DM: Bald Geschichte
Die Wiege der Mark stand in Lübeck

"Haste mal 'ne Mark?" - diese Frage wird am 1. Januar nächsten Jahres endgültig der Vergangenheit angehören. In der Silvesternacht wird die Deutsche Mark, für viele Symbol wirtschaftlicher Stabilität, aus den Portemonnaies verschwinden. Doch die Mark hat es in Deutschland nicht erst seit der Währungsreform 1948 gegeben. Sie wird in der Silvesternacht ihr 499. Lebensjahr vollenden. 1502 wurde in der freien Reichsstadt Lübeck die erste Mark geprägt.

dpa LÜBECK. Die Stadt Lübeck und die Sparkasse zu Lübeck feierten den Geburtstag der Mark mit der Herausgabe einer silbernen Gedenkmünze, einer Nachprägung der Eineindrittel Mark von 1502. Diese Münze war die erste Mark, die im damaligen Deutschen Reich geprägt wurde. Bis dahin war die Mark eine reine Gewichtseinheit für geprägtes Silber gewesen. Der Lübecker Münzexperte Dieter Dummler machte die Hansestadt auf das bevorstehende Jubiläum aufmerksam.

"Mit der Lübschen Mark wurden erstmals die Kreisläufe der Silber- und der Goldmünzen vereint", sagt Rolf Hammel-Kiesow, der Leiter der Forschungsstelle für die Geschichte der Hanse in Lübeck. Bis dahin, so Hammel-Kiesow, hätten zwei getrennte Münzkreisläufe existiert: Im innerstädtischen Handel wurde mit Silberpfennigen bezahlt, im Fernhandel dagegen mit Goldgulden. "Die Mark brachte den alten Lübschen Gulden und den Rheinischen Gulden, um 1500 die Leitwährung des Fernhandels, in ein konvertierbares System", sagt Hammel-Kiesow.

Zunächst war die neue Mark eine regionale Währung. Sie galt in Lübeck, Hamburg, Lüneburg und Wismar, denn diese Städte hatten sich bereits 1501 zum "Wendischen Münzverein", einer Art früher Währungsunion, zusammengeschlossen. Später wurde die Mark auch in Holstein, Riga, Reval, in Dänemark und Livland übernommen. Als "Courantmark", die in Thomas Manns Roman "Buddenbrooks" literarisch verewigt wurde, wurde die Mark zur Leitwährung für die Wirtschaft des Ostseeraumes und legte so langfristig doch den Grundstein für eine Vereinheitlichung im Währungschaos, das bis 1873 in Deutschland herrschte, weil jeder Kleinstaat sein eigenes Währungssystem hatte.

Paradiesvogel statt Reichsadler

Das änderte sich nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871. Zwei Jahre nach der Gründung wurde die Mark zur Einheitswährung in ganz Deutschland. "Das war ein Kompromiss, weil weder der süddeutsche Gulden noch der preußische Taler die erforderliche Zustimmung der Vertreter der Länder fanden", berichtet Dummler. Für die Kolonie Deutsch-Neuguinea wurde 1894 eine exotische Variante der Mark geprägt. Anstelle des Reichsadlers zeigte sie einen Paradiesvogel.

Bedingt durch die Inflation wurde aus der Mark 1923 die Rentenmark und 1924 die Reichsmark. Mit der Währungsreform wurde 1948 die Deutsche Mark eingeführt, die zum Symbol des Wirtschaftswunders und nach dem Fall der Mauer auch der Wiedervereinigung wurde. Der Abschied von der Mark fällt den Lübeckern vielleicht ein bisschen leichter, als den übrigen Bundesbürgern. Denn sie haben es noch immer nicht verwunden, dass Lübecks Wahrzeichen, das Holstentor, 1989 vom 50 DM Schein verschwunden ist.

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