Dokumentationen über bin Laden hoch im Kurs
Der Handel mit TV-Rechten ist ins Stocken geraten

Der ungebremst wachsende Handel mit Fernsehrechten scheint nach den Anschlägen in den USA und seinen kriegerischen Folgen vorläufig gestoppt.

dpa CANNES. Der empfindliche TV-Markt, der hauptsächlich von Werbeeinnahmen lebt, hat die aktuelle Entwicklung sofort zu spüren bekommen: Zur alljährlich im Herbst im südfranzösischen Cannes stattfindenden Programmmesse Mipcom, die an diesem Freitag zu Ende geht, erschienen diese Woche 2000 Fachbesucher weniger als sonst. Insgesamt lag die Zahl unter 10 000. Einige US- Firmen und auch japanische TV-Manager reisten gar nicht erst an die Cote d'Azur.

Hoch im Kurs standen dagegen Dokumentationen über den Terrorchef Osama bin Laden und über den Islam, berichteten Marktteilnehmer. Teilweise wurden aktuelle Filme über die Themen Afghanistan, Islam und Bin Laden an verschiedene Sender im selben Land verkauft - im internationalen TV-Rechtehandel waren diese Geschäfte bislang nicht üblich, denn mit dem Erwerb einer Lizenz erhielt der Käufer bislang auch das alleinige Ausstrahlungsrecht in seinem Verbreitungsgebiet.

Neben einigen japanischen Fernsehmanagern vom Sender NHK und manchen arabischen TV-Bossen blieben auch viele Mitarbeiter der US- Firma Paramount dieses Jahr zu Hause. Die Vertretet vom MGM hätten jederzeit auf einen Privatjet zurückgreifen können, der sie schnurstracks nach Amerika geflogen hätte. Einige Top-Hotels in Cannes erlaubten den Zugang nur nach vorheriger Sicherheitskontrolle, auch des gesamten Gepäcks. Wer weder Hotelgast noch Messeteilnehmer war, dem wurde der Eintritt verwehrt. Am Eingang des Palais de Festival wurden alle Messe-Teilnehmer streng kontrolliert und mit hoch empfindlichen Metalldetektoren überprüft.

Die groß angekündigte Weltpremiere des Mehrteilers "Die Kreuzritter", eine Produktion von Kirch Media über die Zeit der Kreuzzüge, wurde 24 Stunden zuvor abgesagt. Der Zeitpunkt sei unpassend, hieß es aus dem Hause Kirch. Fireworks, die Produzenten der auf RTL II ausgestrahlten Serie "Andromeda", sagten schon zwei Wochen vor der Messe die Premierenfeier zur Science-fiction-Serie "Mutant X" ab. Stattdessen wurde das Geld dem Roten Kreuz gespendet. Die Liste der abgesagten Events ist lang.

Doch die angespannte weltpolitische Lage, so hoffen die Marktteilnehmer, ist nur von vorübergehender Dauer. Im Ausland rechnet man sogar bald wieder mit steigenden Umsätzen, weil die deutschen Sender vielleicht mehr auf preiswerte Lizenzserien zurückgreifen werden. Als ein Grund werden die rückläufigen Werbeeinnahmen genannt, die teure Eigenproduktionen in Deutschland schwieriger machten. Auf der anderen Seite wurde auf das von der Bundesregierung geplante neue Urhebervertragsrecht verwiesen, das den Autoren bei Wiederholungen Vergütungen durch die Sender garantiere und damit die Stoffe noch teurer mache.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%