Djindjic hatte zahlreiche Feinde: Schwerer Schlag für serbischen Reformkurs

Djindjic hatte zahlreiche Feinde
Schwerer Schlag für serbischen Reformkurs

Das Attentat auf den serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic ist nach Ansicht einer führenden Balkan-Expertin ein schwerer Schlag für den Reformkurs Serbiens. "Djindjic stand wie kein zweiter für Erneuerung, für die Rückkehr Serbiens in die Staatengemeinschaft. Diese Entwicklung hat jetzt einen deutlichen Rückschlag erlitten", sagte Marie-Janine Calic von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik am Mittwoch.

HB/dpa BERLIN. "Auch wenn Serbien und Montenegro jetzt nicht im Chaos versinken werden - die ohnehin schleppenden Reformen sind jetzt noch weiter gebremst." Auf der Tagesordnung stünden eine neue Verfassung, Wahlen im Herbst und das Kosovo-Problem. Ein Wiederaufflammen des Balkan-Konflikts befürchtet Calic jedoch nicht. "Jetzt geht es um innere Konflikte einer Republik, die territoriale Ansprüche außerhalb ihrer Grenzen aufgegeben hat", sagte die frühere EU-Beraterin. "Mit bewaffneten Folgen dieses Attentats rechne ich nicht."

Mit der Person Djindjic sind nach Calics Ansicht zahlreiche Reformprojekte direkt verbunden. "Niemand ist unersetzlich, aber an Zoran Djindjic hingen viele konkrete Erneuerungsprojekte." In der politischen Landschaft gebe es keinen herausragenden Politiker, der nahtlos die Arbeit fortsetzen könnte - auch eine Folge von Djindjics Politik selbst. "Ich sehe keinen natürlichen Nachfolger."

Djindjic hatte nach ihrer Ansicht zahlreiche Feinde: "Ich sage nur Kosovo und Milosevic-Auslieferung. Zudem haben viele die Umwandlung Jugoslawiens zu dem Staatenbund Serbien-Montenegro als Verrat betrachtet." Es gebe in Belgrad "mehr als Gerüchte", dass selbst der Sicherheitsapparat von Feinden des Premiers unterwandert war.

Zudem wurden Djindjic immer wieder Kontakte zu "mafiösen Kreisen" nachgesagt. "Zoran Djindjic hatte zahlreiche politische Feinde. Aber wir sollten uns auch erinnern, dass die zahlreichen Attentate in Serbien in den vergangenen Jahren praktisch immer einen kriminellen, keinen politischen Hintergrund hatten", sagte Calic.

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