Djindjic befürchtet Rückkehr "mit eiserner Hand"
Kostunica muss weiterhin mit Milosevic rechnen

afp BELGRAD. Leicht wird die Aufgabe für Jugoslawiens neuen Präsidenten Vojislav Kostunica nicht. Denn wer glaubte, dass Ex-Staatschef Slobodan Milosevic sich mit der Anerkennung seiner Niederlage auch tatsächlich aus der Politik zurückziehen würde, sah sich schnell getäuscht. Einen Rückzug ins Private wird es für Milosevic nur für kurze Zeit geben, dann will er wiederkommen, um seine Sozialistische Partei SPS zu stärken. Kostunica muss sich nicht nur um die brach liegende Wirtschaft in Jugoslawien kümmern, eine Regierungsmannschaft zusammenstellen und die Außenbeziehungen des Landes aufbauen. Er muss vor allen Dingen weiterhin mit Milosevic rechnen - als politischer Drahtzieher im Hintergrund.

Kostunica dürfte klar gewesen sein, dass ihm der Machtmensch Milosevic die politische Bühne nicht einfach überlässt. Schon rein physisch wird der Ex-Präsident in Belgrad präsent bleiben, denn bislang gab es keine Anzeichen dafür, dass Milosevic aus seiner Villa im noblen Stadtviertel Dedinje ausziehen wird. Von diesem "Stützpunkt" aus - so die jüngsten Gerüchte - könnte er eine Gegenrevolution starten. Der Verbündete Kostunicas, Zoran Djindjic, machte bereits kurz nach dem im Fernsehen übertragenen Rückzug Milosevics keinen Hehl aus seinen Befürchtungen, dass der Ex-Präsident die Zeit nutzen werde, seine Verbündeten zu sammeln und einen "niederträchtigen Schlag aus dem Hinterhalt" vorzubereiten.

Djinjic vermutete, der ehemalige Präsident habe die Absicht, sich die Unterstützung "seiner Polizei zu sichern" und "Aufruhr zu provozieren", um mit "eiserner Hand wieder auf die Bühne zurückzukehren". Auch wenn es so weit nicht kommen sollte, wird Milosevic vermutlich doch alle Beziehungen zum Geheimdienst und zu seinen alten Getreuen aus Politik und Wirtschaft nutzen, um Einfluss zu nehmen. Den größten Einfluss wird er jedoch über seine Partei auf das Parlament ausüben.

Das dürfte ihm nicht so schwer fallen, denn das Bündnis der Demokratischen Opposition Serbiens (DOS), das Kostunica unterstützte, hat keine Mehrheit in dem Zwei-Kammer-Parlament bekommen. Das Parlament jedoch muss den von Kostunica vorgeschlagenen Ministern der neuen Regierung zustimmen. In einem Fernsehinterview am Freitagabend gab sich Kostunica staatsmännisch. Für ihn sei es wichtig, "Kontakte zu allen möglichen politischen Optionen" aufzunehmen.

Um die Milosevic-Verbündeten wird Kostunica nicht herumkommen

Um die Milosevic-Verbündeten wird Kostunica nicht herumkommen. Den mächtigen serbischen Präsidenten Milan Milutinovic, der gewählt wurde und auch nach dem Sturz Milosevics an der Macht bleibt, kann er nicht ignonieren.

Doch nicht nur innenpolitisch wird der neue Präsident mit Milosevic konfrontiert. Auch außenpolitisch dürfte der Ex-Präsident zunächst ein heißes Eisen sein. Der Westen verlangt die Auslieferung Milosevics, um ihn vor das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zu stellen. Diese Forderung lehnte Kostunica bisher jedoch ab, denn er hegt keine Sympathien für das Tribunal und hält es "juristisch für nicht unabhängig".

Falls Kostunica bei seiner Haltung bleibt, kann Milosevic weiter in Jugoslawien mitmischen. Für seine Landsleute ist er trotzdem erledigt. "Er wird nie wieder über eine Straße gehen können ohne einen Pulk von Leibwächtern um sich herum", meint ein Belgrader.

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