Dollar schwächelt
Stimmung ist umgeschlagen: Euro aus dem Tal

Der Euro geht mit besten Aussichten in sein drittes Lebensjahr. Am Mittwoch wurden für einen Euro schon mehr als 0,93 $ bezahlt, so viel wie seit rund fünf Monaten nicht mehr. Ein Dollar kostet damit nur noch rund 2,10 DM - etwa 25 Pfennig weniger als beim Tief Ende Oktober. Nach einem Kurs deutlich unterhalb der Marke von 0,83 $ hat die Gemeinschaftswährung damit schon fast 13 % aufgeholt.

dpa FRANKFURT/MAIN. "Die Wende haben wir hinter uns", ist DG Bank-Chefvolkswirt Michael Heise überzeugt. "Es wird zwar jetzt keinen linearen Aufwärtstrend geben, aber auch keinen Rückfall auf alte Tiefstände." Heise rechnet binnen Jahresfrist mit einer Rückkehr zur Dollarparität, die Anfang 2000 unterschritten worden war. Seine Kollegen von der Dresdner Bank halten einen Eurokurs von einem Dollar sogar schon zur Jahresmitte 2001 für möglich.

"Das ist allerdings noch keine Stärke des Euro, sondern eine Schwäche des Dollar", bilanziert Heise. Der entscheidende Treibstoff für den Euro ist die konjunkturelle Entwicklung diesseits und jenseits des Atlantiks. Wie schon lange erwartet, fällt das Wachstumstempo in den USA nach jahrelangem Boom nun hinter Europa zurück. Während für Euroland 2001 ein reales Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von mehr als drei Prozent erwartet wird, trauen die Experten den USA nur noch rund drei Prozent zu. Sollten sich diese Verhältnisse als dauerhaft erweisen, könnte sich ein "fairer Wert" zwischen 1,00 und 1,10 $ einpendeln, meint Heise.

Zweiter Faktor zu Gunsten der europäischen Währung ist die schrumpfende Zinsdifferenz zwischen Euroland und den USA. Während die Europäische Zentralbank (EZB) das Zinsniveau in mehreren Schritten deutlich erhöht hat und Kurs halten will, werden in den USA mittlerweile schon wieder Zinssenkungen Anfang 2001 erwartet.

Dies und der weltwirtschaftliche Klimawechsel führen zu einer massiven Veränderung der Kapitalströme über den Ozean. "Die Stimmung ist total umgeschlagen, und das betrifft Anlagekapital und auch Direktinvestitionen", sagt Heise. "Eine gesteigerte Attraktivität Eurolands für internationale Anleger würde daher den Boden bereiten für eine Kurswende beim Euro", sekundiert Heises Kollege bei der Commerzbank, Ulrich Ramm.

Europas Attraktivität leidet allerdings unter mangelnden Fortschritten beim Projekt der europäischen Einigung, wie der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker kritisch bemerkt hat. Statt mit einer Stimme über die Erfolge im Euroland zu sprechen, würden mit widersprüchlichen Äußerungen der verschiedenen Regierungen ständig Detailprobleme in den Vordergrund gerückt. Eigene Stärken würden so ignoriert, amerikanische Schwächen übersehen. Auch die mangelnde Kooperation in der Finanz- und Sozialpolitik hat Juncker als wichtige Ursache für die schwache Position des Euro ausgemacht.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, ist mittlerweile überzeugt, dass der Euro "die Kurve gekriegt" hat. Nach mehreren vergeblichen Interventionen an den internationalen Devisenmärkten wertet der "Herr des Euro" den jüngsten Trend allerdings nicht als Überraschung. "Dies haben wir auf Grund des starken Aufwertungspotenzials ohnehin erwartet."

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