Domainmarkt bleiben hinter Erwartungen zurück: Neue Internet-Adressen legen schwachen Start hin

Domainmarkt bleiben hinter Erwartungen zurück
Neue Internet-Adressen legen schwachen Start hin

Die Hoffnungen waren groß, der Erfolg ist mäßig: Neue Domains wie .biz und .info finden bei weitem nicht die Nachfrage, die sich die Anbieter erhofft hatten. Kritiker fühlen sich bestätigt.

SALZBURG. Die Anbieter von Internet-Adressen mit neuen Endungen wie zum Beispiel .biz oder .info haben bislang deutlich weniger Anmeldungen verzeichnen können als erhofft. So ließen weltweit rund 700 000 Nutzer eine Domain mit der Endung .info registrieren. Der Domain-Registrierer Affilias hatte ursprünglich mit rund 2 Millionen Anmeldungen in der Anfangsphase gerechnet. Auch das US-Unternehmen Neulevel liegt lediglich im unteren Bereich der Erwartungen für seine Adress-Endung .biz, die speziell für Geschäftsleute reserviert ist. Bislang hat die Registrierungsfirma 600 000 Anmeldungen verzeichnet. Weit abgeschlagen im Wettbewerb liegt die zuletzt gestartete Endung .name, die für Privatpersonen vorgesehen ist. Der Betreiber Global Name Registry konnte bislang erst 80 000 Kunden für sich gewinnen. Diese Zahlen nannten Unternehmensvertreter bei einer Tagung des Icann-Studienkreises zum Thema Internet-Governance am Wochenende in Salzburg.

Affilias-Direktoriumsmitglied Philipp Grabensee begründet den mäßigen Erfolg mit dem Ende des Booms in der New Economy. "Die Entwicklung auf dem Domainmarkt ist nicht so positiv gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben", gestand er ein. Neulevel-Managerin Eva Frölich verwies auf die allgemeine wirtschaftliche Lage nach den Terroranschlägen vom 11. September. Welche konkreten Folgen die verfehlten Zahlen auf die Business-Planungen der Unternehmen haben, wollten die Vertreter nicht sagen. "Wir planen jetzt eben etwas konservativer", so Philipp Grabensee.

"Planen jetzt etwas konservativer"

Die Adress-Verkäufer geben außerdem zu bedenken, dass die ursprünglichen Schätzungen äußerst wage gewesen seien. Die Unternehmen, die sich bei der Internet-Verwaltungsorganisation Icann (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) um den Zuschlag für Verwaltung und Verkauf der neuen sogenannten Top Level Domains beworben hatten, mussten im Rahmen dieser Ausschreibung auch ihre Erwartungen über die Verbreitung der neuen Domains äußern. "Das war eher ein großes Ratespiel", erklärte Eric Schätzlein vom Adressen-Registrar Schlund + Partner . Das Unternehmen verkauft .info-Adressen. "Wir haben etwas Neues begonnen, was noch keiner kannte. Wir hatten überhaupt keine Vorstellung, wie sich das Geschäft entwickeln könnte. Dass man dabei daneben liegen kann, ist kein Wunder."

Kritiker fühlen sich hingegen bestätigt. Weiterhin gelten speziell bei Unternehmen die Marktführer unter den Top Level Domains wie zum Beispiel .com oder .de als attraktiver. Sie bemängeln außerdem, dass die Einführung der neuen Domain-Adressen gerade für Unternehmen oftmals einen höheren Aufwand bedeutet. Ursprünglich sollten die neuen Internet-Adressen den zunehmenden Mangel an attraktiven und gut vermarktbaren Netz-Adressen beseitigen. Ein Nebeneffekt ist jedoch, dass viele Unternehmen ihre Markennamen aus Angst vor Missbrauch jetzt zusätzlich auch unter .info oder .biz registrieren lassen. In der heftig umstrittenen Vorregistrierungsphase traten wieder Adress-Piraten auf den Plan.

Interesse in Deutschland vergleichsweise groß

Überrascht hat die Domain-Anbieter nach eigenen Angaben das vergleichsweise große Interesse der Europäer für die neuen Top Level Domains. Speziell deutsche Nutzer schlugen kräftig zu. So wurden 56 % aller neuen .biz-Adressen an Internet-Nutzer außerhalb der USA vergeben. An Europäer fielen 35 % dieser Adressen, Nutzer aus Deutschland sicherten sich allein 12 % der Domains. Noch stärker war das Interesse der Europäer an .info. 51% der Namen gingen an Nutzer in Europa, 20 % allein an Nutzer in Deutschland. Der deutsche Domain-Händler Schlund + Partner mauserte sich dabei zum Marktführer und schlug mit rund 94 000 verkauften .info-Adressen sogar den US-Domain-Riesen .

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