Dollar/Euro: "Der Trend geht Richtung Parität"
Euro lockt Optionsscheinfans

Optionsscheinkäufer wollen mit geringem Einsatz schnell reich werden. Derzeit bietet sich der Euro für Spekulationen an. Experten erklären Chancen und Risiken.

DÜSSELDORF. Der Euro ist die erste Währung, die nicht nur ihre Bindung an das Gold, sondern auch die Bindung an den Nationalstaat gelöst hat", sagte Wim Duisenberg, Chef der Europäischen Zentralbank, beim Empfang des Karlspreises für die Europa-Währung. Vielleicht ist gerade das der Grund dafür, warum es Marktteilnehmern so schwer fällt, eine Prognose für den Eurokurs gegenüber dem Dollar abzugeben. Momentan jedenfalls sind die meisten Analysten optimistisch, dass die europäische Währung weiter an Schwung gewinnt.

Das lockt Optionsscheinfans auf den Plan, die mit Kaufoptionsscheinen vom erwarteten Kursanstieg profitieren wollen, also mit geringem Einsatz - die Papiere kosten nur wenige Euro - hohen Gewinn erzielen wollen. Sie hoffen auf den berühmten Hebeleffekt, auch wenn bei den Optionsscheingeschäften ab und zu der gesamt Einsatz auf der Strecke bleibt.

Für die Auswahl des Scheins ist zunächst wichtig, dass man auf die richtige Kursentwicklung des Euros setzt. Für einen weiteren Anstieg spricht momentan aus fundamentaler Sicht einiges: So sind etwa die Geldmarktzinsen in Euroland höher als in den USA. Das ziehe Kapital nach Europa, erklärt Norbert Braems, Chefvolkswirt bei Sal. Oppenheim. Er sieht den Euro in zwölf Monaten bei 0,98 Dollar. Bis Jahresende dürfte er bei rund 0,95 Dollar stehen, erwartet der Experte. "Jedenfalls, der Trend geht Richtung Parität."

Warrants bieten Chancen, bergen aber auch hohe Risiken

Er und Christoph Balz, Volkswirt bei der Commerzbank, weisen auch auf einen weiteren Grund für einen Anstieg des Euros gegenüber dem Dollar hin: das hohe Leistungsbilanzdefizit in den USA. Derzeit importieren die USA deutlich mehr als sie exportieren, erläutert Balz. Das führe zu einem zusätzlichen Dollar-Angebot. Mit dem Geld, das die Amerikaner für die Importe bezahlten, kauften ausländische Anleger dann Wertpapiere in den USA. Mit steigendem Leistungsbilanzdefizit müssten immer mehr Wertpapieranleger gefunden werden, was sich zunehmend schwierig gestalte. Folglich dürfte der Dollar gegenüber dem Euro sinken.

Beide Volkswirte sind allerdings der Überzeugung, dass die aktuelle Eurostärke eher auf negative Faktoren für die amerikanische Währung als auf positive für die europäische zurückzuführen ist. Denn es habe sich gezeigt, dass die Wirtschaft in den USA nicht so stark wie erwartet gewachsen sei, daher habe der Dollar sich abgeschwächt, sagt Braems. Er sieht daher die Aufwärtsbewegung beim Euro nur als " Abschwächung der extremen Unterbewertung" an. Balz, der den Euro auf Sicht von einem Jahr bei 0,94 Dollar vermutet, hält den Dollar aus fundamentaler Sicht für überbewertet, rechnet daher mit einer Abschwächung. "Der Aufschwung in den USA wird nicht wie das Wachstum Ende der neunziger Jahre ausfallen, daher gibt es Potenzial für leichte Enttäuschungen", sagt Balz, womit er auf Kursverluste beim Dollar und Gewinne beim Euro anspielt.

Hohe Kurschancen für den Euro sieht auch Reinhold Knaus, Leiter Economic Research im Metzler Asset Management: Seiner Meinung nach wird der Euro auf Jahressicht über die Dollar-Parität steigen. "Und politisch lassen die USA - etwa die Industrieverbände - erkennen, dass sie an einer gemäßigten Abschwächung des Dollars interessiert sind", sagt Knaus. Er kalkuliert allerdings gelegentliche Rückschläge beim Euro ein. Im historischen Vergleich jedenfalls zeige sich, dass es bisher keine geradlinige Aufwärtsbewegung gegeben habe.

