Dollars für den Diktator
Milosevics Auslieferung zahlt sich für Jugoslawien aus

Die Auslieferung des Ex-Präsidenten an das Den Haager UN-Kriegsverbrechertribunal öffnete die Geldbörsen der Geberländer. Sie bewilligten Jugoslawien eine höhere Finanzhilfen als erwartet.

afp BRÜSSEL. "Meine Damen und Herren, wir haben das Unsrige getan. Jetzt ist es an Ihnen!" Stolz und erleichert rief der jugoslawische Vize-Ministerpräsident Miroljub Labus diesen Satz am Freitag der Geberkonferenz in Brüssel zu. Die dramatischen Stunden der vorangegangenen Nacht hatten die Ausgangsbasis für sein Land erheblich verbessert. Und tatsächlich öffnete die Auslieferung von Ex-Staatschef Slobodan Milosevic so manche Geldbörse. Dollars für den Diktator - die Rechnung ging auf. Die USA jedenfalls stockten ihr ursprüngliches Angebot um mehr als 75 Millionen Dollar auf, nachdem sie Milosevic hinter Schloss und Riegel wussten. Amerikaner und Europäer wissen, dass sie Zeichen setzen mussten: Die serbische Führung hat mit dem nächtlichen Coup einiges riskiert - und wurde belohnt. Die Geberkonferenz bewilligte Jugoslawien Finanzhilfen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro.

Noch bevor er wusste, wieviel genau er mit nach Hause nahmen würde, strahlte Labus über das ganze Gesicht. "Ich bin glücklich mit der Atmosphäre", versicherte er. Ob die Befriedigung über Milosevics Schicksal die internationale Gemeinschaft sogar über das von Weltbank und EU gesteckte Ziel von 1,45 Milliarden Euro hinaus tragen würde, war dem jugoslawischen Politiker gar nicht mehr so wichtig. "Dies ist erst der Anfang", freute er sich.

Als der Milosevic-Hubschrauber in der Nacht auf dem Gefängnisdach in Den Haag landete, war eine der wichtigsten Forderungen der internationalen Gemeinschaft an Belgrad erfüllt worden. Monatelang hatten vor allem die USA Belgrad gedrängt, den mutmaßlichen Kriegsverbrecher auszuliefern. Aber auch die Europäische Union hatte die jugoslawische Führung bei jeder sich bietenden Gelegenheit zur "Zusammenarbeit mit dem UN-Tribunal" in Den Haag ermahnt. Dass es so schnell gehen würde, damit hatte aber niemand gerechnet. Auch Labus nicht. "Puh", entfährt es ihm in Brüssel auf Nachfragen. "Wir haben uns wirklich für die Überholspur entschieden."

Gas gegeben hatte am Schluss die serbische Regierung von Zoran Djindjic, die im Alleingang und entgegen einer Gerichtsentscheidung Milosevic an das UN-Tribunal auslieferte. Zurück blieb ein brüskierter jugoslawischer Präsident Voijslav Kostunica, dessen Regierung daher am Freitag zu zerbrechen drohte. Die internationale Gemeinschaft musste daher beweisen, dass das hochriskante Manöver richtig war. Balkankoordinator Bodo Hombach mahnte die Geberländer am Morgen, zu ihren Zusagen zu stehen. Wichtig sei ein Zeichen "für das serbische Volk", forderte er angesichts der wütenden Proteste und "Verrat"-Rufe tausender aufgebrachter Demonstranten nach der Milosevic-Auslieferung.

Der vielbeschworene "Slobo-Faktor" war den USA mindestens 75 Millionen Dollar wert. Nach Angaben von Teilnehmern stockten die Amerikaner ihr ursprüngliches Angebot von rund 106 Millionen Dollar auf rund 181,6 Millionen Dollar am Mittag auf.

Auf Spekulationen, wann denn nun die Auslieferung weiterer angeklagter Kriegsverbrecher - wie des früheren Serbenführers Radovan Karadzic und dessen Vertrauten Ratko Mladic - anstehe, wollte sich Labus aber nicht einlassen. "Seien Sie nicht ungeduldig", bat er. "Wir brauchen ein wenig Zeit, bevor wir weitermachen."

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