größten Gewinner im Aktienindex Dax. Gegen 11.15 Uhr MEZ lag das Papier mit 2,6 % im Plus bei 33,20 ?.

Die HVB ist die letzte der deutschen Großbanken, die ihre Zahlen für 2001 vorlegte. Die Banken hatten angesichts der schwachen Konjunktur deutliche Gewinnrückgänge verzeichnet und im vierten Quartal teilweise sogar rote Zahlen geschrieben.

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