Dividende wird stärker gekürzt als erwartet: Daimler verwirrt Anleger mit verkappter Gewinnwarnung

Dividende wird stärker gekürzt als erwartet
Daimler verwirrt Anleger mit verkappter Gewinnwarnung

Daimler-Chrysler wird seine Gewinnziele nicht erreichen. Außerdem müssen die Aktionäre für die teure Sanierung der US-Töchter bluten. Die Börse reagiert verunsichert.

ajo/brb STUTTGART. Für die Aktionäre von Daimler-Chrysler brechen magere Zeiten an. Wegen der Milliardenausgaben für die Sanierung der angeschlagenen US-Töchter Chrysler (Pkw) und Freightliner (Lkw) können die Anteilseigner für 2001 nur noch mit einer Dividende von einem Euro rechnen. Auf diesen Vorschlag hat sich der Vorstand am Mittwoch geeinigt. In den vergangenen Jahren hatte der größte deutsche Industriekonzern jeweils 2,35 Euro je Aktie ausgeschüttet.

Der Vorstand begründet seine Empfehlung mit den aufgelaufenen Verlusten: Der Automobilhersteller weist für 2001 einen Jahresfehlbetrag von 700 Mill. Euro aus. Im Vorjahr hatte der Konzern noch 7,8 Mrd. Euro Gewinn ausgewiesen. Ohne die hervorragenden Geschäfte der deutschen Pkw-Tochter Mercedes, die ein Spitzenergebnis von voraussichtlich mehr als 3 Mrd. Euro erzielte, wäre das Gesamtergebnis viel schlechter ausgefallen. Für die Milliardenverluste verantwortlich sind vor allem die US-Töchter: Im laufenden Geschäft machten Chrysler und die Lkw-Tochter Freightliner schätzungsweise 3 Mrd. Euro Verlust, hinzu kamen Sanierungskosten von rund 3,7 Mrd. Euro.

An den Börsen sorgte jedoch weniger die Dividendenkürzung, als vielmehr eine Gewinnwarnung für Aufregung. Danach wird der Konzern das vor einem Jahr genannte Ziel von mindestens 5,5 Mrd. Euro Betriebsgewinn nicht erreichen. Beim neuen Ziel drückt sich der Konzern unklar aus: "Das Doppelte des Vorjahresniveaus soll sehr deutlich übertroffen werden." Im Klartext heißt das: Mindestens 2,6 Mrd. Euro Betriebsgewinn.

"Das ist eine klare Gewinnwarnung", sagt Erik Burgold, Analyst der BHF-Bank. Der Kurs der Daimler-Aktie rutschte nach der Bekanntgabe der Zahlen um fast 7 % und stabilisierte sich danach nur leicht. Mit der neuen Einschätzung ist für Christian Breitsprecher von der Deutschen Bank auch das Ziel in Frage gestellt, dass Chrysler in diesem Jahr wieder die Gewinnzone erreicht. Der Konzern bekräftigte dieses Ziel für Chrysler gestern jedoch erneut. Analysten erwarten seit längerem, dass Daimler seine Ziele für 2002 insgesamt verfehlen wird. Der Durchschnitt der Erwartungen liegt bisher bei einem Betriebsgewinn von 3,9 Mrd. Euro.

"Der Markt hat Schwierigkeiten zu verstehen, was Daimler mit der Gewinnwarnung genau sagen will", sagte Joe Harrigan von Credit Suisse First Boston. Bei Daimler-Chrysler ist dazu zu hören, dass vor allem die Unsicherheit über die Entwicklung der US-Märkte sehr groß sei.

Kürzungen müssen auch die 140 000 Mitarbeiter der deutschen Sparten Mercedes-Benz Pkw und Nutzfahrzeuge hinnehmen. Sie erhalten eine Ergebnisbeteiligung von 1 350 Euro. Das sind 15 % weniger als im Vorjahr. Die genauen Spartenergebnisse gibt Daimler bei der Bilanzpressekonferenz am 20. Februar bekannt.

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