Archiv
DIW: Ostdeutschland bleibt noch zurück

Nach DIW-Einschätzungen werden die neuen Länder auch in den nächsten zwei Jahren nicht mit den westdeutschen Ländern Schritt halten können. Das Wirtschaftswachstum lag im letzten Jahr rund einen Prozentpunkt hinter dem in Westdeutschland zurück.

BERLIN (dpa-AFX) - Die neuen Länder werden nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in den nächsten zwei Jahren noch nicht den Anschluss an das westdeutsche Wachstumstempo finden. Es wäre daher auch ein falsches Signal, wenn sie im Zuge der Diskussion über eine Reform des Länderfinanzausgleichs finanziell schlechter als bisher gestellt würden. Noch immer gebe es einen hohen Nachholbedarf bei der Infrastruktur. Die Schließung dieser Lücke sei aber eine notwendige Voraussetzung dafür, dass der wirtschaftliche Anpassungsprozess endlich weiter vorankomme, stellt das DIW in seiner am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Konjunkturprognose fest.

Im vergangenen Jahr sei das Wirtschaftswachstum im Osten mit zwei Prozent um rund einen Prozentpunkt hinter dem westdeutschen Wert gelieben. In diesem Jahr würden für die neuen Länder zwei Prozent und für den Westen 2,6 % veranschlagt. Im Jahr 2002 dürften es 2,4 % im Osten und 2,7 % in den alten Ländern sein.

Die Industrieproduktion habe sich in den neuen Ländern im vergangenen Jahr noch einmal beschleunigt und in einer deutlichen Zunahme der Beschäftigung in der Industrie niedergeschlagen. Ende Oktober war die Zahl der Beschäftigten um 2,4 % höher als zwölf Monate zuvor. In den alten Ländern lag das Plus bei nur 0,4 %. Auf der anderen Seite setzte sich die Talfahrt bei der Bautätigkeit in höherem Tempo fort als zuvor. Diese gegenläufigen Trends dürften auch in diesem Jahr andauern.

Eine bevorzugte Unternehmensförderung für ganz Ostdeutschland sollte es nach Meinung des DIW über 2004 hinaus nicht geben. Stattdessen sollte mit dem Auslaufen der Förderperiode auf eine gesamtdeutsche Regionalförderung für die strukturschwachen Gebiete umgeschwenkt werden. Zu diesem dürfte dann immer noch ein großer Teil der ostdeutschen Regionen gehören.

An der Notwendigkeit weiterhin hoher Transferzahlungen lässt das DIW keinen Zweifel. Noch immer wiesen die Länder- und Gemeindehaushalte mit weniger als 40 % des westdeutschen Pro- Kopf-Niveaus eine extrem niedrige Steuerkraft auf. Dazu trage auch die geringe Industriedichte bei. Während auf 1 000 Einwohner 41 Beschäftigte in der Industrie kämen, seien es in Westdeutschland mehr als doppelt so viele. Der Transferbedarf werde letztlich erst dann kleiner, wenn die ostdeutsche Wirtschaft wettbewerbsfähiger werde und höhere Steuereinnahmen erzielt werden könnten.

Weitere Informationen: DIW

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%