Djukanovic kündigt baldiges Unabhängigkeitsreferendum an
Rege Beteiligung bei Parlamentswahl in Montenegro

Bei der Parlamentswahl in der jugoslawischen Republik Montenegro hat sich am Sonntag eine hohe Wahlbeteiligung abgezeichnet. Präsident Milo Djukanovic kündigte erneut die baldige Einberufung eines Unabhängigkeitsreferendums an.

ap PODGORICA. Seine Koalition "Der Sieg gehört Montenegro" kann Umfragen zufolge mit 47 % der Stimmen rechnen, ihr wichtigster Gegenspieler, das Bündnis "Gemeinsam für Jugoslawien" mit 36 %. Bei friedlichem Verlauf hatten bis zum Mittag nach amtlichen Angaben etwa ein Drittel der rund 450 000 Wahlberechtigten die Stimme abgegeben.

Djukanovic sagte bei der Stimmabgabe unter dem Jubel von Dutzenden Anhängern, ein Sieg seiner Koalition würde die "weitere demokratische und proeuropäische Entwicklung Montenegros" sichern. Sein wichtigster Berater Miodrag Vukovic erklärte am Samstag, Montenegros Unabhängigkeit - und damit das Ende des Bundesstaates Jugoslawiens - sei beschlossene Sache. Eine Zweidrittelmehrheit sei für die Sezession nicht erforderlich.

Dem widersprach der Führer des projugoslawischen Bündnisses, der jugoslawische Ministerpräsident Zoran Zizic. Er räumte zwar die "theoretische Möglichkeit" des Djukanovic-Bündnisses ein, die Mehrheit der Parlamentsmandate zu gewinnen. "Sie werden aber sicherlich nicht die Zweidrittelmehrheit gewinnen, mit der (nach einem Referendum) rechtmäßig die Unabhängigkeit erklärt werden kann", sagte er.

Amtliches Endergebnis am Dienstag

Seit dem Austritt Sloweniens, Kroatiens, Bosniens und Mazedoniens vor zehn Jahren besteht Jugoslawien nur noch aus den Republiken Montenegro und Serbien. Die Unabhängigkeitsüberlegungen in Podgorica wurden im westlichen Ausland wohlwollend beobachtet, solange Slobodan Milosevic Staatspräsident Jugoslawiens war. Seit dessen Sturz haben EU und USA vor einer Sezession mit der Begründung gewarnt, diese könnte weitere Abspaltungsversuche - und damit auch blutige Konflikte - insbesondere im Kosovo auslösen.

Djukanovic hat demgegenüber erklärt, Montenegro könne mit seinen 600 000 Einwohnern niemals ein gleichberechtigter Partner des neun Mill. Einwohner zählenden Serbiens sein. Allerdings sind die ethnischen Grenzen sehr unscharf: Viele Montenegriner bezeichnen sich als Serben. Es wird geschätzt, dass in Serbien rund eine Mill. Montenegriner leben.

Die Wahllokale waren bis 21.00 Uhr geöffnet. Ein inoffizielles Ergebnis wurde gegen Mitternacht, das amtliche Endergebnis nicht vor Dienstag erwartet. 3 000 Wahlbeobachter - 200 davon aus dem Ausland - überwachten die Stimmabgabe.

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