Donald Duck feiert 70.Geburtstag
Entenhausen ist überall

Donald Duck hat Geburtstag. Vor siebzig Jahren feierte der Zeichentrickfilm "Die kluge kleine Henne" Welturaufführung. Schon ein Jahr später erschien bei Whitman Publishing das erste Donald- Duck-Bilderbuch. Im Februar 1938 schließlich startete die weltberühmte Ente ihre Karriere als Comicstrip in amerikanischen Sonntagszeitungen.

DÜSSELDORF. Donald, das ist ein aufbrausender, eitler Wichtigtuer mit großem Herzen. Die vielen Facetten der Figur, die einst von Art Babbitt und Dirk Huemmer zum Leben erweckt und später vom legendären Carl Barks perfektioniert wurde, machen den Erfolg aus. Donald Duck und seine Verwandten Daisy, Dagobert oder Gustav Gans leben in einem faszinierenden Kosmos. Wie komplex und vielschichtig Entenhausen ist, zeigt der Autor Henner Löffler exemplarisch. In einer außergewöhnlichen Fleißarbeit hat er die 402 Erzählungen, erschienen zwischen August 1942 bis Juli 1967, mit literatur- und kulturwissenschaftlicher Methodik durchgearbeitet. Das Ergebnis ist ein Werk, das zu Entenhausen in seiner ganzen Totalität kaum eine Frage offen lässt.

Zu Recht vergleicht Löffler die grafischen Erzählungen von Carl Barks mit James Joyce. Und in der Tat sind die Wirkungen auf Kunst (Roy Lichtenstein, Andy Warhol), Film (Steven Spielberg, George Lucas) oder Literatur unübersehbar.

Wer das Entenhausen-Buch liest, wird sich über die schlechte Bindung des Taschenbuches ärgern, bestimmt aber nicht über den Inhalt. Denn Löffler beschreibt mit unglaublicher Detailkenntnis, aber bisweilen auch mit Augenzwinkern, die Gier nach Geld, den Appetit auf Truthahn und die Lust auf Reisen nach Australien. Seinen Lesern - darunter vermutlich jede Menge Donaldisten - macht es Löffler allerdings nicht leicht. Immer wieder sorgen englische Zitate (mit anschließender deutscher Übersetzung) dafür, dass der Lesefluss gestört ist. Wer sich an der "Wissenschaftlichkeit" des Kompendiums nicht stört, wird aber seinen Spaß haben.

Löffler seziert den Kosmos von Donald Duck und seinen außergewöhnlichen Verwandten wie seinen steinreichen, aber extrem geizigen Onkel Dagobert Duck in einer Weise, dass der Leser nur zu gerne anschließend wieder die vergilbten Comicstrips aus den Kindertagen in die Hand nimmt und in ihnen eine ganz neue Qualität entdeckt. Denn in Entenhausen herrscht ein brutaler Kapitalismus. Es gibt keine Gewerkschaften, kein soziales Netz, keinen Kündigungsschutz. Es zählt nur das Geschäft der unendlichen Geldvermehrung. In diesem Rahmen gibt es aber auch Weisheiten für das alltägliche Wirtschaftsleben, etwa: "Man lässt den Kunden nicht aus den Fingern, bis die Versicherung abgeschlossen ist."

Auch die Geiz-ist-geil-Welle ist für Donaldisten keine Überraschung. Der geizige Gustav Gans liest die Zeitung nur im "Free Reading Room" und der superreiche Dagobert durchforstet den Nachrichtenteil immer auf der Suche nach News, die ihm für die Geldvermehrung dienlich sein können. Entenhausen ist eben überall.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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