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Döpfner ganz oben

Kurz vor seinem 39. Geburtstag wird Mathias Döpfner ganz oben sein. Zum Jahreswechsel übernimmt der gelernte Musikwissenschaftler den Vorstandsvorsitz bei Springer. Doch zum Feiern ist dem früheren "Welt"-Chefredakteur nicht zu Mute. Denn Europas größter Zeitungskonzern muss angesichts niedriger Gewinne und düsterer Branchenaussichten vor allem eines: sparen, sparen, sparen.

Jeder zehnte Mitarbeiter steht auf der Streichliste. Bei den früher so ehrgeizigen Mulitmediaprojekten regiert schon lange der Rotstift. Kein Wunder, dass derzeit die Stimmung im Berliner Springer-Hochhaus schon mal besser war. In Partylaune ist hier niemand. Auch wenn dem glücklos agierenden, hochbezahlten Konzernchef August Fischer kaum jemand eine Träne nachweint.

Döpfner wird finanziell nicht allzu viel Spielraum bleiben, um großartige Projekte zu verwirklichen. Vor allem der Gesellschafter Leo Kirch, der 40 % am Springer Imperium (Welt, Bild, Hörzu, Euro am Sonntag) hält, ist schon jetzt auf die Vorstandsetage nicht gut sprechen. Denn die Münchner brauchen angesichts der eigenen Finanzknappheit jede Mark von Springer. Zudem muss der TV-Konzern einen Milliardenbeitrag für den Kauf der Springer-Anteile an der Pro Sieben Sat 1 Media AG überweisen. In der Kirch-Gruppe steht man Döpfner bisher misstrauisch bis ablehnend gegenüber. Seine Kritiker verweisen darauf, dass Döpfner bisher vor allem eine Kompetenz bewiesen hätte: Viel Geld auszugeben. Mitte Dezember ist Aufsichtsratssitzung. Dann wird Tacheles geredet.

Wer sich Döpfners Bilanz als Zeitungs- und Multimediavorstand jedoch genauer ansieht, wird entdecken: Es gibt nicht nur Niederlagen. Der frühere Bertelsmann-Vorstandsassistent war im Frühjahr einer der ersten, der die schwierige Situation in der Zeitungsbranche erkannte und den Print- und Internettöchtern einen konsequenten Sparkurs verordnete. Die Zusammenlegung einzelner Ressorts bei den Flaggschiffen "Welt" und "Welt am Sonntag", die vorsichtige Ausgabenpolitik beim Venture-Capital-Fonds und das konsequente Zurückfahren der Internetpläne, die Kooperation mit T-Online sind dafür gute Beispiele. Auch die für die gesamte Zeitungsbranche so wichtige Abwehrschlacht gegen die Gratiszeitungen in Deutschland hat Döpfner für sich entschieden.

An Widersachern wird es dem smarten Zeitungsmann nicht fehlen. Das größte Kuckucksei hat sich Döpfner aber selbst gelegt. Die künftige Nummer Eins bei Springer mauert sich bereits seit Monaten mit Freunden und Vertrauensleute in Führungspositionen ein. Doch das Netz aus treuen Gefolgsleuten und abhängigen Karrieristen könnte sich schon bald zum Bumerang entwickeln. Es bleibt spannend im Hause Springer.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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