Dollar verliert Status als sicherer Hafen
Julius Bär-Vorstand: „Wir werden enttäuscht“

Gerhard Grebe, Vorstand bei Julius Bär in Frankfurt, warnt vor weiteren Kurseinbrüchen.

hr DÜSSELDORF. Herr Grebe, wird der Dax nochmal unter sein Septembertief von 3800 Punkten fallen?

Wenn externe Schocks auftreten, etwa ein neuer Terroranschlag, kann dies passieren. Auch vor einem US-Angriff auf den Irak könnte es noch einmal eng werden.

Rechnen Sie damit?

Das lässt sich von hier aus schwer beurteilen. Meine US-Gesprächspartner erwarten den Krieg im Januar 2003. Die USA brauchen noch Vorbereitungszeit. Im Sommer ist es zu heiß. Danach sind Kongresswahlen, dann ist Weihnachten. Die politischen Risiken für die Börse nehmen also nicht ab.

Dabei ist der Markt auch so labil genug.

Ja. 4000 Punkte im Dax sind auch ohne Krieg oder Terrorakte durch Gewinnenttäuschungen und Vertrauensverlust möglich.

Also sind Aktien immer noch zu teuer?

Technologieaktien auf jeden Fall. Es gibt immer noch immense Überkapazitäten, trotz aller Sparmaßnahmen.

Erhoffen Investoren zu viel Wachstum?

Im Moment erwarten sie noch 20 Prozent Plus bei den Unternehmensgewinnen.

Das soll, selbst auf Basis des schwachen Jahres 2001, noch zu viel sein?

Ja. Es werden zehn Prozent, mehr nicht. Die Unternehmensausblicke waren eher pessimistisch. Das war keine übertriebene Vorsicht. Unternehmen können ein paar Quartale Gewinne steigern, indem sie sparen. Dann muss aber der Umsatz anziehen, um Gewinnwachstum zu generieren. Hierfür ist gesamtwirtschaftliches Wachstum nötig.

Wie stehen die Chancen dafür?

In den USA flacht sich das Wachstum nach dem starken ersten Quartal ab, in der Eurozone erwarten wir stärkeres Wachstum. Die Weltwirtschaft ist aus der Rezession, der Aufschwung verläuft aber eher moderat.

An den Börsen sieht man wenig davon. Wann werden Sie den Unternehmen wieder trauen?

Ich fürchte, das dauert. Wir werden von einzelnen Unternehmen weiter enttäuscht.

Von wem?

General Electric hat die Erwartungen der Analysten in jedem Quartal übertroffen. Bei strikterer Bilanzierung ist das auf Dauer nicht durchhaltbar.

Also werden Investoren weiter Geld von den US-Börsen abziehen.

Das ist sehr wahrscheinlich. Amerikaner investieren jetzt mehr in Europa, und Ausländer fürchten im Dollar Währungsverluste.

Fällt der Dollar weiter?

Ja. Er verliert den Status als sicherer Hafen, der Euro bewegt sich in Richtung Parität.

Das ist nicht gut für deutsche Aktien.

Exportwerte werden leiden, wie auch die gesamte Konjunktur. Bisher kam unser bescheidenes Wachstum nur aus dem Export. Wir brauchen mehr Inlandsnachfrage.

Vielleicht kommt die, wenn Konsumenten dank des starken Euro mehr Kaufkraft haben.

Das wäre ein Hoffnungsschimmer. Sie dürfen im Euroland auch nicht nur auf Deutschland schauen. Deutschland wächst schwächer als alle anderen in der Euro-Zone.

Versprechen Sie sich etwas von den Wahlen?

Stoiber hat mit der Berufung Lothar Späths Boden gut gemacht. Die Abwahl von Kanzler Schröder könnte der Börse helfen.

Was sollten Investoren jetzt tun?

Weiter defensiv investieren. Im skizzierten Umfeld sollten sie mittelschwere Werte mit Inlandsorientierung bevorzugen. Die Strategie, bei Kurseinbrüchen zu kaufen und abzuwarten, hat langfristig ausgedient.

Quelle: WirtschaftsWoche

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