Dividendenpapiere könnten wieder besser abschneiden als Anleihen
Strategen tasten sich an Aktien heran

Nicholas Sargen, Marktstratege bei JP Morgan, erwartet, dass Anleger 2003 erstmals seit drei Jahren mehr Geld mit Aktien als mit Anleihen einstreichen können. Allerdings ist diese Prognose noch mit einigen Kautelen behaftet. Erste Zeichen deuteten darauf hin, dass Aktienanlagen noch in diesem Jahr die Performance von Bonds übertreffen könnten, sagt er. Sobald die Unsicherheiten, die aus einem Irak-Krieg resultierten, aus dem Weg geräumt seien, gebe es ein erhebliches Aufwärtspotenzial für Aktien.

FRANKFURT/M. JP-Morgan-Marktstratege Gary Dugan meint, europäische Aktien seien so billig wie seit 30 oder 40 Jahren nicht mehr. Eine extrem niedrige Bewertung und niedrige Zinsen ermöglichten Wertsteigerungen von bis zu 20 %, sagt Dugan. Auch Klaus Martini, Chefstratege der Deutschen Bank hält die Zurückhaltung auf den Aktienmärkten für übertrieben. "Wenn die Risikobereitschaft der Anleger wieder zunimmt, können Aktien Bonds leicht überholen", sagt Martini.

Dass Anleihen Aktienanlagen deutlich übertroffen hätten, habe es zuletzt in den 30er Jahren gegeben, sagt Sargen. Genau wie damals seien die Anleger heute extrem risikoscheu. Im Gegensatz zu früher werde die Wirtschaft heute aber nicht durch eine Deflation gebeutelt. Eine gemäßigte Erholung insbesondere der US-Wirtschaft sei absehbar, betont Sargen. Er erwartet, dass die von US-Präsident George W. Bush angekündigten Steuersenkungen innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre Früchte tragen und für eine erhöhte Investitionstätigkeit sorgen.

Die anziehende US-Wirtschaft werde die Kurse von US-Aktien stützen, sind sich die Marktstrategen von JP Morgan sicher. Die Aktienmärkte seien jetzt seit Jahren erstmals wieder fair bewertet, sagt Sargen. Im Vergleich zu europäischen Aktien halten sie US-Aktien jedoch immer noch für teuer. Europäische Aktien könnten künftig von erfolgreichen Kostensenkungsprogramme der Unternehmen profitieren. Die Gesellschaften würden 2003 weitestgehend die Erwartungen des Marktes erfüllen können, sagt Dugan.

Noch deuten keine Zeichen auf Erholung hin

Von der Konjunkturseite würden die europäischen Aktienmärkte aber nicht gestützt, sind sich die Marktstrategen einig. Es gebe keine Zeichen, die auf eine Erholung hindeuteten. "Ich habe Europa zwar noch nicht komplett abgeschrieben, aber es gibt ernsthafte Probleme", sagt Dugan. Europa leide im Gegensatz zu den USA unter einer sinkenden Produktivität. Aufgrund zu großer Unterschiede in den einzelnen Euro-Ländern sei außerdem eine einheitliche Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank zur Konjunkturbelebung schwierig.

Volker Borghoff, Marktstratege bei HSBC Trinkaus & Burkhardt schätzt, dass Europa sich weitere zwei bis drei Jahre in einer Stagnationsphase befinden könnte. Eine relativ stark gestiegene Verschuldung der Unternehmen und Überkapazitäten an den Märkten müssten zunächst einmal abgebaut werden, bevor es einen Aufschwung geben könne. "Wenn für Investitions- und Technologiegüter wieder Ersatzbedarf besteht, ist eine Wende möglich", sagt Borghoff. Der Marktstratege geht jedoch davon aus, dass sich aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre noch kein ausgeprägter Langfristzyklus auf den Aktienmärkten herausbilden wird, sondern nur drei- bis sechsmonatige Trends sich abwechseln werden.

Deutsche Bank warnt vor zu großer Euphorie

Auch Deutsche-Bank-Stratege Martini warnt vor zu großer Euphorie: "Wir befinden uns in einer Phase, in der alles neu gemischt wird." Insbesondere die Wirtschaft Asiens werde enorm an Bedeutung gewinnen. Diese Veränderungen könnten große Unsicherheiten mit sich bringen und zu verhaltenem Investitions- und Konsumverhalten führen, warnt der Chefstratege des deutschen Branchenprimus.

Die Marktstrategen von JP Morgan sind auch hinsichtlich dieser Wandlungen überaus optimistisch. Sie sehen den "Wachstumsmotor China" entsprechend anders, nämlich als bedeutende Chance für die Industriestaaten: "1,2 Milliarden Einwohner sind viele Konsumenten", sagt Sargen.

Als Wachstumsbranche sieht Dugan derzeit insbesondere den Pharmaziesektor. Dem Zyklus entsprechend würden in den nächsten Jahren wieder viele neue Produkte zugelassen.

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