Ebenfalls positiv gestimmt für die europäische Währung zeigen sich die Chartanalysten: Wichtige Trendfolge-Indikatoren - etwa Gleitende-Durchschnitts-Linien über 200 Tage, über 90 Tage und über 36 Tage - lägen unter der aktuellen Kurskurve des Euros, betont Carmen Daub, Fondsmanagerin bei der Oppenheim KAG. Das signalisiere eine Aufwärtsbewegung. Erst wenn diese Durchschnittslinien die Kurslinie von unten nach oben schneiden sollten, ist dem Lehrbuch nach ein Verkaufssignal gegeben. Allerdings zeigten andere Indikatoren, so genannte Oszillatoren, dass der Euro bereits weit gelaufen sei und kurzfristig eher seitwärts tendieren könnte, sagt Daub. Ihr gefällt jedoch, dass sich der Euro in einem flachen Aufwärtstrend befindet. Damit sei die Gefahr, dass die Währung aus diesem Trend ausschere könnte, nicht so groß wie bei einem steilen Anstieg.

Felix Pieplow, Charttechniker aus Frankfurt, ist der Ansicht, kurzfristig könnte der Anstieg des Euros an der Marke von 0,9340 Dollar gebremst werden. Begründung: Auf diesem Niveau liegt ein bedeutender Widerstand. Doch bis zum Jahresende dürfte die europäische Währung auf 0,96 Dollar und langfristig dann sogar über die Parität steigen. Begünstigt werde der Euro aktuell auch durch Großanleger am Terminmarkt, erklärt Pieplow.

Für Privatanleger, die mit Terminkontrakten in Form von Optionsscheinen handeln wollen, ist neben der Prognose über den Kurs des Basiswertes - des Euros - eine Einschätzung der Volatilität wichtig, also der erwarteten künftigen Schwankungsbreite des Euros. Oft schon hat diese Größe Anlegern einen Strich durch die Rechnung gemacht: Steigt sie, steigt auch der Wert des Scheins, sinkt sie, sind auch die Optionsscheine weniger wert - auch wenn der Basiswert wie erwartet zulegt hat. Dabei lässt sich leicht erklären, warum eine steigende Volatilität die Warrants verteuert: Auf Grund von höheren Schwankungsbreiten der Währung steigen nämlich die Absicherungskosten der Bank am Terminmarkt; diese Kosten schlagen sich im Optionsscheinpreis nieder.

"Generell sind die Volatilitäten bei Papieren auf den Euro recht niedrig", zieht Dirk Heß von der Citibank, dem weltweit größten Optionsscheinemittenten, Bilanz. Derzeit liegt die implizite Volatilität im historischen Vergleich eher im Mittelfeld. Falls sie weiter steigt, erhöhen sich die Optionsscheinpreise.

Wichtig für Optionsscheinkäufer ist zudem, auf einen geringen Spread (Differenz zwischen An- und Verkaufskurs) zu achten, damit sich der Kauf via Börse oder der Direktkauf beim Emittenten lohnt. Beim Emittenten ist übrigens der Handel länger - meist bis 22 Uhr - möglich.

Berücksichtigen sollte man auch die Kennzahl Delta, die angibt, um welchen Betrag sich der Schein absolut gesehen ändert, wenn der Euro um einen Cent steigt oder fällt. Währenddessen ist der Hebel weniger aussagekräftig, weil bei seiner Berechnung ein unveränderter Zeitwert vorausgesetzt wird - doch der sinkt im Zeitablauf.

Wem Optionsscheine zu heiß sind, der kann übrigens neustens auch mit zwei Zertifikaten auf einen starken Euro setzen: mit den so genannten Euro-Bull-Zertifikaten von UBS Warburg oder den "Euro-US-Dollar-Zertifikaten" der Commerzbank (siehe zertifikateweb.de).

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