DIW erkennt nicht nur in Deutschland einen Tempoverlust bei der Wirtschaftsentwicklung
Wachstum in vielen Euro-Ländern schwächer

Die Berliner Konjunkturforscher gehen davon aus, dass sich die Konjunkturabschwächung in der Euro-Zone im zweiten Quartal fortsetzt. Bereits in den ersten drei Monaten habe die Dynamik auf breiter Basis weiter nachgelassen. Von der Auslandsnachfrage erwartet das DIW vorerst keine Wachstumimpulse mehr.

ari DÜSSELDORF. Deutschland allein kann nicht zum Sündenbock für die Konjunkturschwäche in der Euro-Zone gemacht werden. Die Abflachung des Wirtschaftswachstums entspricht der Grundtendenz in den meisten Mitgliedsländern. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin, in seinem jüngsten Wochenbericht. Berechnungen deuteten darauf hin, "dass der Rückgang der Wachstumsraten auch in den anderen Staaten stark ausgeprägt ist", heißt es.

Als Beispiele weist das DIW auf Frankreich und die Niederlande hin. In Frankreich habe sich das Wachstumstempo von 2,5 % im vierten Quartal 2000 auf weniger als 2 % im ersten Quartal 2001 verringert, in den Niederlanden habe es sich sogar auf 1,2 % halbiert. Für diese Betrachtung hat das DIW laufende Jahresraten des preis- und saisonbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) herangezogen. Für die gesamten Euro-Zone kommt das Institut im ersten Quartal auf ein Plus von 0,5 % zum Vorquartal, was auf ein Jahr hochgerechnet 2 % entspreche.

Die europäische Statistikbehörde Eurostat hatte Anfang Juni in einer ersten Schätzung einen BIP-Anstieg in der Euro-Zone von 0,5 % zum Vorquartal und von unbereinigt 2,5 % zum Vorjahresquartal genannt. Das DIW kommt auf Basis saison- und kalenderbereinigter Zahlen auf ein Plus von 2,2 % zur Vorjahreszeit. Eine zweite Schätzung von Eurostat ist Mitte Juli geplant. Die EU-Kommission hat ihre Wachstumsprognose jetzt auf 2,5 % für das Gesamtjahr zurückgenommen.

Weil sich die Aussichten für den Euro-Raum zuletzt stark eingetrübt haben, was verschiedene Frühindikatoren - so auch der Handelsblatt-Eurokonjunktur-Indikator - zeigen, rechnet das DIW damit, dass sich die Abschwächung des Wirtschaftswachstums im zweiten Quartal fortsetzen wird. Die Abschwächung hatte in der zweiten Jahreshälfte 2000 begonnen. Von der Auslandsnachfrage erwarten die Berliner Konjunkturforscher in den nächsten zwei Quartalen keine Wachstumsimpulse. Auch für die Inlandsnachfrage seien die kurzfristigen Aussichten angesichts des zuletzt gesunkenen Industrie- und Verbrauchervertrauens wenig erfreulich.

Während das DIW in seiner Analyse offen lässt, ob es noch in diesem Jahr eine Konjunkturerholung für wahrscheinlich hält, sieht das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) im Euro-Raum nur eine vorübergehende Schwächephase, eine "konjunkturelle Delle". Bei dieser Einschätzung stützt sich das IWH darauf, dass die bisher verfügbaren Indikatoren in den USA nicht auf eine Rezession hinwiesen und dort von der Wirtschaftspolitik expansive Impulse ausgingen.

Die Ursachen für die Konjunkturabkühlung in der Euro-Zone führt das DIW auf mehrere Faktoren zurück: Die höheren Ölpreise hätten den privaten Haushalten Kaufkraft entzogen und die Investitionsneigung gehemmt. Zusätzlich hätten Preissteigerungen durch die Tierseuchen und die Euro-Abwertung die Kaufkraft beeinträchtigt. Die Steuerentlastungen hätten deshalb vor allem in Deutschland nicht die erwarteten Wachstumsimpulse gegeben. Außerdem belaste die US-Konjunkturschwäche zunehmend die Entwicklung in Europa, weshalb sich auch die Arbeitsmarktlage nicht weiter entspanne.

Im ersten Quartal habe der Außenhandel zwar noch einen hohen Wachstumsbeitrag geleistet. Dies verdecke aber, dass die Dynamik im Außenhandel drastisch nachgelassen habe. Bei der Binnennachfrage habe sich die Wachstumsrate der Investitionen auch in Folge der 2000 gestrafften Geldpolitik auf den niedrigsten Wert seit fünf Jahren abgeschwächt. Dabei mache sich nicht nur die Baurezession in Deutschland negativ bemerkbar. In den anderen Euro-Ländern seien die realen Bauinvestitionen kaum noch gestiegen (Grafik). Deutlich nachgelassen habe die Dynamik auch bei den Ausrüstungsinvestitionen. Die Investitionstätigkeit wird sich laut DIW erst wieder mit wachsendem Vertrauen besonders in der Industrie beleben.

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